FankulturDokumentation · Deutschland
Freiburger Fanblock

Die Vereine nehmen Stellung

Sechs Wochen vor der Abstimmung sammelte ein Freiburger Beitrag, was zum Positionspapier „Sicheres Stadionerlebnis“ bereits gesagt worden war – und zwar nicht von Fanszenen, sondern von den Vereinen selbst. Er beginnt mit dem Hinweis, dass für Aussagen mit rechtlichem Bezug keine Haftung übernommen wird.

Der Befund der Sammlung

Mehrere Vereine der ersten beiden Ligen lehnten das Papier ab, viele weitere sahen zumindest Diskussionsbedarf. Das ist die Nachricht, die in der Berichterstattung jener Wochen unterging: Der Widerspruch kam nicht nur aus den Kurven.

Die Stellungnahme, die am weitesten geht

Union Berlin beanstandete eine „Ausnutzung der Asymmetrie im Verhältnis Verband – Verein – Vereinsmitglied/Fan“ und eine „Fehleinschätzung gegenwärtiger Tendenzen“ in dem Sinne, dass eine Eskalation herbeigeredet werde.

Beide Formulierungen sind präziser als alles, was aus den Fanszenen kam. Die erste beschreibt ein Machtverhältnis: Ein Verband setzt Regeln, die Vereine anwenden und die auf Mitglieder und Zuschauer wirken – wobei jede Stufe weniger Einfluss hat als die darüber. Die zweite beschreibt einen Vorwurf über die Grundlage: Es gebe keine Entwicklung, die diese Maßnahmen begründet.

Genau diese zweite Behauptung ist an den Zahlen nachprüfbar, und die Kritik an der ZIS-Statistik aus demselben Herbst kommt zum gleichen Ergebnis.

Die Zusammenstellung ist die Arbeit

In einer Auseinandersetzung, die über sechs Wochen in Stellungnahmen geführt wird, ist die Zusammenstellung selbst die Arbeit. Jede einzelne Erklärung stand irgendwo auf einer Vereinsseite; nebeneinander gelegt ergeben sie ein Stimmungsbild der Liga, das keine Redaktion erhoben hat.

Und weil solche Sammlungen die einzigen Quellen sind, die den Zustand VOR der Entscheidung festhalten. Nach dem 12. Dezember 2012 hat niemand mehr aufgeschrieben, wer vorher Bedenken hatte.

Was am 12. Dezember 2012 geschah

Von den 36 Vertretern der Profiklubs stimmte die Mehrheit für das Papier; die meisten Anträge erhielten mehr als dreißig Stimmen. Vollständig abgelehnt haben es zwei Vereine – Union Berlin und der FC St. Pauli –, beide unter dem erklärten Eindruck ihrer eigenen Anhänger.

Der Präsident des einen fasste seine Position in einem Satz zusammen, der die Debatte überdauert hat: Die harte Hand löse die Probleme nicht.

Was die Sammlung damit belegt

Dass die Ablehnung breiter war als das Abstimmungsergebnis. Zwischen „Diskussionsbedarf“ im Oktober und einer Zustimmung im Dezember liegt der Vorgang, den die Stellungnahme aus Berlin beschreibt: In einer Ligaversammlung stimmt ein Verein nicht über seine Überzeugung ab, sondern über seine Stellung im Verband.

Angewandt wurde es an jedem Standort einzeln

Die beschlossenen Maßnahmen wurden anschließend an jedem Standort einzeln angewandt – von Ganzkörperkontrollen über die Vergabe von Gästekontingenten bis zur Anmeldepflicht für Spruchbänder. In dieser Sammlung sind sie über die folgenden Jahre verteilt dokumentiert, und in fast keinem Fall ist erkennbar, welche Stelle sie angeordnet hat.

Genau das ist die Asymmetrie, die im Oktober 2012 benannt wurde – von einem Verein, nicht von einer Fangruppe.