Anstoßzeiten im Pokal
Der Beitrag beschreibt eine Auswärtsfahrt in der ersten Runde des DFB-Pokals 2015: knapp 800 Kilometer nach Rostock, Anpfiff sonntags um 18.30 Uhr. Ähnliche Entfernungen hatten die Anhänger aus Freiburg und Stuttgart – nur ohne den Abendtermin.
Die Rechnung
Bei 800 Kilometern und einem Anpfiff um 18.30 Uhr am Sonntag steht am Ende des Abends eine Nachtfahrt oder eine Übernachtung, und in beiden Fällen ein Montag, an dem gearbeitet wird. Der Verfasser hält fest, dass die Frage vor, während und nach dem Spiel immer dieselbe war: ob man übernachtet oder gleich zurückfährt.
Er zählt sich selbst ausdrücklich nicht mehr zur Fraktion, die es in einem Zug durchzieht. Das ist eine biografische Anmerkung mit einer sachlichen Folge: Auswärtsfahrten in dieser Form schließen mit dem Alter Teile des Publikums aus.
Der Protest
Wegen dieser Terminierungen hingen nach dem Bericht in nahezu jedem Stadion der 32 Erstrundenspiele entsprechende Spruchbänder. Das ist die bemerkenswerte Angabe: nicht eine Kurve, nicht eine Fanszene, sondern das ganze Teilnehmerfeld – über alle Ligen, ohne gemeinsame Organisation.
Ein solcher Gleichlauf entsteht nur, wenn alle dasselbe erleben. Und er ist die Vorstufe dessen, was in dieser Sammlung als abgeschaffter Montagstermin dokumentiert ist: Ein Termin, gegen den überall gleichzeitig protestiert wird, hält nicht dauerhaft.
Die Paarungen werden ausgelost
In der Liga steht der Spielplan Monate vorher fest, und die Entfernungen sind bekannt; im Pokal erfährt ein Anhänger mit wenigen Wochen Vorlauf, dass er quer durch die Republik fahren muss – und die Anstoßzeit setzt anschließend die Fernsehvermarktung.
Dazu kommt die Zerlegung der Runde über mehrere Tage. Zweiunddreißig Spiele werden auf Freitag bis Montag verteilt, damit möglichst viele einzeln übertragen werden können. Jede dieser Terminierungen ist für sich vertretbar; zusammen ergeben sie, dass ein Teil der Paarungen zwangsläufig die ungünstigsten Zeiten bekommt.
Was die Fanseite fordert
Nicht die Abschaffung der Übertragung, sondern die Berücksichtigung der Entfernung. Die Frage des Beitrags lautet, warum die Partie mit der weitesten Anreise den spätesten Termin bekommt – und die Antwort darauf ist nirgends veröffentlicht, weil die Terminierung ein Verhandlungsergebnis zwischen Verband und Rechteinhaber ist.
Der Montag ist weg, der Pokalsamstag nicht
Die erste Pokalrunde wird bis heute über mehrere Tage verteilt, und die Kritik daran wird in jeder Saison wiederholt. Verändert hat sich seither ein anderer Termin: Der Montagabend in der Liga ist 2021 abgeschafft worden, nach jahrelangen Protesten derselben Art.
Damit ist auch für den Pokal die Beweisführung geliefert – ein Termin, gegen den überall protestiert wird, ist änderbar. Er ist bisher nur nicht geändert worden.
Die Beispiele, die der Beitrag nennt
Er zählt sie auf, weil erst die Reihe den Punkt macht: eine Partie am Sonntag um 14 Uhr in Hamburg für Freiburger Anhänger, eine weitere für Kaiserslauterer, und das eigene Spiel sonntagabends in Rostock. Drei Paarungen mit jeweils mehreren hundert Kilometern und drei Terminen, die keine Rücksicht darauf nehmen.
Das ist die Form, in der Kritik an Terminierungen belastbar wird: nicht als Klage über einen eigenen Termin, sondern als Aufstellung über eine ganze Runde. Wer sie liest, kann sie nachrechnen – und genau das konnte in dieser Runde jeder tun, der ein Spruchband aufhängte.