FankulturDokumentation · Deutschland
Osterdeich-Schnack

Chronologie der Stadionnamen

Im Februar 2013 zählte ein Beitrag die Spielstätten der ersten drei deutschen Ligen durch und ordnete sie nach ihrem Namen. Das Ergebnis war die eigentliche Aussage: Ein Stadion, das nach sich selbst heißt, war zur Ausnahme geworden.

Der Anfangspunkt

Als erster Fall in Deutschland gilt der Ronhof in Fürth, der 1996 den Namen eines Spielzeugherstellers aus der Region annahm. Von dort breitete sich die Praxis mit zunehmender Geschwindigkeit aus – zuerst bei Neubauten, dann bei Umbauten, schließlich auch bei Stadien, an denen sich baulich nichts änderte.

Die Aufzählung endete nicht in der dritten Liga. Genannt werden Beispiele aus den Regionalligen und darunter, von Lübeck über Magdeburg und Leipzig bis Bergisch Gladbach – Standorte, an denen die Vermarktung eines Namens Beträge einbringt, die in keinem Verhältnis zu Bundesligasummen stehen und für den jeweiligen Verein trotzdem erheblich sind.

Der Einwand, der sich nicht mit Nostalgie erklärt

Der Beitrag argumentiert ausdrücklich aus der Sicht des Beworbenen, nicht des Werbetreibenden: Ein Stadionname erzeugt Wiedererkennung, aber die entstehende Verbindung ist negativ. Wer den Namen seines Vereinsstadions als Zumutung empfindet, kauft deswegen kein Auto.

Damit ist der Kern benannt, der auch die Debatte in Bremen bestimmte: Reichweite und Zustimmung sind zwei verschiedene Größen, und Namensrechte kaufen nur die erste.

Was die Chronologie zusätzlich zeigt

Sie ist keine Liste von Umbenennungen, sondern von Ketten. An mehreren Standorten hieß dasselbe Stadion binnen weniger Jahre nach drei verschiedenen Unternehmen, weil Verträge auslaufen, Sponsoren fusionieren oder insolvent werden.

Das ist der praktische Einwand, der über den ideellen hinausgeht. Ein Name, der sich alle vier Jahre ändert, wird von niemandem gelernt – nicht von den Anhängern, nicht von Auswärtsfahrern, nicht von Taxifahrern. Die Werbeleistung, für die bezahlt wird, entsteht erst nach Jahren der Wiederholung und wird durch den nächsten Vertrag wieder gelöscht.

Wie sich das seither entwickelt hat

In beide Richtungen. Weitere Standorte haben Namensrechte verkauft, darunter auch solche, die 2013 noch als Beispiele für das Gegenteil galten. Gleichzeitig sind mehrere historische Namen zurückgekehrt: in Hamburg 2015, weil ein Investor genau dafür bezahlte, und in Bremen 2024, weil der Sponsor ausfiel.

Beides bestätigt die Chronologie. Ein Stadionname ist kein Eigentum, das verkauft wird, sondern eine Miete – und wenn sie ausläuft, benutzen die Leute wieder den Namen, den sie ohnehin benutzt haben.

Eine Momentaufnahme, später nicht mehr rekonstruierbar

Wer heute nachschlagen will, wie eine Spielstätte 2013 hieß, findet in den meisten Fällen den aktuellen Namen und keine Historie.

Genau daraus entsteht der Effekt, den der Titel des Beitrags meint: Die Frage, wie das eigene Stadion gerade heißt, ist keine Pointe, sondern in einigen Städten eine ernst gemeinte Erkundigung.