Buchtalk mit dem Sonnenkönig
Über den FC Schalke 04 und seine Helden gibt es viele Bücher. Eine der schillerndsten Personen der Vereinsgeschichte musste über zwanzig Jahre warten, bis eine Darstellung erschien: Günter Eichberg, Präsident von Januar 1989 bis Oktober 1993, in der Presse der „Sonnenkönig“.
Die Veranstaltung
Autorin und Porträtierter luden im Oktober 2014 in die Gelsenkirchener Flora ein, wo knapp hundert Anhänger einen Nachmittag mit Moderation durch eine Radiojournalistin verbrachten. Angepfiffen wurde um 16.04 Uhr – die Uhrzeit ist der übliche Vereinswitz und in Gelsenkirchen Standard.
Gefragt wurde nach dem letzten Derby und nach Eichbergs eigener Derbybilanz, die er mit drei Siegen, zwei Unentschieden und einer Niederlage angab. Verfolgt hatte er die Partie wegen einer Gehbehinderung am Fernseher.
Die Amtszeit, um die es geht
Sie ist der eigentliche Gegenstand und in ihren Zahlen eindeutig. Eichberg übernahm einen Zweitligisten und führte ihn 1991 mit riskanten Investitionen zurück in die Bundesliga. Am 17. Oktober 1993 trat er überraschend zurück und ließ den Verein mit rund 20 Millionen Mark Schulden zurück; nach eigener Darstellung hatte er 13 Millionen Mark eigenen Vermögens eingebracht.
Das ist die Bilanz, um die in Gelsenkirchen seither gestritten wird: ein Aufstieg, der ohne ihn nicht stattgefunden hätte, und eine Finanzlage, die der Nachfolger übernehmen musste. Der Untertitel des Buchs – vergessener Retter – benennt die eine Hälfte davon.
Beide Zahlen stehen unwidersprochen nebeneinander und lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen. Der Aufstieg war sportlich erreicht, die Schulden waren buchhalterisch vorhanden, und wie die Amtszeit ausfällt, hängt davon ab, welche der beiden Größen man für die wichtigere hält. Eine Darstellung aus der Feder des Präsidenten selbst beantwortet diese Frage nicht, sie liefert die Angaben, an denen sich beide Lesarten prüfen lassen.
Der Konflikt, der in Erinnerung blieb
Eichberg entließ einen bei den Anhängern beliebten Trainer, der einen Vertrag für beide Spielklassen verlangte und den Präsidenten über die Presse unter Druck setzte. Ein Präsident, der einen populären Trainer entlässt, verliert diese Auseinandersetzung öffentlich, auch wenn er in der Sache Gründe hat – und in einer Fanszene bleibt der Trainer der Sympathieträger.
Das Verhältnis zur Presse
Auf das Vorwort eines Boulevardfotografen angesprochen, der scherzte, Eichberg müsse für die Menge der gelieferten Geschichten eigentlich eine Rente von der Zeitung beziehen, antwortete er, das sei sicher übertrieben – wer aber im Haifischbecken der Bundesliga schwimme, habe keine Chance, sich gegen die Medien abzuschirmen.
Damit ist die Bedingung beschrieben, unter der Vereinsführungen in dieser Liga arbeiten, und sie hat sich nicht geändert. Was sich geändert hat, ist die Richtung: Ein Präsident der frühen neunziger Jahre lieferte Geschichten und wurde dafür zur Figur; ein Vorstand von heute liefert Sprachregelungen und wird dafür zur Zielscheibe.
Die einzige Gelegenheit, und zwar aus erster Hand
Solche Nachmittage sind für die Vereinsgeschichtsschreibung wertvoller als jede Jubiläumsbroschüre. Ein Verein, der seine schwierigen Epochen von den Beteiligten selbst erzählen lässt, bekommt eine Version, die er nicht redigiert hat – und die Fanszene bekommt die Möglichkeit, nachzufragen, statt eine Deutung zu übernehmen.
Was die Erzählungen des Nachmittags verbindet
Die Fragen zielten auf Episoden: die Reise zur Beerdigung einer Vereinslegende, das Verhältnis zum späteren Manager, die Trainerwechsel, die Zeitungsgeschichten. Zusammen ergeben sie das Bild einer Amtsführung, die auf Anwesenheit beruhte – ein Präsident, der überall selbst auftrat, selbst verhandelte und selbst kommentierte.
Genau daraus entstand der Spitzname, und genau daran hing das Risiko. Eine Vereinsführung, die an einer Person hängt, hat kein Verfahren, mit dem sie deren Entscheidungen prüft; wenn diese Person zurücktritt, fehlt nicht nur eine Funktion, sondern die Grundlage der Planung. Der Verein brauchte danach Jahre, um seine Finanzen zu ordnen – und die Frage, wer im Verein tatsächlich kontrolliert, ist in dieser Sammlung zwanzig Jahre später erneut verhandelt worden.
Dass es das Buch überhaupt gibt, ist der Nebenbefund dieses Nachmittags. Über zwanzig Jahre lang war diese Epoche in der Vereinsliteratur nur als Vorgeschichte der Sanierung präsent – erzählt von denen, die danach kamen. Eine Darstellung, die den Beteiligten selbst zu Wort kommen lässt, korrigiert das nicht automatisch, aber sie stellt die Bilanz neben die Deutung und macht beide nachprüfbar.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenWer war Günter Eichberg?
Arzt und Unternehmer, vom 16. Januar 1989 bis zum 17. Oktober 1993 Präsident des FC Schalke 04. Die Presse nannte ihn wegen seines Auftretens den „Sonnenkönig“ des Vereins.
Was fiel in seine Amtszeit?
Der Wiederaufstieg in die Bundesliga 1991, erreicht mit riskanten Investitionen – und am Ende ein Rücktritt, der den Verein mit einem Schuldenstand von rund 20 Millionen Mark zurückließ. Nach eigenen Angaben hatte er 13 Millionen Mark seines Privatvermögens eingebracht.
Was war der Konflikt mit Peter Neururer?
Eichberg entließ den bei den Anhängern beliebten Trainer, der einen Vertrag für beide Spielklassen verlangte und den Präsidenten über die Presse unter Druck setzte.