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Stellungnahme

Ultras GE: der Austritt aus dem Fan-Club-Verband auf Schalke und die Fanszene

Am Abend des 4. Februar 2013 erklärten die Ultras GE ihren Austritt aus dem Schalker Fan-Club-Verband. Es war der erste Austritt einer großen Gruppierung aus diesem Verband, und die Gruppe nannte den Grund öffentlich, in einem Statement, das am Tag darauf dokumentiert wurde: Der Verband vertrete nicht mehr die Meinung der in ihm organisierten Fanclubs, sondern in kritischen Themen die Argumente des Vereinsvorstands.

Was die Ultras GE erklärten

Der Beitritt lag knapp vier Jahre zurück. Im Sommer 2009 waren die Ultras GE dem Verband mit dem ausdrücklichen Ziel beigetreten, eine gemeinsame Fanvertretung auf Schalke zu bilden und zu unterstützen – und sie stellten in ihrer Begründung voran, dass dieses gemeinsame Auftreten funktioniert habe. Als Beispiel nannten sie die Auseinandersetzungen um den damaligen Trainer und Manager Felix Magath: Daran habe sich gezeigt, wie wichtig eine arbeitsfähige Fanvertretung ist.

Im Jahr vor dem Austritt habe sich genau diese Zusammenarbeit verschlechtert. Der Verband habe zu jedem Thema, das von Fanseite kritisch gesehen wurde, zugunsten der Verantwortlichen gesprochen, statt die Meinung der Fanbasis aufzunehmen und sie gegenüber dem Verein zu vertreten. Drei Beispiele führte die Gruppe an: die Haltung gegenüber der Kampagne „12:12“, die Kartenpreispolitik und den Vertrag mit der Zweitmarktplattform Viagogo. Kritische Stimmen seien nicht nur überhört, sondern „mundtot“ gemacht worden.

Der Auslöser: ein Protokoll und eine Aufsichtsratsstimme

Zwei Vorgänge stehen im Zentrum der Begründung, und beide sind konkret.

Der erste betrifft ein Gremium. Der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes sitzt als Fanvertreter im Aufsichtsrat des Vereins – und habe dort dem Vertrag mit der Plattform zugestimmt, statt sich zu enthalten oder dagegen zu stimmen. Für eine Vertretung, deren Basis auf allen vier Tribünen gegen diesen Vertrag protestierte, ist das der Punkt, an dem aus einer Meinungsverschiedenheit eine Frage der Legitimation wird.

Der zweite betrifft ein Protokoll. Anfang 2013 hatte es ein Treffen zwischen Vertretern der Gruppe und dem Verbandsvorstand gegeben; der Verband habe dabei eingeräumt, Fehler gemacht zu haben, und sie beheben zu wollen. Als ersten Schritt sollte ein offener Gesprächsabend die Stimmung der Fans aufnehmen. In der veröffentlichten Zusammenfassung dieses Abends sei dann wieder die Position des Vereins dargelegt worden, ohne die kritischen Beiträge der Anwesenden auch nur zu erwähnen. Danach, so die Gruppe, habe sie nicht mehr den Eindruck gehabt, dass der Verband die Aufgabe einer Fanvertretung wahrnimmt.

Die Antwort des Verbandes an seine Fanclubs

Der Verband bedauerte den Austritt und erklärte, er wolle allen Schalkern eine Plattform bieten und die unterschiedlichen Meinungen einfließen lassen – seine Stellungnahmen müssten aber letztlich dem Mehrheitsbild entsprechen. Dazu verwies er darauf, dass fast 35 Jahre Fanarbeit eine „gewisse Nähe“ zum Verein hätten entstehen lassen, und stellte diese Nähe als Vertrauensbasis dar, auf der die Zusammenarbeit beruhe.

Beide Sätze wurden in der Schalker Fanszene als Bestätigung des Vorwurfs gelesen, nicht als Widerlegung. Das Argument vom Mehrheitsbild kam unmittelbar nachdem der Verband einen Vertrag verteidigt hatte, gegen den im Stadion sichtbar eine große Mehrheit stand; und eine Nähe zum Verein, die als Vorteil beschrieben wird, beschreibt genau das Verhältnis, das eine Interessenvertretung nicht haben soll. Hinzu kam ein struktureller Einwand, der in der Diskussion jener Wochen wiederholt vorgebracht wurde: Der Verband finanziert sich neben den Mitgliedsbeiträgen über eigene Sponsoren, die zugleich Sponsoren des Vereins sind, und er stellt Vertreter in Gremien des Hauptvereins.

