Zweitausend in Köln
Im Dezember 2012 fuhren im deutschen Fußball zwei Züge aufeinander zu. In dem einen saßen die Fans, die die Stimmung in den Stadien tragen, mit Forderungen nach selbstbestimmten Kurven, bezahlbaren Karten und legaler Pyrotechnik. In dem anderen Politiker, Polizeivertreter und Funktionäre mit der Absicht, die Kontrolle über die Kurven zu verstärken – begleitet von einer aufgeregten Berichterstattung.
Der Aufzug
Vier Tage vor der Abstimmung der Vereine über das Papier „Sicheres Stadionerlebnis“ versammelten sich in Köln bei Minusgraden und blauem Himmel etwa 2 000 Anhänger. Um 12.12 Uhr startete am östlichen Rheinufer der Zug „Zum Erhalt der Fankultur“, der anderthalb Stunden bis zum Hauptbahnhof brauchte.
Die Uhrzeit war das Signal: Der Protest jener Wochen bestand aus zwölf Minuten und zwölf Sekunden Schweigen zu Spielbeginn, gerichtet auf den Abstimmungstermin am 12. Dezember. Eine Demonstration, die um 12.12 Uhr beginnt, ordnet sich damit ohne ein Wort in diese Kampagne ein.
Wer da lief
Der Bericht beschreibt die Spanne ausdrücklich: von der jungen Mutter bis zum langjährig aktiven Hooligan. Bei der Abschlusskundgebung standen Ultras, Kuttenträger, Allesfahrer und Gelegenheitsbesucher gemeinsam auf der Freitreppe vor dem Hauptbahnhof, mit Großfahnen, Doppelhaltern und Transparenten.
Gesprochen haben ein Fananwalt, ein Vertreter der bundesweiten Initiative ProFans und ein weiterer Redner. Das ist die Besetzung, die eine solche Veranstaltung braucht, um über die eigene Szene hinaus zu wirken: eine juristische Stimme, eine organisierte Interessenvertretung und die Kurve selbst.
Was nicht passierte
Befürchtungen über Pöbeleien gegen Pressefotografen oder sonstige Vorfälle blieben unbegründet. Passanten beim Weihnachtseinkauf und zurückhaltend auftretende Polizeikräfte sahen einen Zug in Rot und Weiß.
Diese Feststellung ist der wichtigste Satz des Berichts. Der Vorwurf jener Monate lautete, Fanszenen seien nicht in der Lage, sich geordnet zu äußern – und die Widerlegung besteht nicht in einem Argument, sondern in einer Veranstaltung, bei der nichts geschah.
Die Grenze der Aktion
Sichtbar waren fast ausschließlich Anhänger des 1. FC Köln und kleinere Gruppen von Fortuna Köln; Unterstützer anderer Vereine traten kaum in Erscheinung. Damit war es eine Leistungsschau der Kölner Szene und keine bundesweite Demonstration – bei einem Anlass, der alle Standorte betraf.
Dasselbe Muster ist in dieser Sammlung ein Jahr später in Gelsenkirchen dokumentiert (Eine angemeldete Demonstration), mit demselben Einwand: lokale Stärke, kein gemeinsamer Auftritt.
Was die Gegenseite anführte
Der Bericht nennt sie mit: Politiker, Polizeivertreter und Funktionäre sahen dringenden Handlungsbedarf aufgrund von Ereignissen wie den Vorfällen beim Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC im Mai 2012, bei dem Zuschauer vor dem Schlusspfiff das Feld betraten.
Dass beide Seiten in diesem Beitrag vorkommen, ist der Grund, aus dem er brauchbar geblieben ist. Vier Tage später wurde das Papier beschlossen – die Demonstration hat es nicht verhindert, aber sie ist der Nachweis, dass die Kurven in diesen Wochen mit den Mitteln der Öffentlichkeit gearbeitet haben und nicht nur mit denen des Stadions.