Ein Preis und sein Sponsor
Im September 2012 tauchte auf den Seiten großer Medien eine Randmeldung auf: die Kandidaten für die Wahl des Fußballspruchs des Jahres, ausgeschrieben von der Deutschen Akademie für Fußballkultur. Der Beitrag nimmt das zum Anlass, an einen Vorgang aus dem Jahr davor zu erinnern.
Der abgelehnte Preis
Eine Kaiserslauterer Ultragruppe sollte für ihre Choreografie zu Ehren des Namensgebers des Stadions ausgezeichnet werden. Sie lehnte ab.
Der Grund war nicht die Auszeichnung. In ihrer Stellungnahme begrüßte die Gruppe ausdrücklich den Ansatz der Akademie, die positiven Seiten der Fankultur jenseits sensationsorientierter Berichterstattung zu betonen. Das Problem war der Hauptsponsor des Preises – ein Anbieter von Konsumentenkrediten, dessen Name zu diesem Zeitpunkt zugleich am Nürnberger Stadion stand.
Warum das mehr als eine Geste ist
Eine Ultragruppe, die einen Preis ablehnt, verzichtet auf das, was in dieser Szene am schwersten zu bekommen ist: eine öffentliche Anerkennung, die nicht aus der eigenen Kurve kommt. Genau darin liegt die Aussage.
Und sie ist konsequent. Wer über Jahre gegen die Vermarktung von Vereinsnamen, Stadionnamen und Choreografien argumentiert, kann keinen Preis annehmen, dessen Sponsor genau dieses Geschäft betreibt – unabhängig davon, wie ernst die auszeichnende Einrichtung es meint.
Die unangenehme Frage dahinter
Sie richtet sich nicht an die Gruppe, sondern an die Akademie und an jede vergleichbare Einrichtung: Wer Fankultur auszeichnen will, braucht Geld, und das Geld im Fußball kommt aus denselben Quellen, gegen die sich ein Teil dieser Kultur richtet.
Ein Preis für Fankultur mit einem Kreditanbieter im Titel ist deshalb kein Widerspruch aus Nachlässigkeit, sondern die Bedingung, unter der er überhaupt existiert. Die Gruppe hat diese Bedingung nicht bestritten – sie hat sie nur nicht mitgetragen.
Derselbe Mechanismus wie beim Trikotsponsor
Der Zusammenhang ist derselbe wie beim Trikotsponsor, dessen Auswahl in Wahrheit ein Vermarktungsvertrag bestimmt (Warum ein Verein seinen Sponsor nicht ablehnt), und wie bei den Stadionnamen. Immer geht es darum, wer über ein Zeichen verfügt und was mit ihm verbunden wird.
Der Unterschied ist die Richtung. In den anderen Fällen entscheidet ein Verein oder eine Agentur; hier hatte eine Fangruppe selbst die Wahl – und traf sie.
Was von der Sache blieb
Der Preis wird weiter vergeben, und die Akademie ist eine der wenigen Einrichtungen, die Fankultur unabhängig von Sicherheitsdebatten behandelt; in dieser Sammlung ist sie an anderer Stelle als Quelle für Vereinsgeschichte in Anspruch genommen worden.
Was die Ablehnung erreichte, war eine Debatte über Sponsoring an einer Stelle, an der niemand sie erwartete – nicht auf dem Trikot und nicht am Stadiondach, sondern auf einer Urkunde.
Der Fußballspruch des Jahres
Die Wahl selbst, die den Anlass des Beitrags bildet, ist ein Nebenschauplatz mit eigener Aussage: Eine Randmeldung über die Kandidaten schafft es auf die Seiten großer Medien, während die Ablehnung eines Preises durch eine Fangruppe dort nicht vorkommt.
Das ist die Aufmerksamkeitsverteilung, an der sich die Beiträge dieser Sammlung immer wieder abarbeiten. Ein Zitat ist eine Meldung, eine begründete Verweigerung ist keine – und deshalb existiert der zweite Vorgang nur dort, wo eine Fanseite ihn aufgeschrieben hat.