Ultras Gelsenkirchen und die Frage, wer für eine Kurve spricht

Der Austritt der Ultras Gelsenkirchen war deshalb keine Personalie, sondern ein Befund über eine Bauform. Ein Dachverband der Fanclubs steht immer zwischen zwei Aufgaben: Er soll gegenüber der Vereinsführung widersprechen können und arbeitet gleichzeitig mit ihr, weil er ohne diese Zusammenarbeit weder Karten noch Termine noch Gremiensitze bekommt. Solange die Interessen weitgehend parallel laufen, fällt das nicht auf. An einem Vertrag über den Weiterverkauf von Eintrittskarten laufen sie auseinander.

Die Ultras Gelsenkirchen zogen daraus den Schluss, unabhängig zu bleiben, und boten ausdrücklich an, mit anderen Fanclubs und Fans eine neutrale Interessenvertretung zu bilden. Das ist die zweite Bauform: keine Vertretung mit Sitzen und Beiträgen, sondern ein Zusammenschluss ohne Gegenleistungen, der nichts zu verlieren hat und deshalb auch nichts durchsetzen kann außer Öffentlichkeit.

Warum der Austritt die Schalker Fanszene spaltete

Die Reaktionen zeigten, dass die Schalker Fanszene den Schritt nicht einheitlich begrüßte. Zwischen organisierten und unorganisierten Anhängern, zwischen Ultras und Dauerkarteninhabern ohne Gruppenbindung liefen ältere Zuschreibungen weiter, und ein Austritt der bekanntesten Gruppe wurde von einem Teil als notwendige Konsequenz und von einem anderen als Schwächung der einzigen vorhandenen Vertretung gelesen. Beides ließ sich begründen: Ein Verband ohne die aktive Kurve verliert an Rückhalt, und eine Kurve ohne Verband verliert den Zugang zu den Gremien.

Offen blieb damals die Rolle des Supportersclubs, der zweiten großen Fanorganisation auf Schalke. Von seiner Positionierung hing ab, ob aus dem Austritt eine Neuordnung der Vertretung wurde oder eine dauerhafte Aufsplitterung.

Was danach offen blieb

Der Konflikt, der den Austritt auslöste, war zu diesem Zeitpunkt nicht entschieden. Der Vertrag über die Ticketbörse blieb bestehen, die Unterschriftensammlung für eine außerordentliche Mitgliederversammlung lief weiter, und der Ticket Zweitmarkt beschäftigte in den Jahren danach Kurven, Vereine und Gerichte. Für die Frage, die die Ultras GE aufgeworfen haben, gilt das ebenso: Sie stellt sich in jeder Fanszene, in der eine Vertretung von demjenigen abhängt, dem sie widersprechen soll.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Wer sind die Ultras GE?

Eine der großen organisierten Gruppen der Schalker Fanszene, benannt nach Gelsenkirchen und meist als UGE abgekürzt. Im Sommer 2009 trat sie dem Schalker Fan-Club-Verband bei, im Februar 2013 verließ sie ihn als erste große Gruppierung. Die Gruppe unterhält eine eigene Seite unter ultras-ge.de.

Warum haben die Ultras GE den Verband verlassen?

Nach ihrer eigenen Begründung, weil der Verband nicht mehr die Interessen der angeschlossenen Fanclubs vertrat, sondern in kritischen Fragen die Argumente des Vorstands. Genannt wurden drei Beispiele: die Haltung zur Kampagne „12:12“, die Kartenpreispolitik und der Vertrag mit der Zweitmarktplattform Viagogo.

Was ist der Schalker Fan-Club-Verband?

Der Dachverband der eingetragenen Fanclubs des Vereins, gedacht als deren Vertretung gegenüber der Vereinsführung. Er finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und eigene Sponsoren und stellt Fanvertreter in Gremien des Hauptvereins, unter anderem im Aufsichtsrat.

Was hatte der Viagogo-Vertrag damit zu tun?

Er war der schärfste der drei genannten Streitpunkte. Der Verein hatte im Dezember 2012 einen Vertrag über seine Ticketbörse mit der Plattform geschlossen; in der Kurve hing dagegen im Januar 2013 auf allen vier Tribünen Protest. Die Ultras GE hielten dem Verband vor, sein stellvertretender Vorsitzender habe dem Vertrag im Aufsichtsrat zugestimmt, statt sich zu enthalten oder dagegen zu stimmen.

Was wurde aus dem Streit?

Der Austritt beendete ihn nicht, sondern verlagerte ihn auf die Frage der Vertretung selbst. Die Ultras GE erklärten, unabhängig bleiben und mit anderen Fanclubs und Fans eine neutrale Interessenvertretung bilden zu wollen; offen war damals, wie sich der Supportersclub als zweite große Fanorganisation positionieren würde.