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Kurvenstar04

Ein Bengalo und die Folgen

Der Bericht vom Champions-League-Spiel in Montpellier im Dezember 2012 hält beides fest: dass es zwischen den beiden Anhängerschaften keinerlei Konflikt gab – Ultras beider Seiten aßen mittags gemeinsam – und dass der Abend trotzdem eskalierte.

Der Auslöser

Gegen halb sechs sammelten sich die Gäste zum Marsch zum Stadion. Er begann mit einem bengalischen Feuer, und daraufhin vervielfachte sich die Zahl der Polizeikräfte schlagartig.

Damit ist die Kette in einem Satz beschrieben, und sie ist in dieser Sammlung mehrfach dokumentiert – nur meist ohne den Anfang. Hier steht er: Der Auslöser kam von der eigenen Seite.

Wo der Bericht einsetzt, entscheidet die Geschichte

Ein Bericht, der die Eskalation erst ab dem Polizeieinsatz erzählt, ergibt eine andere Geschichte. Wer festhält, dass der Marsch mit einer Pyrotechnikzündung begann, liefert die Grundlage, auf der über Verhältnismäßigkeit überhaupt gestritten werden kann.

Und weil beides gleichzeitig gilt. Ein Bengalo im Zug rechtfertigt keine pauschale Behandlung mehrerer hundert Menschen; und eine Fanszene, die vor einem Marsch in einem fremden Land Pyrotechnik zündet, weiß, was folgt.

Was der Fall über Auswärtsspiele im Ausland sagt

Er ergänzt die anderen Berichte dieser Sammlung um den Fall, der zwischen ihnen liegt. In Istanbul verlief die Reise ohne Zwischenfall, in Lissabon ohne erkennbaren Anlass repressiv – hier gab es einen Anlass, und die Reaktion darauf ist der Streitgegenstand.

Wer wissen will, warum Fanszenen und Einsatzbehörden in dieser Frage nicht zusammenkommen, findet hier den Kern: Beide Seiten beschreiben denselben Abend, beginnen die Erzählung aber an verschiedenen Minuten.

Das Verhältnis zu den Gastgebern

Es war nach dem Bericht unbelastet, und das ist keine Nebensache. Der Konflikt dieses Abends verlief nicht zwischen zwei Fanszenen, sondern zwischen Gästen und Einsatzkräften – während die Anhänger beider Vereine sich mittags gemeinsam an einen Tisch gesetzt hatten.

Das ist der Befund, der in Sicherheitsdebatten am seltensten vorkommt: Die Gegnerschaft, die ein Einsatzkonzept voraussetzt, war an diesem Tag nicht vorhanden.

Eine grobe Redewendung über Peitschen

Der Titel zitiert eine Redewendung über Peitschen und Fans und ist bewusst grob. Für die Sache selbst ist er weniger aussagekräftig als der Ablauf, den der Text protokolliert – und der ist in dieser Sammlung der einzige, in dem ein Berichterstatter den Auslöser auf der eigenen Seite benennt, ohne ihn zu verteidigen.

Wenige Regeln auf beiden Seiten

Der Ablauf folgt auf beiden Seiten aus wenigen Regeln. Für eine Einsatzleitung ist Pyrotechnik in einer bewegten Menge das Signal, die Kräfte zu verdichten – unabhängig davon, wie viele Personen beteiligt sind. Für eine Gruppe ist ein Bengalo am Beginn eines Marsches ein Auftritt, den sie als ihr Recht auf Selbstdarstellung versteht.

Beide Reaktionen sind vorhersehbar, und deshalb ist der Verlauf eines solchen Abends fast immer derselbe: eine Zündung, eine Verdichtung, ein enger geführter Zug, und hinterher zwei Berichte, die nicht zusammenpassen. Was in Montpellier ausblieb, war der dritte Schritt – eine Auseinandersetzung zwischen den Fanszenen selbst.