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Dortmund-Blog

365 schwarzgelbe Tage

Der Rückblick entstand zwischen den Jahren, als das schwarzgelbe Fußballjahr 2013 vorbei war und einen Monat lang keine Borussia, kein Westfalenstadion und keine Auswärtsfahrt anstand. Der Verfasser nennt es ein extrem überhitztes Jahr.

Der Abend, der alles überlagert

Der 9. April 2013, das Rückspiel im Viertelfinale der Champions League gegen Málaga. Der Verfasser schreibt, er habe die letzten Minuten seither immer wieder im Netz gesehen, in der Fassung des Netradio-Kommentars – und es sei noch immer unbegreiflich.

Für die Rekonstruktion einer Fanstimmung ist genau das die brauchbare Angabe: nicht das Ergebnis, sondern dass jemand Monate später dieselben Minuten wieder abruft und nicht das Fernsehbild wählt, sondern die Übertragung, die aus der eigenen Szene kam.

Was ausblieb

Ein Jahr zuvor hing über dem Stadion die Befürchtung, die 12:12-Proteste würden die Fanszene spalten. Der Rückblick hält fest, dass diese Spaltung ausgeblieben ist.

Das ist bemerkenswert, weil sie an anderen Standorten eingetreten ist – in dieser Sammlung für Gelsenkirchen, Kaiserslautern und Düsseldorf dokumentiert (Schalker gegen Schalker). Warum sie in Dortmund ausblieb, beantwortet der Text nicht; dass sie ausblieb, ist eine Feststellung, die eine Fanszene über sich selbst treffen kann.

Was stattdessen teilte

Die Polizeimaßnahmen rund um das Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am 18. August 2013 und der Stimmungsboykott der Ultragruppen, der darauf folgte. Der Verfasser schreibt, das habe zu konträren Meinungen innerhalb der Anhängerschaft geführt.

Damit ist dasselbe Muster beschrieben wie im Dezember zuvor, nur mit einem anderen Anlass: Nicht die Maßnahme spaltet, sondern die Reaktion darauf – weil ein Boykott im Stadion die trifft, die dort sitzen, und nicht die, gegen die er gerichtet ist.

Geordnet nach Nachhall, nicht nach Größe

Ein Viertelfinalabend, eine ausgebliebene Spaltung und ein Polizeieinsatz im August stehen in keiner Tabelle nebeneinander; in der Erinnerung eines Anhängers schon.

Und weil er den Maßstab liefert, an dem die übrigen Beiträge dieser Sammlung zu lesen sind: Für die Fanszene selbst war 2013 nicht das Jahr der Sicherheitsdebatte, sondern das Jahr dieses einen Abends – die Debatte lief daneben.

Ein Jahr oder ein Jahrzehnt

Der Titel fragt, ob es nur ein Jahr war oder ein ganzes Jahrzehnt. Das ist keine Koketterie: Zwischen dem Aufstieg aus der Beinahe-Insolvenz Mitte der 2000er Jahre und einem Champions-League-Halbfinale liegt bei diesem Verein weniger als ein Jahrzehnt.

Wer verstehen will, warum in dieser Fanszene über Kommerzialisierung härter gestritten wird als über Erfolge, findet in dieser Spanne die Erklärung – und im Rückblick eines Anhängers den Beleg, dass beides gleichzeitig gedacht wird.

Und er endet, wie solche Texte enden müssen: mit Sehnsucht nach dem, was gerade erst vorbei ist. Ein Monat ohne Spiel ist für einen Auswärtsfahrer keine Pause, sondern eine Lücke – und dass sie in einem Rückblick auf ein Champions-League-Jahr überhaupt erwähnt wird, sagt etwas über die Rangfolge, in der eine Fanszene ihre eigenen Erlebnisse ordnet.