FankulturDokumentation · Deutschland
Grün-weiße Stimmungslage

Ein Verein lehnt ab

In der Auseinandersetzung um Ticket-Zweitmärkte steht fast immer die Seite im Mittelpunkt, die einen Vertrag geschlossen hat. Dieser Beitrag hält den umgekehrten Fall fest: Etwa ein Jahr vor seiner Veröffentlichung erhielt der SV Werder Bremen ein Angebot derselben Plattform, die in Gelsenkirchen den Konflikt ausgelöst hatte – über eine siebenstellige Summe pro Jahr. Der Verein lehnte ab.

Die Begründung

Der Geschäftsführer sagte öffentlich, man wolle nicht, dass Tickets zu Spekulationsobjekten werden. Das ist eine kurze Begründung, und sie ist die vollständige: Ein Verein, der personalisierte Karten zu einem festgesetzten Preis verkauft und gleichzeitig an deren Weiterverkauf zum Vielfachen mitverdient, verkauft zwei Dinge, die sich widersprechen.

Bemerkenswert ist, dass die Entscheidung eine Summe kostet, die in einer Bundesligabilanz sichtbar ist. Sie war damit keine Formsache, sondern eine Abwägung mit Preisschild.

Der Vergleichsfall

In Gelsenkirchen lief es anders. Dort bestand ein Vertrag, und die Fanszene wehrte sich unter einem Motto, das die Sache auf den Punkt brachte – dass ein Kumpel den Malocher nicht abzockt. Die Initiative wurde mit ihren Infoständen und Flugblättern vom Vereinsgelände verwiesen; mit zunehmender Dauer hatte der Verein größere Mühe, die Zusammenarbeit zu verteidigen. Der Vorgang und sein Verlauf sind in dieser Sammlung gesondert dokumentiert (Übersicht).

Beide Vereine standen also vor derselben Entscheidung, im Abstand von Monaten. Das ist der Grund, aus dem dieser kurze Beitrag Gewicht hat: Er widerlegt das Argument, ein Klub habe in dieser Frage keine Wahl.

Die Antwort der Plattform

Auf die Kritik reagierte das Unternehmen mit einem Sprecher, der sich in einem Zeitungsinterview überrascht zeigte, dass Fans protestieren – man habe Gutes in die Welt gebracht, und einige verstünden nicht, warum man hier sei.

Diese Argumentation ist über die Jahre unverändert geblieben: Der Zweitmarkt stellt sich als Dienstleistung für den dar, der eine Karte nicht nutzen kann. Nicht beantwortet wird damit, warum Karten dort zu Vielfachen des Originalpreises stehen und wer sie in solchen Mengen einliefert.

Was der Beitrag von den Anhängern verlangt

Er zieht eine Folge, die selten ausgesprochen wird: Ein ablehnender Verein macht eine Stadt nicht frei von Zweitmärkten. Solange Karten dort angeboten und gekauft werden, funktioniert das Geschäft ohne Vertrag – es braucht nur Anbieter und Käufer.

Verlangt wird deshalb ein vollständiger Verzicht auf Kauf und Verkauf über solche Plattformen, mit dem Hinweis auf die vorhandenen Alternativen: Tauschbörsen und die vereinseigenen Zweitmärkte, in denen der Preis gedeckelt ist.

Warum das die wirksamere Forderung ist

Ein Vertrag lässt sich kündigen, ein Markt nicht. Die Fälle in dieser Sammlung zeigen beides: Verträge wurden nach Protesten beendet – in Hamburg im Dezember 2012, in Gelsenkirchen im Verlauf des folgenden Jahres –, und die Plattformen sind trotzdem geblieben.

Der einzige Hebel, der danach noch wirkt, liegt bei den Käufern. Das ist eine unbequeme Forderung, weil sie nicht an einen Verein adressiert ist, sondern an die eigene Fanszene – und deshalb steht sie am Ende dieses Beitrags und nicht an seinem Anfang.