Wir gehen hin. Immer.
Der Beitrag beginnt mit einem Bekenntnis, das als Selbstlob getarnt ist: Eins müsse man ihnen lassen – sie gehen hin. Immer. Sie setzen sich in verspätete Züge und überfüllte Straßenbahnen. Immer. Und sie holen sich Eintrittskarten, auf denen noch der längst abgelöste Name eines früheren Sponsors steht.
Die Währung heißt Anwesenheit
Sie benennt die Währung, in der Fanszenen sich selbst messen. Nicht Ergebnisse, nicht Tabellenplätze, nicht Titel – Anwesenheit. Und zwar Anwesenheit unter Bedingungen, die niemand aussucht: Verspätung, Gedränge, veraltete Drucksachen.
Die Eintrittskarte mit dem alten Sponsornamen ist dabei das schönste Detail. Sie ist ein Dokument über die Geschwindigkeit, mit der Vermarktungsverträge wechseln – und über die Geschwindigkeit, mit der ein Verein seine Drucksachen anpasst.
Der Gegner
Etwa 850 Gäste waren mitgekommen, und beide Vereine waren gemeinsam aufgestiegen. Warum die einen dort stehen, wo sie stehen, und die anderen dort, wo sie stehen, wisse auch der Gästetrainer nicht.
Das ist die ehrlichste Zusammenfassung einer Zweitligasaison, die es gibt: Zwei Mannschaften mit derselben Ausgangslage, sehr unterschiedliche Tabellenplätze, und niemand kann es erklären.
Die Rotation
Der Verfasser zählt auf, wer diesmal spielt, und stellt gleich daneben, wer beim nächsten Mal spielen wird – dieselben Namen in anderer Zusammensetzung. Er nennt es Bereitschaft zum Leidensfähigkeitstraining.
Damit ist eine Beobachtung formuliert, die Trainer nicht gern hören und Zuschauer regelmäßig machen: Eine Rotation ohne erkennbares Prinzip wirkt wie Zufall, unabhängig davon, ob ihr eines zugrunde liegt.
Was über Jahre lesbar bleibt
Sie beschreiben die Konstanten. Die Mannschaft wechselt, der Trainer wechselt, der Sponsor auf der Karte wechselt – der Weg zum Stadion, das Gedränge und die Bereitschaft, trotzdem zu kommen, wechseln nicht.
In dieser Sammlung steht dieselbe Feststellung mehrfach: als achtzehn Stunden für neunzig Minuten und als Fahrt zu einem Spiel, in dem nichts mehr auf dem Spiel stand. Hier ist es die Heimspielvariante.
Trocken, mit Wiederholung und Selbstironie
Er ist trocken, wiederholt Wörter zur Betonung und arbeitet mit Selbstironie. Diese Rubrik hat über Jahre in derselben Stimme geschrieben, was für die Sammlung praktisch ist: Man erkennt die Beiträge, und man kann verfolgen, wie sich die Bewertung derselben Mannschaft über Spielzeiten verändert.
Was an dem Titel bemerkenswert ist
Er ist kein Anspruch, sondern eine Feststellung mit Punkt: Wir gehen hin. Immer. In einer Sammlung, in der über Anstoßzeiten, Kartenkontingente, Kontrollen und Preise gestritten wird, ist das die Grundlage, auf der der Streit überhaupt stattfindet.
Denn alle diese Konflikte setzen voraus, dass jemand trotzdem kommt. Ein Publikum, das bei jeder Zumutung wegbleibt, hätte keine Verhandlungsposition – und eines, das immer kommt, hat sie auch nicht. Genau diesen Widerspruch benennt der Titel, ohne ihn zu lösen.