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Viererkette

Woher die Karten kamen: der Zweitmarkt von 2013

Die Debatte über den Ticket-Zweitmarkt lief 2013 zunächst über den Preis. Im Frühjahr verschob sie sich auf eine andere Frage, die schwerer zu beantworten und für die Vereine unangenehmer war: Woher kommen die Karten, die dort in großer Zahl angeboten werden?

Warum die Frage sich stellte

Die Antwort, die auf der Hand liegt, erklärt die Mengen nicht. Wenn ein Zuschauer nicht ins Stadion kann und seine Karte weitergibt, entsteht ein Angebot von einer Karte. Auf den Plattformen standen für einzelne Spiele Hunderte, und zwar zuverlässig, Spieltag für Spieltag. Ein Angebot, das sich planen lässt, kommt nicht aus Zufällen.

Damit rückten zwei Quellen in den Blick, die beide innerhalb des Vergabesystems der Vereine liegen: die Vorverkaufsstellen und die Kontingente, die Fanclubs zugeteilt bekommen.

Der strukturelle Befund

Das Vergabesystem eines Vereins beruht auf Vertrauen. Wer ein Kontingent erhält – als Fanclub oder als Verkaufsstelle –, bekommt Karten unter dem Preis, den ein Dritter dafür zahlen würde, und wird nicht laufend kontrolliert. Solange der Weiterverkauf nur unter der Hand möglich war, war die Differenz klein und der Aufwand hoch. Eine Plattform, die jederzeit Käufer stellt und den Aufschlag legal macht, verändert diese Rechnung an genau dieser Stelle.

Der Mechanismus, der damals beschrieben wurde, folgt daraus unmittelbar: Wer ein Kontingent will, gründet einen Fanclub. Ein Verein, der Karten nach der Zahl der angemeldeten Mitglieder vergibt, prüft in der Regel nicht, ob diese Mitglieder je ein Spiel besuchen. Die Diskussion jener Wochen kannte deshalb den Begriff des Scheinmitglieds – und die Frage, wie ein Club mit zwei Dutzend Mitgliedern zu einem vierstelligen Kontingent kommt.

Die Vorwürfe von 2013, und was von ihnen belegt ist

Im April 2013 nahm sich ein Fernsehmagazin des Themas an, und in der Berichterstattung tauchten konkrete Fälle auf: eine Verkaufsstelle, über die monatlich Karten in dreistelliger Zahl in den Zweitmarkt gingen; Einnahmen von mehreren Tausend Euro im Monat; Personen, die mehrere Fanclubs quer über Deutschland gegründet haben sollen, um an Kontingente zu kommen.

Diese Einzelfälle stützten sich damals auf eine Auskunft aus dem Inneren einer Verkaufsstelle und sind nie öffentlich verifiziert oder gerichtlich festgestellt worden. Sie sind hier deshalb als das benannt, was sie sind: Vorwürfe, die die Richtung der Debatte bestimmt haben, ohne belegt zu sein. Was der strukturelle Befund darüber hinaus nicht braucht, ist der Einzelfall: Ein System, das Karten unter Marktpreis an viele Stellen verteilt und keine Weitergabekontrolle kennt, produziert diesen Anreiz von selbst.

Der Vorwurf, der später bestätigt wurde

Ein Punkt aus jenen Recherchen hat einen langen Weg genommen. Es ging um Angebote für Karten, die der Anbieter zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht besaß: Der Käufer erhielt anschließend eine Karte für einen anderen Block – oder sein Geld zurück.

Genau diese Praxis stand mehr als ein Jahrzehnt später im Zentrum der Verfahren, die Vereine und Liga gegen Zweitmarktplattformen führten. Das Oberlandesgericht München gab der Klage der Bundesliga im August 2026 in vollem Umfang statt, und der entscheidende Satz betrifft die Verfügbarkeit: Käufer müssen erkennen können, ob Karten tatsächlich schon verfügbar sind, welche Leistungen eine Garantie umfasst und von wem verkauft wird. Was 2013 als Beobachtung von Fanseite formuliert wurde, ist damit als Wettbewerbsverstoß festgestellt. Der Überblick über Verträge, Protest und Urteile ordnet die Verfahren ein.

Was die Vereine daran ändern konnten

Auf der Angebotsseite liegt der Hebel bei den Klubs selbst, und er ist unspektakulär: Kontingente an nachvollziehbare Mitgliedschaften binden, Karten personalisieren, eine vereinseigene Tauschbörse so bequem machen wie die kommerzielle Alternative, und die Weitergabe über diese Börse zur einzigen zulässigen erklären. Jeder dieser Schritte wurde in den Jahren danach an einzelnen Standorten umgesetzt.

Der Widerspruch, der 2013 die Debatte trug, blieb dabei bestehen: Mehrere Vereine, deren Kontingente in den Zweitmarkt abflossen, hatten mit derselben Plattform Verträge über ihre eigene Ticketbörse geschlossen. Wer das Angebot beklagt und den Kanal mitbetreibt, hat zwei Positionen zu erklären – und genau daran haben sich die Konflikte in den Kurven jener Jahre entzündet.