FankulturDokumentation · Deutschland
Giesinger Notizen

Wenn es um nichts mehr geht

Die Saison war nach einer Niederlage endgültig gelaufen: Wie fast jedes Jahr hatte man vom Aufstieg geträumt und spielte nach kurzer Zeit um die goldene Ananas. Genau in dieser Lage fand die Auswärtsfahrt statt, die der Beitrag beschreibt.

Drei Touren

Der Text ist aus drei Perspektiven zusammengesetzt. Eine Gruppe fuhr mit dem Auto, eine zweite bereits am Freitag mit Kleinbussen, eine dritte mit dem Schnellzug – und andere mit Ländertickets, in der Sprache des Beitrags dem Gammlerticket.

Dazu die Zeiten: Tasche packen am Freitagabend, Wecker um 5.30 Uhr, Taxi zum Bahnhof, Abfahrt um 6.49 Uhr. Das ist die Rechnung, die hinter jedem Gästeblock steht, und sie wird hier von mehreren Beteiligten unabhängig aufgeschrieben.

Eine Fahrt, die sich nicht selbst erklärt

Sportlich stand nichts auf dem Spiel. Eine Fahrt zu einem Spiel um den Aufstieg erklärt sich selbst; eine Fahrt quer durch Deutschland zu einem Spiel ohne Bedeutung erklärt sich nicht – und deshalb schreibt der Verfasser darüber.

Seine Antwort steht im Text: Gerade wenn es um nichts mehr geht, sei schön zu sehen, was Anhänger auf sich nehmen. Das ist die einzige Stelle, an der Bindung messbar wird. Wer bei Aufstiegschancen fährt, kann jedes Motiv haben; wer im Februar zu einem bedeutungslosen Spiel fährt, hat nur eines.

Der Nebensatz über den UI-Cup

Der Beitrag erwähnt, dass es früher in der Bundesliga wenigstens noch den UI-Cup gab, und nennt dessen Abschaffung einen Kulturverlust. Der UEFA Intertoto Cup war der Wettbewerb, über den Vereine aus dem Tabellenmittelfeld international spielen konnten; er wurde 2008 eingestellt.

Damit ist ein struktureller Punkt benannt, der in Debatten über Ligaformate selten vorkommt: Ein Wettbewerb für das Mittelfeld gibt Saisons wie dieser einen Zweck. Ohne ihn ist ab Februar für einen erheblichen Teil der Vereine nichts mehr zu erreichen.

Was das Format leistet

Es setzt drei Reiseberichte zu einer Fahrt zusammen und macht damit sichtbar, was aus einem einzelnen Bericht nicht hervorgeht: Eine Auswärtsfahrt ist kein Vorgang, sondern viele parallele – unterschiedliche Verkehrsmittel, Abfahrtszeiten und Kosten, mit demselben Ziel und derselben Anstoßzeit.

Dieselbe Rechnung in mehreren Beiträgen

Dieselbe Rechnung steht in mehreren Beiträgen: als achtzehn Stunden für neunzig Minuten, als Entfernung, die über den Zugang entscheidet, und als Streit über Anstoßzeiten. Dieser Bericht liefert dazu die Belegzeiten – und zwar aus einer Saison, in der es nichts zu gewinnen gab.

Die Fahrgemeinschaft als Institution

Was der Bericht nebenbei dokumentiert, ist die Organisationsform dahinter. Eine der Gruppen trägt einen eigenen Namen und reist als Einheit an – ein Fanclub aus einer Region, der eigene Fahrten organisiert, eigene Fahrzeuge mietet und eigene Abfahrtszeiten hat.

Solche Clubs sind die Infrastruktur, ohne die ein Gästeblock nicht zustande kommt. Sie tauchen in keiner Zuschauerstatistik als eigene Größe auf, und sie sind der Grund, aus dem Auswärtsfahrten für Menschen ohne Auto und ohne großes Budget überhaupt möglich sind.