Das Vereinslied auf der Anzeigetafel
Der Bericht von einem Auswärtsspiel in Sinsheim im September 2013 besteht aus Beobachtungen, die einzeln klein und zusammen aussagekräftig sind – und aus einer Szene, die dem Text seinen Titel gibt.
Die Beobachtungen
Die Parkplätze liegen autobahn- und stadionnah und kosteten fünf Euro. Die Einlasskontrollen am Gästeblock waren streng: Konfisziert und nach Spielende zur Wiederabholung eingelagert wurden unter anderem Getränkepäckchen, elektronische Zigaretten und größere Schlüsselanhänger.
Unter dem Stadiondach hingen die Fahnen der umliegenden Städte und Gemeinden. Und über der Heimkurve stand ein Schriftzug, den der Verfasser als von seinem eigenen Verein übernommen bezeichnet.
Die Szene
Beim Vereinslied musste der Text auf den Anzeigetafeln eingeblendet werden, und auch dann sangen nur wenige mit.
Das ist die Beobachtung, an der sich der ganze Streit über gewachsene und neue Vereine aufhängt – und sie ist unangreifbar, weil sie nichts unterstellt: Ein Lied, dessen Text angezeigt werden muss, ist nicht eingeübt. Der Verfasser fügt selbst hinzu, ein Vereinslied, das betonen müsse, dass Neid und Lästerei gleichgültig seien, habe ein Problem mit sich selbst.
Warum der Bericht daneben etwas anderes tut
Er lobt die Gegenseite an der Stelle, an der es angebracht ist. Die Heimkurve zeigte eine Solidaritätschoreografie für einen schwer verunglückten eigenen Spieler, und der Verfasser schließt sich den Genesungswünschen an.
Diese Zweiteilung ist der Grund, aus dem der Text brauchbar bleibt. Ein Bericht, der einen Verein für seine Konstruktion kritisiert und die Anteilnahme seiner Anhänger ausdrücklich anerkennt, unterscheidet zwischen der Rechtsform und den Menschen auf der Tribüne – und genau diese Unterscheidung fehlt in den meisten Beiträgen zu diesem Thema.
Was die konfiszierten Gegenstände zeigen
Sie sind der konkreteste Teil des Berichts und der am besten vergleichbare. Eine Liste von Dingen, die an einem Gästeeingang nicht hineindürfen, sagt mehr über die Kontrollpraxis eines Standorts als jede Sicherheitsdebatte: Getränkepäckchen aus Kunststoff und Schlüsselanhänger sind keine Gefahr, sondern eine Entscheidung.
Dieselbe Ebene ist in dieser Sammlung mehrfach dokumentiert – von Zelten für Ganzkörperkontrollen bis zu einer einzelnen Wunderkerze, die einen Stadionverweis nach sich zog. Was ein Besucher mitnehmen darf, ist an jedem Standort anders und nirgends veröffentlicht.
Die einzige Vorbereitung, die ein Auswärtsfahrer bekommt
Vor einer Fahrt zu einem unbekannten Stadion ist eine Liste mit Parkgebühren, Kontrollpraxis und Wegen mehr wert als jede Vorschau – und sie steht in keinem offiziellen Kanal, weil kein Verein die eigene Kontrolldichte bewirbt.
Was der Bericht über Neubauten sagt
Zwei Beobachtungen daraus sind über den Tag hinaus brauchbar. Erstens die Fahnen der umliegenden Städte und Gemeinden unter dem Dach: Sie sollen regionale Verankerung zeigen und zeigen damit vor allem, dass sie gezeigt werden muss. Zweitens der übernommene Schriftzug über der Heimkurve, der aus einem anderen Verein stammt.
Beides beschreibt dasselbe Problem, das kein Geld löst. Die Ausstattung eines Stadions lässt sich kaufen, die Zeichen einer Kurve entstehen über Jahrzehnte – und wenn sie übernommen werden, sind sie als Übernahme erkennbar.