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Fanorganisation

Die ZIS-Zahlen und ihre Nenner

Nach der Veröffentlichung der Jahresstatistik der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze im Herbst 2012 erschien eine Reihe von Presseartikeln über die Sicherheitslage im deutschen Fußball. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte widersprach ihnen in einer Pressemitteilung – nicht den Zahlen, sondern ihrer Verwendung.

Wer da widerspricht

Die BAG ist der Zusammenschluss der Fanprojekte in Deutschland, also der Einrichtungen, die präventive, aufsuchende und sozialpädagogische Arbeit mit jugendlichen Fußballfans leisten. Zum Zeitpunkt der Mitteilung waren 47 Fanprojekte Mitglied.

Das ist keine Fangruppe und keine Interessenvertretung der Kurven, sondern die Fachöffentlichkeit für genau diese Frage: Menschen, die beruflich mit den Personen arbeiten, über die die Statistik geführt wird. Ihr Widerspruch hat deshalb ein anderes Gewicht als der einer betroffenen Szene.

Der methodische Kern

Er steht in einem Satz. Nach der Statistik nahm die Zahl der verletzten Personen bei Fußballspielen zu – im selben Zeitraum stieg die Zahl der Besucher um 1,3 Millionen.

Wer eine absolute Zahl steigen sieht und den Nenner nicht mitnennt, behauptet eine Entwicklung, die die Daten nicht hergeben. Bei wachsenden Besucherzahlen kann die Zahl der Verletzten steigen, während das Risiko pro Besucher sinkt; beides ist mit derselben Statistik vereinbar, und nur eines davon wurde berichtet.

Was die BAG darüber hinaus kritisierte

Das populistische Auftreten der Polizeigewerkschaften und eine Stimmungsmache, die ein verzerrtes und unreales Bild der Lage rund um den Fußball zeichne. Bei einem Vergleich der Artikel fiel ihr auf, dass plakativ mit Zahlen der Statistik umgegangen wurde, ohne die Hintergründe zu erfragen oder die richtigen Fragen zu stellen.

Diese Kritik ist prüfbar, denn die Statistik selbst nennt ihre Grenzen. Sie zählt Ermittlungsverfahren und keine Verurteilungen, sie unterscheidet nicht zwischen Heim- und Gästefans, und sie erfasst Verletzte einschließlich der Einsatzkräfte und einschließlich leichter Verletzungen.

Es gibt keine anderen Zahlen

Andere gibt es nicht. Die ZIS-Statistik ist die einzige bundesweite Datenreihe zum Thema, sie erscheint jährlich, und sie wird von allen Seiten zitiert – auch in dieser Sammlung, etwa wenn den 3 263 Verfahren einer Saison über eine Million Auswärtsbesucher gegenübergestellt werden.

Genau darin liegt die Verantwortung, die die BAG anspricht: Eine Datenreihe ohne Alternative wird zur Grundlage politischer Entscheidungen, unabhängig davon, ob sie richtig gelesen wird.

Die Statistik erscheint weiter, die Kritik auch

Die Kritik am Umgang mit diesen Zahlen ist seither in jeder Saison wiederholt worden, von Fanprojekten, Faninitiativen und Wissenschaftlern; die Statistik erscheint weiter, und die Berichterstattung über sie folgt in den meisten Jahren demselben Muster.

Geändert hat sich nur, dass die Gegenrechnung inzwischen mitgeliefert wird – Besucherzahlen, Verfahren pro zehntausend Zuschauer, Anteil der verletzten Einsatzkräfte. Wer sie sucht, findet sie; wer nur die Schlagzeile liest, findet weiter die absolute Zahl.