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Ein Tag ohne Medien

Das Gedankenexperiment ist einfach: Für einen Tag fällt die Berichterstattung über Fußball aus. Keine Spielernoten, keine Transfergerüchte, keine Stellungnahmen und Gegenstellungnahmen – und ebenso keine Übertragung, kein Interview mit dem Siegtorschützen, keine Bilder von der Meisterfeier.

Was der Ausfall sichtbar macht

Die erste Beobachtung betrifft die Vereine. Sie stehen unter dauernder Beobachtung, und der Eindruck jener Jahre war, dass sie ihr Handeln zunehmend am Stimmungsbild der Berichterstattung ausrichten: an Schlagzeilen, an Aussagen der Konkurrenz, an der Frage, wie eine Entscheidung morgen dastehen wird.

Fällt die Beobachtung weg, fällt dieser Maßstab weg – und mit ihm ein Teil der Vorsicht, die Vereinsführungen im Umgang mit ihren eigenen Anhängern zeigen. Das ist der Grund, aus dem das Experiment für eine Fanszene nicht nur angenehm klingt: Öffentlichkeit ist der Hebel, über den in fast allen Konflikten dieser Sammlung überhaupt etwas erreicht wurde.

Die zweite Seite

Ohne Medien gäbe es auch keine Kampagne, die eine Fanszene zum Sicherheitsproblem erklärt, keinen Bericht, der einen Polizeieinsatz rechtfertigt, bevor er untersucht ist, und keine Schlagzeile, die aus einem bengalischen Licht einen Bürgerkriegszustand macht.

Damit steht die Rechnung genau in der Mitte, und beide Posten sind belegt. Dieselbe Berichterstattung, die eine Sicherheitsdebatte über Zuschauer getragen hat, hat auch die Vorgänge öffentlich gemacht, ohne die kein Verein je auf eine Kritik reagiert hätte.

Was das für die Bewertung von Medienkritik heißt

Fankritik an Medien ist in aller Regel Kritik an einer Auswahl, nicht an der Existenz von Berichterstattung: dass über sechzig Verletzte weniger geschrieben wird als über eine Rauchbombe, dass ein Imagefilm die Reichweite bekommt und die Debatte darüber einen Spartenkanal.

Genau das unterscheidet sie von einer Ablehnung. Wer einen Tag ohne Medien durchdenkt und am Ende feststellt, dass er ihn nicht will, hat damit die eigene Position präziser formuliert als jede Beschwerde: Nicht die Öffentlichkeit ist das Problem, sondern ihre Verteilung.

Warum das 2013 geschrieben wurde

Der Text stammt aus dem Winter nach dem Beschluss über „Sicheres Stadionerlebnis“ – also aus den Wochen, in denen Kurven zum ersten Mal erlebten, wie eine bundesweite Debatte über sie geführt wurde, ohne dass sie darin vorkamen. Ein Gedankenexperiment über eine Welt ohne Berichterstattung ist in dieser Lage keine Spielerei, sondern der Versuch, den eigenen Anteil an einem Betrieb zu bestimmen, dem man sich nicht entziehen kann.

Was das Experiment nicht abdeckt

Ein Tag ist zu kurz, um die Frage zu entscheiden, weil das Geld erst über Jahre wirkt. Die Erlöse aus den Übertragungsrechten sind der größte Einzelposten in den Bilanzen der meisten Profivereine; ohne sie gäbe es die Gehälter, die Ablösesummen und die Stadionausbauten nicht, über die dieselben Fanszenen streiten.

Damit hängt das Gedankenexperiment an einer Unterscheidung, die der Text selbst nicht trifft: Berichterstattung und Übertragung sind nicht dasselbe. Auf die Übertragung ist der Betrieb finanziell angewiesen; auf die Berichterstattung über ihn ist er es nicht – sie ist der Teil, der Kritik ermöglicht, und ausgerechnet der ist am wenigsten finanziert.