Was ist eigentlich ein Event
Im März 2015 empfing ein Drittligist im Pokalviertelfinale einen Bundesligisten. Beide Mannschaften waren in Form, beide wurden in den Wochen davor hochgelobt, und zur Pause stand es 1:0 für die Gastgeber, nach einem Spielzug, den der Bericht als das Gegenteil dessen beschreibt, was der aufgeweichte Rasen zuließ.
Der Bericht ist ein gewöhnlicher Heimspielbericht mit einem Absatz, der ihn heraushebt.
Der Absatz
Zur Pause stellt er fest, dass die Laune bei Fans und Eventfans gut sei – und stellt dann die Frage, die in dieser Debatte selten gestellt wird: Was ist überhaupt ein Event?
Seine Antwort baut er aus mehreren Nachschlagewerken zusammen: eine besonders exponierte Veranstaltung mit besonderer Inszenierung, Interaktion zwischen Veranstaltern und Teilnehmern und multisensorischer Ansprache.
Ein Schimpfwort ohne Definition
„Eventfan“ war in diesen Jahren ein Schimpfwort, das ohne Definition auskam. Es bezeichnete Besucher, die selten kommen, die Trikots tragen und sich nicht auskennen – eine Zuschreibung, die in dieser Sammlung mehrfach vorkommt, etwa als Beobachtung über Erstbesucher in einem großen Stadion, die ihren Eingang nicht finden.
Wer den Begriff definiert, stellt fest, dass er auf die Veranstaltung zielt und nicht auf den Besucher. Nach dieser Definition ist ein Pokalviertelfinale mit Fernsehübertragung ein Event – und zwar unabhängig davon, wer im Stadion sitzt.
Damit fällt der Vorwurf in sich zusammen, jedenfalls in seiner üblichen Form. Wer sich über Eventfans beklagt, beklagt sich über die Zuschauer eines Ereignisses, das er selbst herbeigesehnt hat.
Der Bericht zieht diesen Schluss nicht ausdrücklich. Dass er die Definition überhaupt nachliefert, ist der eigentliche Vorgang – und er ist in dieser Sammlung einmalig.
Wie die Partie lief
Die erste Viertelstunde gehörte dem Gast, der ballsicherer und schneller war, was der Bericht ausdrücklich als erwartbar einordnet. Die Umfeldstimmung vorher nennt er lobenswert realistisch, zusammengefasst in einem Satz: Der Gast sei Favorit, die eigene Mannschaft nicht.
Dann kam die Führung, und der Bericht beschreibt den Jubel darüber als Riesenjubel über ein Tor aus regnerischem Himmel. Der Rasen, den ein Angehöriger eines Gästespielers als nicht fußballtauglich bezeichnet habe, ist bei ihm ein wiederkehrendes Thema – und die Pointe ist, dass das Tor trotzdem aus einem gespielten Angriff fiel.
Was er über das Ankommen sagt
Vor den Spaßmoment habe der Fußballgott das Ankommen gesetzt. Der Bericht saß an diesem Tag erstmals auf einem Sitzplatz und beschreibt die Suche danach als eigenes Ereignis, mit einem Zuruf im Gewusel, den er als sprachlich und habituell nicht ostwestfälisch einordnet.
Das ist der Ton dieser Rubrik: Selbstironie über die eigene Region, angewandt auf eine Situation, die jeder kennt, der einmal einen anderen Platz hatte als gewohnt.
Die Widmung
Der Bericht ist zwei Personen gewidmet, die dem Autor die Karte besorgt hatten, und er hält außerdem fest, dass vor dem Spiel zwei Anhänger geehrt wurden, die Opfer eines Gewaltangriffs geworden waren.
Namen sind hier nicht wiedergegeben; es sind Privatpersonen. Der Vorgang selbst ist erwähnenswert: Eine Ehrung von Gewaltopfern aus der eigenen Anhängerschaft vor dem Anpfiff eines Pokalviertelfinals gehört zu den Dingen, die in Berichten über Fangewalt nicht vorkommen.
Wie die Saison ausging
Der Drittligist erreichte in dieser Pokalsaison das Halbfinale und stieg am Ende der Spielzeit in die zweite Liga auf. Die beiden Erwartungen, die der Bericht eingangs als Hochjubelei bezeichnet, sind damit für die eigene Mannschaft eingetroffen.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenUm welches Spiel geht es?
Um das Pokalviertelfinale zwischen einem Drittligisten und einem Bundesligisten im März 2015. Zur Pause stand es 1:0 für die Gastgeber; sie zogen in dieser Saison ins Halbfinale ein.
Was macht der Bericht mit dem Wort Event?
Er definiert es: eine besonders exponierte Veranstaltung mit besonderer Inszenierung, Interaktion zwischen Veranstaltern und Teilnehmern und multisensorischer Ansprache – zusammengesetzt aus mehreren Nachschlagewerken.
Warum ist das ungewöhnlich?
Weil „Eventfan“ in dieser Zeit ein Schimpfwort war, das keine Definition brauchte. Ein Bericht, der die Definition nachliefert, prüft damit den eigenen Vorwurf.