Eintracht Bielefeld, ein Druckfehler
Im Sommer 2015 war Arminia Bielefeld in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Im Sonderheft eines Fachmagazins zur neuen Saison stand über dem Verein ein anderer Name: „Eintracht Bielefeld“.
Aus diesem Druckfehler macht der Beitrag fünf Erklärungsversuche – und er ist damit ein Beispiel für eine Textform, die diese Sammlung häufig enthält: Satire über Fußballmedien, geschrieben von Anhängern, die deren Produkte genau kennen.
Der Fehler verschmilzt zwei Rivalen
Er verschmilzt zwei Vereine, deren Anhängerschaften eine ausgeprägte Rivalität verbindet. Arminia Bielefeld und Eintracht Braunschweig spielten in derselben Liga, und die Fanszenen verkehren nicht freundlich miteinander.
Ein zusammengesetzter Name aus beiden ist deshalb nicht bloß falsch, sondern für beide Seiten eine Zumutung – und genau darauf beruht die Pointe des ersten Erklärungsversuchs: Das Heft habe die Stimmung vor den beiden Begegnungen anheizen wollen.
Die weiteren Lesarten
Die zweite dreht die Deutung um: Der Name vereine alle, die entweder „Eintracht“ oder „Bielefeld“ heißen – vom Rhein bis nach Niedersachsen.
Die dritte ist die einzige mit einem realen Bezug. Es gibt einen TuS Eintracht Bielefeld e.V., einen Breitensportverein mit damals etwa dreißig Fußballmannschaften und einer ersten Herrenmannschaft in der Kreisliga A. Der Beitrag erklärt den Druckfehler als Hommage an ihn – und stellt die Frage, wieso dieser Verein und der Zweitligist denselben Trainer hätten.
Die vierte Erklärung baut daraus eine Verschwörung: Alle Bielefelder Vereine würden künftig von demselben Trainer geführt und gemeinsam in die erste Liga aufsteigen, siebzehn Klubs aus dem Teutoburger Wald und ein Münchner Verein, der sein Stadion vorsichtshalber in einem Bielefelder Stadtteil neu errichtet.
Das ist ein Verweis auf die Bielefeld-Verschwörung – den seit 1994 im Netz verbreiteten Scherz, die Stadt existiere nicht. Der Beitrag führt ihn konsequent zu Ende: Wenn die Verschwörung gelinge, werde man sagen, die Bundesliga gebe es gar nicht.
Die fünfte ist ein Rückzug: Vielleicht sei es ein Test, ob die Leser aufmerksam seien.
Was der Text daneben tatsächlich behandelt
Er beginnt mit vier Sätzen darüber, wozu ein Saison-Sonderheft dient. Es beendet die Sommerpause, es fasst die Sprache der Sportberichterstattung an einer Stelle zusammen, es stellt den eigenen Verein in Text und Bild dar, und es kommt von Fachleuten, die recht haben.
Der letzte Punkt ist der, auf den der Fehler zielt. Der Beitrag stellt am Ende die Frage, ob jemand von diesem Magazin schon einmal eine Richtigstellung gelesen habe, und beantwortet sie selbst.
Das ist eine Beobachtung über Sportmedien, die über den Anlass hinausgeht: Ein Fehler wird korrigiert, eine Fehleinschätzung nicht. Prognosen einer Saison-Vorschau werden im Mai nicht mehr geprüft, und niemand erwartet es.
Wie der Fehler entsteht
Ein Sonderheft dieser Art entsteht in wenigen Wochen zwischen dem letzten Spieltag und dem ersten: 36 Vereinsporträts, Kader, Zugänge, Abgänge, Bildstrecken. Vereinsnamen werden dabei aus Vorlagen übernommen, und in einer Saison mit drei Aufsteigern werden diese Vorlagen neu angelegt.
Ein zusammengesetzter Name aus dem Aufsteiger und einem Ligakonkurrenten ist deshalb kein Zeichen von Unkenntnis, sondern der typische Fehler einer Textverarbeitung unter Zeitdruck. Wer das weiß, findet ihn nicht weniger komisch.
Die Versöhnung am Schluss
Der Beitrag endet nicht mit einem Vorwurf, sondern mit dem Satz, dass Irren menschlich sei und Lachen ebenfalls, und dass das Magazin auf beides ein Recht habe.
Damit ordnet er sich selbst richtig ein. Er ist keine Medienkritik, sondern die Wiedererkennungsfreude eines Lesers, der dieses Heft jedes Jahr kauft und in ihm einen Fehler gefunden hat, über den er dreißig Zeilen schreiben kann.
Nicht nur Sicherheitsdebatten und Verbandsstrafen
Die Sammlung, in der er liegt, besteht nicht nur aus Sicherheitsdebatten und Verbandsstrafen. Neben Beiträgen über Stadionverbote und Ticketpreise standen Texte über Autoaufkleber, Sonderhefte und Vereinsnamen – und die Mischung ist der Grund, aus dem die Leserschaft geblieben ist.
Ein Fanmedium, das nur Konflikte behandelt, verliert die Leser, die wegen des Fußballs gekommen sind. Der Druckfehler war 2015 zwei Tage lang das Gesprächsthema zweier Fanszenen, und das ist genau die Art Ereignis, für die eine solche Rubrik existiert.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenWas war der Fehler?
Im Sonderheft zur Saison 2015/16 war der Bielefelder Aufsteiger als „Eintracht Bielefeld“ bezeichnet – eine Verschmelzung aus Arminia Bielefeld und Eintracht Braunschweig, zwei Vereinen, deren Anhängerschaften eine ausgeprägte Rivalität verbindet.
Gibt es einen Verein dieses Namens?
Ja, den TuS Eintracht Bielefeld e.V. – ein Breitensportverein, dessen Fußballabteilung damals rund 30 Mannschaften stellte, die erste Herrenmannschaft in der Kreisliga A.
Warum ist ein Saison-Sonderheft für Anhänger ein Ereignis?
Weil es die Sommerpause beendet: Kader, Zugänge, Prognosen und ein Bildteil zum eigenen Verein, gedruckt und damit endgültig – der Punkt, an dem eine Saison beginnt, bevor sie angepfiffen wird.