FankulturDokumentation · Deutschland
Rotstift

Ein Trainerwechsel als Nachricht

Am 16. Januar 2013 wurde bekannt, dass der FC Bayern München zur folgenden Saison einen Trainer verpflichtet, der zuvor in Spanien alles gewonnen hatte. Der Beitrag am Tag danach nennt es eine Revolution im europäischen Fußball – und begründet das nicht mit dem Namen.

Die Begründung

Sie lautet: In anderen Ligen lässt sich immer noch mehr Geld verdienen, aber das Umfeld mit den vollen Stadien und die sportliche Entwicklung wiegen das inzwischen auf.

Das ist der Kern und der Grund, aus dem dieser Beitrag in eine Sammlung über Fankultur gehört. Als Standortvorteil der deutschen Liga werden hier nicht Fernsehgelder oder Steuersätze genannt, sondern die Zuschauer.

Die Zahlen stützen die These

Die deutsche Liga hatte in diesen Jahren die höchsten Zuschauerzahlen Europas – bei niedrigeren Ticketpreisen als in England und mit Stehplätzen, die es anderswo nicht mehr gab. Die Auslastungsdaten dieser Sammlung zeigen die Größenordnung.

Wer als Trainer oder Spieler zwischen zwei Angeboten wählt, wählt damit auch zwischen zwei Arbeitsumgebungen – und ein ausverkauftes Stadion ist eine davon. Genau das behauptet der Beitrag, und es ist die freundlichste Deutung, die ein Anhänger einem solchen Wechsel geben kann.

Der zweite Teil der These

Mit diesem Zugang würden auch bei vielen Spielern die letzten Bedenken fallen, und die Besten richteten ihr Augenmerk nicht mehr nur auf andere Ligen. Das hat sich in den Jahren danach bestätigt: Die Saison 2012/13 endete mit einem rein deutschen Endspiel in der Champions League, und in den Jahren darauf gingen Spieler nach München, die vorher nach Spanien oder England gegangen wären.

Ob es der Trainer war oder das Endspiel oder das Geld, ist nicht zu trennen. Belegt ist, dass die Reihenfolge in diesem Winter begann.

Die Form

Der Beitrag ist durchgehend mit Beatles-Titeln gebaut – von einem Tag im Leben bis zum Verlassen des Elternhauses. Solche Spielereien sind in Fanmedien üblich und haben hier einen Nebeneffekt: Sie halten den Text von der Ehrfurcht frei, mit der über diesen Wechsel sonst geschrieben wurde.

Was der Beitrag nicht sieht

Die Kehrseite, die in dieser Sammlung an vielen Stellen verhandelt wird. Ein Verein, der die besten Spieler und Trainer Europas anzieht, entzieht sie den anderen Klubs derselben Liga – und die Dominanz eines einzelnen Vereins ist über das folgende Jahrzehnt zum bestimmenden Thema der Bundesliga geworden.

Im Januar 2013 war davon nichts zu ahnen, und der Beitrag ist als Momentaufnahme gerade deshalb brauchbar: Er beschreibt einen Zugewinn, der sich später als Anfang einer Serie erwies.

Eine Nachricht über die eigene Liga

Ein Trainerwechsel bei einem anderen Verein ist für die eigene Fanszene eine Nachricht über die Liga, in der man selbst spielt. Der Beitrag stammt aus einer Rubrik, die München kritisch begleitet – und er begrüßt diesen Zugang trotzdem.

Diese Trennung zwischen dem Verein, dem man die Erfolge nicht wünscht, und der Liga, deren Ansehen man teilt, ist an anderer Stelle dieser Sammlung ausdrücklich verweigert worden (Die Fünfjahreswertung und die Loyalität). Beide Positionen stehen damit nebeneinander, aus derselben Rubrik – und wer wissen will, wie Fanszenen über solche Fragen tatsächlich streiten, findet hier beide Antworten.