Eine Rivalität von der Couch
Am 13. Juni 2014 traf der amtierende Weltmeister Spanien im ersten Gruppenspiel auf die Niederlande, die Neuauflage des Endspiels von 2010. Es endete 1:5.
Die Tageskolumne dieser Sammlung zum Turnier nimmt das Spiel zum Anlass für etwas anderes: eine Bestandsaufnahme der deutsch-niederländischen Fußballrivalität, geschrieben aus der Sicht einer Anhängerin, die am Niederrhein aufgewachsen ist.
Ein Elfmeter, ein Flugkopfball, dann das Gegenteil
Spanien ging nach einem Elfmeter in Führung, den die Kolumne für nicht zwingend hält. Der Ausgleich fiel durch einen Flugkopfball. In der zweiten Halbzeit, im Regen von Salvador, fielen vier weitere Tore für die Niederlande, zwei davon durch denselben Flügelspieler.
Die Zahl, die den Abend beschreibt, steht am Ende: 64 Prozent Ballbesitz für Spanien – und sämtliche weiteren Großchancen auf der anderen Seite. Die Kolumne hält fest, dass noch nie ein amtierender Weltmeister beim folgenden Turnier so deutlich verloren hatte.
Für die Vorgeschichte ist das die Pointe: Eine Mannschaft, die bei der Europameisterschaft 2012 im gesamten Turnier zwei Gegentore zugelassen hatte, kassierte an einem Abend fünf.
Wie die Kolumne die Rivalität begründet
Nicht politisch, sondern biografisch. Sie führt drei Erinnerungen auf: das verlorene EM-Halbfinale 1988 und die Geste, mit der ein niederländischer Spieler danach ein deutsches Trikot benutzte; den Sieg im Achtelfinale 1990, den die Autorin im Urlaub zwischen deutschen und niederländischen Zuschauern erlebte; und den Vorfall zwischen zwei Spielern in diesem Spiel.
Dazu kommt der Alltag einer Grenzregion – Einkaufsfahrten, Urlaubsverkehr, Wohnwagen auf der Autobahn. Diese Passagen arbeiten mit Klischees über die Nachbarn, teils in einer Wortwahl, die hier nicht wiedergegeben wird.
Der Satz, der die Sache trifft
Die Elftal sei für sie das Borussia Dortmund unter den Nationalmannschaften: der Erzrivale, zu nah dran, zu ähnlich und genau deshalb unsympathisch.
Darauf folgt die Frage, was an Fußballrivalität überhaupt logisch sei – und damit ist der Mechanismus benannt, den diese Sammlung an mehreren Stellen beschreibt. Rivalität entsteht aus Nähe und Ähnlichkeit, nicht aus Gegensatz: derselbe Befund wie beim Verhältnis zweier westfälischer Nachbarstädte und beim Revierderby.
Die Kolumne nennt außerdem die Ausnahmen, die für sie gelten: niederländische Spieler, die beim eigenen Verein gespielt haben. Das ist die übliche Konstruktion – die Feindschaft gilt der Gesamtheit und nie den Einzelnen, die man kennt.
Der Widerspruch darunter
Unter dem Beitrag steht eine Antwort aus den Niederlanden, auf Englisch. Sie hält fest, dass die heutige Generation dort keinen Hass auf Deutschland hege, dass man die Leistung der deutschen Mannschaft respektiere, dass die beiden erwähnten Spieler auf ihre Gesten von damals kaum stolz seien – und dass eine freundliche Rivalität gesund sei.
Darauf folgt eine deutsche Antwort, die den Wandel an einem Datum festmacht: der Wechsel eines niederländischen Nationalspielers zu einem deutschen Spitzenverein, für den er in den Niederlanden angegriffen wurde, und die vielen niederländischen Spieler, die danach in der Bundesliga spielten.
Dieser Austausch ist der wertvollste Teil des Beitrags, und er stammt nicht vom Autor. Drei Wortmeldungen aus zwei Ländern, die dieselbe Rivalität unterschiedlich einschätzen – und die zweite belegt, dass der Ton der ersten nicht überall so gelesen wird, wie er gemeint war.
Halbfinale, Vorrunde, und der Titel für Deutschland
Die Niederlande erreichten das Halbfinale und wurden Dritter, Spanien scheiterte in der Vorrunde. Deutschland gewann das Turnier.
Für die Rivalität, um die es in dem Beitrag geht, war 2014 ein ruhiges Jahr: Beide Mannschaften trafen nicht aufeinander. Was bleibt, ist eine Momentaufnahme davon, wie sie 2014 aussah – im Text scharf und in den Kommentaren bereits als überholt bezeichnet.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenWie endete das Spiel?
1:5 für die Niederlande. Spanien führte nach einem Elfmeter, van Persie glich per Flugkopfball aus, und in der zweiten Halbzeit fielen vier weitere Tore – bei 64 Prozent Ballbesitz für Spanien.
Woran macht die Kolumne die Rivalität fest?
An eigenen Erinnerungen: dem EM-Halbfinale 1988 und der Geste danach, dem Achtelfinale 1990 und dem Vorfall zwischen zwei Spielern in diesem Spiel.
Was steht in den Kommentaren?
Ein Widerspruch aus den Niederlanden – die heutige Generation hege keinen Hass auf Deutschland – und eine deutsche Antwort, die den Wandel an niederländischen Spielern in der Bundesliga festmacht.