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Hooligans und die Zeit davor

Der Rückblick setzt an einem Frühsommerabend im Gelsenkirchener Parkstadion ein – jener flachen Schüssel am Rand riesiger Parkplatzflächen. Fortuna Düsseldorf wollte den Pokalsieg des Vorjahres wiederholen, und der Gegner war der Erzrivale aus Köln.

Was an diesem Abend selbstverständlich war

Die Anhängerschaften beider Vereine waren sich lange vor dem Anpfiff an verschiedenen Orten begegnet und hatten sich, wie der Beitrag es formuliert, im Stil der Zeit ausgetauscht. Erfahrene Besucher, die weder Täter noch Opfer sein wollten, wussten recht genau, wann man besser nicht an welchem Ort war.

Das ist die präziseste Beschreibung dieser Jahre, die diese Sammlung enthält: Nicht die Auseinandersetzungen waren organisiert, sondern das Ausweichen.

Die Überschneidung mit anderen Milieus

Für Düsseldorf hält der Beitrag fest, dass die Gruppen der – wie man damals sagte – Rocker und der Fußballschläger weitgehend deckungsgleich waren. Wer sich auskannte, vermied bestimmte Straßen in der Nähe des alten Stadions bei Dunkelheit.

Diese Verbindung erklärt, warum die Auseinandersetzungen jener Zeit nicht mit dem Spielbetrieb endeten. Sie fanden in Stadtvierteln statt, in denen dieselben Personen ohnehin präsent waren – und die Fußballzugehörigkeit war ein Anlass unter mehreren.

Der Wandel

Der Beitrag datiert ihn und benennt den Grund: Gewaltanwendung sei in relativ großen Fankreisen jener Zeit kein Tabu gewesen; das habe sich erst und zu Recht nach der Katastrophe im Brüsseler Heysel-Stadion im Mai 1985 geändert.

Dort starben vor dem Europapokalfinale 39 Menschen, als eine Tribüne unter dem Druck flüchtender Zuschauer einstürzte. Das Ereignis veränderte die Bewertung von Gewalt im Umfeld des Fußballs in ganz Europa – und es ist der Bezugspunkt, an dem die spätere Sicherheitsarchitektur ansetzt.

Warum der Titel eine Zumutung ist

Er stellt fest, dass die Beteiligten Fans waren. Das ist unbequem, weil die Sicherheitsdebatten dieser Sammlung überwiegend mit der umgekehrten Behauptung geführt werden: Wer Gewalt ausübt, sei kein Fan – eine Formel, mit der Verbände, Vereine und Fanszenen gleichermaßen arbeiten.

Der Beitrag widerspricht ihr aus historischer Sicht. Die Gruppen der achtziger Jahre standen in denselben Kurven, sangen dieselben Lieder und fuhren zu denselben Auswärtsspielen. Wer die Geschichte einer Fanszene schreibt, kann sie nicht aussortieren.

Eine Errungenschaft, keine Selbstverständlichkeit

Zweierlei. Erstens: Die Ächtung von Gewalt in den Kurven ist eine Errungenschaft und keine Selbstverständlichkeit – sie ist ungefähr vierzig Jahre alt und hat einen konkreten Anlass. Zweitens: Die Behauptung, das Problem sei neu, ist in dieser Sammlung mehrfach widerlegt, und dieser Text liefert die längste Zeitreihe dazu.

In den Sicherheitsdebatten von 2012 wurde regelmäßig eine Zunahme behauptet. Wer die achtziger Jahre kennt, weiß, dass der Vergleichsmaßstab fehlt: Aus dieser Zeit gibt es keine Statistik, und die Erhebungen begannen erst mit den szenekundigen Beamten.

Was ein Erinnerungstext enthält und ein Polizeibericht nicht

Er stammt von jemandem, der dabei war, und er kennzeichnet seine eigene Perspektive. Er beschreibt nicht, was geschah, sondern was man wusste und wie man sich verhielt – und genau das ist der Teil, den keine Statistik und kein Polizeibericht enthält.

Das Parkstadion als Ort

Es war von 1973 bis 2001 die Spielstätte des Gelsenkirchener Vereins, gebaut für die Weltmeisterschaft 1974, mit Laufbahn, flachen Rängen und großen Parkflächen ringsum – und damit das Gegenteil der Arena, die es ersetzte.

Für die Beschreibung jener Jahre ist das mehr als Kulisse. Eine flache Schüssel mit Laufbahn hält das Publikum weit vom Feld entfernt; die weiten Flächen um das Stadion sind Räume ohne Zuständigkeit, in denen sich Gruppen begegnen, ohne dass jemand eingreift. Was der Beitrag über das Ausweichen schreibt, hängt an dieser Geometrie.

Zwei Gründe zu schweigen

Sie müssen von Menschen geschrieben werden, die dabei waren und heute anders darüber denken. Wer die achtziger Jahre in dieser Rolle erlebt hat, hat zwei Gründe zu schweigen: die eigene Beteiligung und den Vorwurf der Verklärung.

Dieser Text nimmt beides in Kauf und löst es durch Genauigkeit – Orte, Jahre, Milieus, und eine klare Aussage darüber, wann die Bewertung sich änderte und warum sie sich zu Recht änderte.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Was änderte sich 1985?

Nach der Katastrophe im Brüsseler Heysel-Stadion im Mai 1985, bei der vor dem Europapokalfinale 39 Menschen starben, wurde Gewalt in großen Teilen der Fanszenen geächtet. Der Beitrag benennt das als den Wendepunkt.

Wie sah die Lage davor aus?

Gewaltanwendung war in relativ großen Fankreisen kein Tabu. Wer sich auskannte, wusste, wann man welche Orte besser mied – und in einigen Städten überschnitten sich die Gruppen der Fußballschläger mit denen der örtlichen Rockermilieus.

Warum heißt der Beitrag so?

Weil er dem Publikum eine unbequeme Feststellung zumutet: Die Beteiligten waren keine Auswärtigen, sondern Anhänger derselben Vereine – und das ist der Grund, aus dem Fanszenen sich mit dieser Geschichte befassen müssen.