FankulturDokumentation · Deutschland
Osterdeich-Schnack

Wunderkerzen und Hitzeherde

Der Beitrag beginnt mit einem Eingeständnis: Die Pyrotechnikdebatte gehe dem Verfasser gehörig auf die Nerven, sie langweile, sei ärgerlich, und tatsächliche Lösungen seien wegen verkrusteter Positionen nicht in Sicht.

Das Argument, um das es geht

Zitiert wird der Sicherheitsbeauftragte des FC St. Pauli nach Angaben der Tagesschau: Wenn Menschen ein ganzes Bündel Wunderkerzen in der Hand hielten, könnten ähnliche Hitzeherde entstehen wie bei bengalischen Feuern.

Das ist das erste Sachargument, das in dieser Sammlung zur Wunderkerzenfrage auftritt – und es kommt von der Seite, die für Sicherheit im Stadion verantwortlich ist, nicht von einem Verband.

Die Kategorie selbst steht in Frage

Der Befund stellt die Kategorie in Frage, auf die sich die Fanseite berufen hatte. In dieser Sammlung ist der Fall einer einzelnen Wunderkerze dokumentiert, die zu einem Stadionverweis führte, und die Kritik daran lautete: Eine Wunderkerze ist kein Bengalo.

Für eine einzelne Kerze stimmt das. Für ein Bündel, gehalten von mehreren Personen in einem gefüllten Block, ist die Aussage nicht mehr trivial – und genau darauf zielt der Sicherheitsbeauftragte. Damit steht nicht mehr Verbot gegen Erlaubnis, sondern Menge gegen Menge.

Was daraus folgen müsste

Eine Regelung, die die Menge erfasst. Genehmigte Choreografien mit Wunderkerzen hat es gegeben – in dieser Sammlung ist eine mit rund 10 000 Stück dokumentiert, abgestimmt mit Verein, Ordnungsdienst und Feuerwehr. Wenn ein Bündel in einer Hand das Problem ist, dann ist die Verteilung das Kriterium und nicht das Objekt.

Genau diese Unterscheidung hat keine Seite verfolgt. Der Verband blieb beim pauschalen Verbot, die Fanseite bei der Harmlosigkeit des Einzelstücks – und die Sachfrage, wie viele Kerzen auf welcher Fläche welche Temperatur erzeugen, ist nie öffentlich beantwortet worden.

Der Vorwurf an den Verband

Dieser habe sich nach Einschätzung des Verfassers vor den Karren der öffentlichen Aufregung spannen lassen. Das ist eine Bewertung; belegbar ist die Chronologie, die in dieser Sammlung an mehreren Stellen dokumentiert ist – abgebrochene Gespräche, ein Positionspapier, eine Abstimmung im Dezember 2012.

Was von der Debatte blieb

Ein Verbot ohne Modellversuch. Gespräche über kontrolliert abgebrannte Pyrotechnik hat es mehrfach gegeben, ein Versuch kam nie zustande, und die Rechtslage ist unverändert.

Und ein Argument, das eine Fanseite selbst dokumentiert hat, obwohl es gegen ihre eigene Position sprach. Das ist der Grund, aus dem dieser Beitrag hier steht: Er zitiert den Fachmann, der ihm widerspricht.

Zwei Vorfälle in einem Doppeltitel

Der Titel nennt zwei Vorfälle, die in derselben Woche verhandelt wurden, und setzt sie mit einer Zuspitzung gegeneinander. Solche Doppeltitel sind in Fanmedien üblich, weil die Beiträge zwei Dinge gleichzeitig tun: einen aktuellen Anlass abarbeiten und eine Grundfrage stellen.

Für die Nachnutzung ist nur die Grundfrage brauchbar – und sie lautet hier, ob eine Debatte, in der beide Seiten ihre Position seit Jahren nicht verändert haben, überhaupt noch eine Debatte ist. Der Verfasser beantwortet sie mit Nein, und die zehn Jahre danach haben ihm nicht widersprochen.