Der Stimmungsgipfel
Die Abteilung Fanbelange des FC Schalke 04 lud im Oktober 2014 zu einer Diskussionsrunde zur Verbesserung der Atmosphäre im Stadion ein – offen für alle Interessierten. Rund 40 Anhänger aller Altersklassen nahmen teil.
Die Vorgeschichte
Ausgangspunkt war ein Stimmungsappell des Sportvorstands auf der Jahreshauptversammlung desselben Jahres. Danach hatten in der Sommerpause Gespräche mit den großen Fanorganisationen stattgefunden; die offene Runde war der nächste Schritt.
Das ist eine ungewöhnliche Reihenfolge und der Grund, aus dem der Beitrag den Gipfel fruchtbar nennt. Üblich ist, dass ein Verein Stimmung einfordert und die Kurve antwortet, dass Stimmung nicht auf Zuruf entsteht. Hier folgte dem Appell ein Termin, an dem darüber gesprochen wurde.
Warum das Thema schwieriger ist als es klingt
Stimmung in einem Stadion ist das Ergebnis von Bedingungen, die ein Verein zum Teil selbst setzt: Stehplatzanteil, Blockaufteilung, Kartenvergabe, Anstoßzeit, Einlasspraxis, Zugänglichkeit von Material. Wer über Atmosphäre reden will, redet über all das – und in dieser Sammlung ist jeder dieser Punkte ein eigener Konflikt.
Und sie ist das Ergebnis von Vertrauen. Dieselbe Kurve hatte zwei Jahre zuvor 90 Minuten geschwiegen, nachdem Spruchbänder anmeldepflichtig geworden waren, und im Jahr davor einen Polizeieinsatz im eigenen Block erlebt.
Der Nebenschauplatz, der zur Hauptsache wurde
Der Sportvorstand erschien und erklärte der Runde, wie die Trennung vom Trainer und die Verpflichtung des Nachfolgers zustande gekommen war – nach zwei Siegen in zehn Spielen.
Damit hat ein Verein einer offenen Fanrunde eine Personalentscheidung erläutert, bevor sie über Pressekonferenzen erklärt wurde. Für die Frage, was solche Formate wert sind, ist das der beste Indikator: Nicht das Thema der Einladung entscheidet, sondern was dort tatsächlich gesagt wird.
Was ein solcher Termin leisten kann
Er kann Zuständigkeiten klären und Erwartungen aneinander formulieren. Er kann keine Stehplätze bauen und keine Anstoßzeit verlegen.
Deshalb ist der Maßstab für seinen Erfolg auch nicht die Atmosphäre im nächsten Heimspiel, sondern ob die Beteiligten beim nächsten Konflikt einen Ansprechpartner haben. In Gelsenkirchen war das nach den Jahren 2012 und 2013 keine kleine Frage.
Erwähnt werden Dialogformate fast nur, wenn sie scheitern
Ein Bericht über eine Runde, die als fruchtbar beschrieben wird – mit Uhrzeit, Teilnehmerzahl und Themenliste –, ist die Gegenprobe zu den Beiträgen dieser Sammlung, in denen ein Verein seine eigene Fanszene vom Gelände verweisen lässt.
Ein Detail rundet das Bild: Begonnen wurde um 19.04 Uhr. Solche Uhrzeiten sind in Gelsenkirchen Standard und wirken albern – sie erfüllen aber eine Funktion, die kein Tagesordnungspunkt ersetzt. Ein Termin, der sich selbst mit der Vereinsgründung datiert, signalisiert den Anwesenden, dass hier nicht über sie, sondern mit ihnen gesprochen wird.
Dass in derselben Sammlung ein Spielerempfang dokumentiert ist, bei dem die Vereinsseite dreieinhalb Stunden zu spät kam, gehört daneben. Beide Formate leben von einem Signal, und beide verlieren es, wenn die Einladenden ihre eigene Zeitrechnung nicht einhalten.