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Meenzer Blog

Ein Derby, das keins sein soll

Ob ein Spiel ein Derby ist, entscheidet keine Regel. Es entscheidet die Zustimmung beider Seiten – und genau die fehlt zwischen Mainz und Frankfurt. Die eine Fanszene führt das Spiel als Derby, die andere betont, dass es für sie keines sei.

Das Argument der einen Seite

Es ist einfach: Knapp 40 Kilometer Entfernung, zwei Städte mit stark unterschiedlichem Selbstbild, eine lange gemeinsame Ligageschichte. Wenn das kein Derby ist, sagt der Beitrag, was dann?

Interessant ist die Ergänzung, die derselbe Text macht. In Brisanz und Prestige liege der Gegner aus der Pfalz für die eigene Szene noch vor Frankfurt – es gibt also eine Rangfolge, und die Bezeichnung „Derby“ wird nicht beliebig verteilt.

Warum die andere Seite ablehnt

Eine Rivalität muss auf beiden Seiten ähnlich wichtig sein, um zu funktionieren. Ein Verein mit größerer Historie und größerer Anhängerschaft hat in der Regel andere Gegner im Blick; die Anerkennung eines kleineren Nachbarn als Hauptrivalen wäre eine Aufwertung, die er nicht vornehmen will.

Das ist keine Bosheit, sondern die übliche Asymmetrie. Sie ist in dieser Sammlung an anderer Stelle für ein weiteres Paar beschrieben, das dieselbe Diskussion führt (Derby ohne Derby) – mit dem Unterschied, dass dort auf beiden Seiten die Grundlage fehlt und hier nur auf einer die Zustimmung.

Der zweite Grund, aus dem der Tag zählt

Dieser Spieltag war der Auftakt der Aktion 12:12: zwölf Minuten und zwölf Sekunden Schweigen zu Beginn jeder Partie, gerichtet gegen das Papier, über das die Vereine am 12. Dezember 2012 abstimmen sollten.

Bemerkenswert war die Beteiligung der Frankfurter Szene. Sie nahm damit erstmals seit Jahren an einer bundesweiten Solidaritätsaktion teil – was für eine Fanszene, die den gemeinsamen Auftritt mit anderen sonst meidet, eine eigene Entscheidung war und den Rang der Sache zeigte.

Der Streit über eine Darstellung

Auf einem der Frankfurter Ausdrucksmittel dieses Abends stand ein abgewandeltes, bewusst provokantes Zitat, das anschließend heftig kritisiert und mit historischen Zusammenhängen in Verbindung gebracht wurde. Der Wortlaut wird hier nicht wiedergegeben.

Der Beitrag hielt beides fest: die Kritik für weit hergeholt und die Formulierung für in dieser Lage vertretbar. Diese Bewertung wird hier nicht übernommen – dokumentiert wird, dass es diesen Streit gab, weil er zum Muster der Aktion gehört: Ein Protest, der bundesweit identisch abläuft, wird lokal unterschiedlich formuliert, und einzelne Formulierungen überschatten dann die gemeinsame Sache.

Was von dem Abend bleibt

Zwei Fragen, die beide nicht entschieden wurden. Ob dieses Spiel ein Derby ist, hängt weiter an der Zustimmung der anderen Seite, und die ist nicht in Sicht. Und ob 12:12 gewirkt hat, lässt sich mit einem Datum beantworten: Das Papier wurde am 12. Dezember 2012 beschlossen – das Schweigen hat es nicht verhindert, aber es hat die Debatte darüber erst hergestellt.