FankulturDokumentation · Deutschland
Osterdeich-Schnack

Wenn eine Rubrik endet

Im April 2013 erschien in dieser Sammlung ein Text, der nicht über Fußball berichtet. Der Autor einer Werder-Rubrik teilte mit, dass er seine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen auf unbestimmte Zeit einstellt.

Die Rubrik hatte knapp ein Jahr bestanden. Sie war nach einer Straße an der Weser benannt, die gegenüber dem Stadion verläuft.

Was der Text über die Konstruktion verrät

Er bedankt sich zuerst dafür, dass ihm ein Jahr lang die Möglichkeit gegeben wurde, hier zu veröffentlichen. Das ist die genaue Beschreibung des Verhältnisses: Das Magazin stellte die Plattform, die Autoren schrieben eigenverantwortlich unter eigenem Rubriknamen.

Diese Sammlung besteht deshalb aus mehreren Dutzend solcher Rubriken – je eine pro Verein oder Thema, jeweils von einer Person getragen. Sie hat kein Redaktionsprofil im klassischen Sinn, sondern eine Sammlung von Handschriften. Das erklärt die Bandbreite, die zwischen einem juristischen Hintergrundtext zu Stadionverboten und einer Glosse über ein Sonderheft liegt.

Es erklärt auch die Verwundbarkeit: Fällt eine Person aus, endet die Rubrik. Kein anderer Autor übernimmt sie, weil sie nicht als Ressort angelegt war.

Was eine solche Rubrik enthielt

Ein Vereinsblog dieser Art berichtet nicht über Spiele, sondern begleitet eine Saison: Aufstellung und Trainerfrage, die Stimmung im Block, Kartenpreise, Auswärtsfahrten, Mitgliederversammlungen. Der Autor ist Anhänger und schreibt als solcher; die Nähe ist die Bedingung der Textform, nicht ihr Mangel.

Deshalb ist ein solches Blog auch keine Berichterstattung im journalistischen Sinn und beansprucht das nicht. Sein Wert liegt in der Kontinuität: dieselbe Person, dieselbe Kurve, über eine ganze Spielzeit hinweg – eine Perspektive, die eine Zeitungsredaktion nicht einnehmen kann, weil sie am Montag über einen anderen Verein schreibt.

Der zweite Teil des Textes

Er richtet sich an die Kritiker. Der Autor bedankt sich ausdrücklich bei denen, die ihm wöchentlich geschrieben hatten, was sie von seinen Texten hielten und dass er kein echter Fan sei – mit der Begründung, ihre Zuschriften hätten ihn zum Weitermachen angetrieben.

Das ist die Arbeitsbedingung eines Fanbloggers, in zwei Sätzen. Wer über einen Verein schreibt, schreibt für ein Publikum, das über denselben Verein anders denkt und den Anspruch erhebt, darüber zu befinden, wer dazugehört. Der Vorwurf, kein echter Fan zu sein, ist in dieser Sammlung mehrfach dokumentiert – gegen Bloggende, gegen Fanvertretungen und gegen ganze Gruppen.

Der Satz an den Verein

Der Autor schreibt seinem Verein, er habe den Luxus, sich nur um Punkte, Tore und den Klassenerhalt sorgen zu müssen, und stellt dem gegenüber, womit er sich in den kommenden Monaten befassen werde.

Der Verein spielte in der Saison 2012/13 gegen den Abstieg und beendete sie auf dem vierzehnten Platz. Aus dieser Lage heraus geschrieben, ist der Satz kein Vorwurf über Tabellenplätze, sondern eine Verhältnisbestimmung: Die Sorgen der Mannschaft sind Sorgen innerhalb eines Spiels.

Damit endet der Text, dem Douglas Adams entlehnt, mit dessen Abschiedsformel.

Was darunter stand

Die Kommentare sind der Teil, der diesen Vorgang belegt. Ein Leser schrieb, er lebe seit langem nicht mehr in Deutschland und die Rubrik sei für ihn das Gespräch nach dem Spiel gewesen, das er sonst nicht führen könne. Weitere kamen von Anhängern anderer Vereine, unter anderem vom Betzenberg, mit Wünschen für die Genesung.

Diese Reaktionen kommen aus Fanszenen, die sich in der Kurve nichts schenken. Sie sind der Beleg für etwas, was in Debatten über Fankultur selten vorkommt: dass die Rivalität an einer Stelle endet, an der sie nicht mehr die Sache ist.

Eine Publikationsform, die es nicht mehr gibt

Der Text beschreibt eine Struktur, die es in dieser Form nicht mehr gibt. Blogs einzelner Anhänger, unter dem Dach eines Fanmagazins veröffentlicht, waren zwischen 2010 und 2015 eine verbreitete Publikationsform. Die meisten dieser Rubriken sind erloschen, als ihre Autoren aufgehört haben, und die Debatte ist in soziale Netzwerke abgewandert, wo sie kein Archiv hinterlässt.

Der Text selbst nennt die Namen der Menschen, denen der Autor dankt – Familie, Freunde, Leser, Kollegen. Sie sind hier nicht wiedergegeben: Es sind private Personen in einer privaten Angelegenheit, und was von diesem Beitrag bleibt, ist nicht die Liste, sondern der Umstand, dass eine Rubrik an einer Person hing.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Was war der Osterdeich-Schnack?

Eine Rubrik über den SV Werder Bremen, benannt nach der Straße an der Weser gegenüber dem Weserstadion. Sie bestand knapp ein Jahr und wurde von einem einzelnen Autor geschrieben.

Warum endete sie?

Der Autor stellte die Arbeit aus gesundheitlichen Gründen auf unbestimmte Zeit ein. Ob und wann die Rubrik wieder erscheinen würde, war zu diesem Zeitpunkt offen.

Wie war das Verhältnis von Rubrik und Magazin?

Das Magazin stellte die Plattform, der Autor schrieb eigenverantwortlich unter eigenem Rubriknamen. Der Abschiedstext nennt das ausdrücklich als Möglichkeit, die ihm gegeben wurde – kein Auftrag, keine Redaktionslinie.