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Nach der Ausgliederung

Im Mai 2014 beschloss die Mitgliederversammlung des Hamburger SV, die Lizenzspielabteilung in eine Kapitalgesellschaft zu überführen. Im August 2014, gut einen Monat nach der Eintragung, war die Frage offen, was aus der Fanvertretung des Vereins wird.

Der Beitrag ist eine Kolumne, die diesen Zustand von innen beschreibt: aus der Sicht eines Mitglieds, das die Ausgliederung nicht für den Kern des Problems hält.

Die Ausgangslage

Ein Supporters Club ist eine Abteilung des eingetragenen Vereins. Er ist entstanden, um die Anhängerschaft der Profimannschaft zu organisieren – Karten, Auswärtsfahrten, Vertretung gegenüber der Vereinsführung.

Wird die Profimannschaft ausgegliedert, bleibt die Abteilung dort, wo sie war, und ihr Gegenstand geht in eine andere juristische Person über. Genau das ist die Konstellation, um die 2014 gestritten wurde.

Die zwei Antworten darauf

Die eine kam von der damaligen Abteilungsleitung: Die Abteilung habe keine Aufgabe mehr und müsse sich auflösen.

Die andere kam aus einem informellen Treffen von etwa vierzig Mitgliedern, die einen Neustart wollten – mit dem Argument, dass Fanvertretung gegenüber einer Kapitalgesellschaft ebenso möglich ist wie gegenüber einer Vereinsabteilung, und dass der Verein die Abteilung braucht.

Das Argument, das über Hamburg hinausreicht

Es ist ein Finanzierungsargument, und es wird in Ausgliederungsdebatten selten so deutlich ausgesprochen. Der verbleibende Breitensportverein – Handball, Leichtathletik, Hockey, Tennis, die Jugendabteilungen – ist auf die Beiträge der Fußballanhänger angewiesen. Fällt die Abteilung weg, fällt eine Quersubventionierung weg, die den Amateursport trägt.

Damit ist die Auflösung nicht nur eine Frage der Fanvertretung, sondern eine Frage der Finanzierung von zwanzig Abteilungen, die mit dem Profifußball nichts zu tun haben. Dieser Zusammenhang ist der belastbarste Teil des Beitrags.

Der Vorwurf, der davor liegt

Der Beitrag nennt einen Vorgang, der vor der entscheidenden Mitgliederversammlung stattfand: Die Abteilungsleitung hatte das Internetforum des Supporters Club abgeschaltet – ein Forum, das in den 2000er Jahren mit dem Anspruch gestartet war, von Anhängern für Anhänger zu sein.

Anlass war nach seiner Darstellung die Kritik nach einem Polizeieinsatz bei einem Heimspiel. Ein Diskussionsforum kurz vor einer Abstimmung zu schließen, ist der Vorgang, aus dem der Beitrag seinen Vorwurf ableitet: Die Abteilung habe die Beteiligung ihrer eigenen Mitglieder als Störung behandelt.

Er zieht daraus eine Erklärung für das Abstimmungsergebnis, die keine sachliche ist – dass ein Teil der Zustimmung zur Ausgliederung sich gegen die handelnden Personen gerichtet habe und nicht für das Konzept. Belegen lässt sich das nicht; als Beschreibung einer Stimmung ist es festgehalten.

Was mit der unterlegenen Seite geschah

Ein Teil derjenigen, die gegen die Ausgliederung gestimmt hatten, gründete einen eigenen Fußballverein. Das ist der Weg, den in Deutschland mehrere Fanszenen nach solchen Entscheidungen gegangen sind, und er ist in dieser Sammlung an anderer Stelle dokumentiert: Die Hamburger Gruppe Chosen Few erklärte 2014, die ausgegliederte Mannschaft nicht mehr zu unterstützen.

Der Beitrag kommentiert diese Neugründung nicht, und das ist konsequent: Wer die Ausgliederung für nachrangig hält, hat zu ihrer Ablehnung nichts zu sagen.

Die Position des Autors

Sie ist die eines Anhängers in zweiter Generation, dem die Rechtsform des Vereins nie wichtig war. Er hält den Profifußball für ein Geschäft, das nie etwas anderes gewesen ist, und lehnt deshalb die Erzählung ab, mit der Ausgliederung sei etwas verloren gegangen, das es vorher gab.

Diese Position ist in der Debatte um die 50+1-Regel die Minderheitsposition unter aktiven Anhängern, und sie ist argumentativ nicht schwach: Sie verweist darauf, dass Mitgliederrechte und wirtschaftliche Wirklichkeit schon vor jeder Ausgliederung auseinanderliefen.

Was sie nicht beantwortet, ist die Frage, warum die Rechtsform dann überhaupt geändert werden musste – und der Beitrag stellt sie auch nicht.

Der Ton und was er verdeckt

Die Kolumne ist in großen Teilen Beschimpfung. Sie richtet sich unter anderem gegen ein Ehrenmitglied, das mit einem Antrag gegen die Handelsregistereintragung vorgegangen und damit gescheitert war, und gegen die Vereinsprominenz allgemein.

Diese Passagen sind hier nicht wiedergegeben. Sie sind persönlich, sie sind nicht überprüfbar, und sie verdecken den Befund, um den es geht: dass eine Fanabteilung nach einer Ausgliederung neu begründet werden muss und dass an ihr die Finanzierung eines ganzen Breitensportvereins hängt.

Die Abteilung besteht als Supporters Club weiter

Die Abteilung Fördernde Mitglieder wurde nicht aufgelöst. Sie besteht als Supporters Club des Vereins weiter, mit einem eigenen Vorstand und Sitzen in Vereinsgremien, und ist eine der größten Fanorganisationen im deutschen Fußball. Die Ausgliederung selbst ist mehrfach Gegenstand von Mitgliederversammlungen geblieben.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Was wurde 2014 beim HSV ausgegliedert?

Die Lizenzspielabteilung. Die Mitgliederversammlung beschloss im Mai 2014, den Profifußball aus dem eingetragenen Verein in eine Kapitalgesellschaft zu überführen; im Sommer folgte die Eintragung ins Handelsregister.

Was ist die Abteilung Fördernde Mitglieder?

Die Mitgliederabteilung, die den Supporters Club des Vereins trägt: Fanvertretung, Auswärtsorganisation und Kartenfragen – und über die Beiträge zugleich eine Finanzierungsquelle des Amateur- und Breitensports im Verein.

Was war ihr Problem nach der Ausgliederung?

Dass die Mannschaft, für die sie gegründet wurde, nicht mehr Teil des Vereins war, in dem sie eine Abteilung ist. Aus dieser Konstellation entstand der Streit um Auflösung oder Neustart.