Vierhundert Zuschauer in Wilhelmshaven
Am 3. Februar 2013 spielte der SV Wilhelmshaven in der Regionalliga Nord gegen die zweite Mannschaft des FC St. Pauli. Rund 400 Zuschauer, Schneematsch, 4:1 für die Gastgeber.
Der Bericht ist von einem Bremer geschrieben, der zwei Stunden mit der Bahn angereist ist, um ein Spiel zu sehen, das niemand überträgt. Vier Beobachtungen daraus sind es wert, aufgehoben zu werden.
Der Polizist in der Halbzeitpause
Auf die Frage, ob heute nicht viel zu tun sei, antwortete er, es sei hier nichts los. Er erzählte weiter, dass es bei Spielen dieses Vereins nur selten brenzlige Lagen gebe – höchstens bei zwei bestimmten Gästen –, und dass er sich frage, was er und seine Kollegen dort eigentlich sollten.
Das ist eine Aussage über Einsatzplanung, und sie kommt aus der Einsatzkraft selbst. Die Debatte dieser Jahre stritt über Einsatzstunden, Kostenverteilung und die Frage, wer Polizei im Stadion bezahlt; ein Beamter, der bei 400 Zuschauern Dienst tut und den Sinn nicht erkennt, ist dazu die präziseste Quelle, die ein Fanbericht liefern kann.
Diese Sammlung dokumentiert die Gegenrichtung mehrfach – Einsätze, die als überdimensioniert empfunden wurden, etwa bei einem Derby mit tausend Polizisten. Hier ist es dieselbe Beobachtung, nur vom anderen Ende der Liga und von der anderen Seite der Absperrung.
Der Junge an der Ampel
Auf dem Weg zum Stadion hörte der Autor einen höchstens vierzehnjährigen Jungen erzählen, er habe Pyrotechnik mitnehmen wollen, seine Mutter habe sie gefunden und ihm abgenommen und ihm mit Hausarrest gedroht, falls er deswegen erneut von der Polizei mitgenommen werde.
Der Autor rechnet daraufhin nach, womit er sich mit vierzehn beschäftigt hatte, und stellt fest, dass Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz nicht dazugehörten.
Zwei Dinge stehen in dieser Szene. Erstens die Normalisierung: Ein Vierzehnjähriger spricht über eine Vorladung wie über eine Schulnote. Zweitens die Beiläufigkeit, mit der er sie erzählt – und damit ist dieser Absatz ein Beleg für das Milieu, das die Sicherheitsdebatte beschreiben wollte und selten belegen konnte.
Der einzelne Gästefan
Eine Handvoll Gästeanhänger hatte sich unter das Dach der Heimtribüne gerettet und wurde dort von einer Gruppe Kinder mit Rufen für die Gastgeber übertönt. Einer aber hielt das ganze Spiel allein auf der unüberdachten Gästetribüne aus, mit einer Fahne gegen Nazis.
Das ist das Bild, das von diesem Nachmittag bleibt. Vierte Liga, zweite Mannschaft, Schneeregen, ein Mensch mit einer Fahne auf einer offenen Tribüne – und der Bericht verwendet seine Anerkennung ohne Ironie.
Was das Stadion kostet und bietet
Rund 7 500 Plätze, bis auf die Gästeseite überdacht, eine Wurst- und eine Getränkebude, ein Fanshop in einem schuppenartigen Verschlag mit überschaubarem Angebot. Die heißen Getränke waren nach kurzer Zeit aus, und die Bratwurst war im Wind nach wenigen Minuten kalt.
Solche Angaben sind der Grund, aus dem Groundhopping-Berichte in diesem Archiv stehen: Was ein Spiel der vierten Liga für einen Besucher praktisch bedeutet, erfasst keine Statistik. Dieselbe Aufstellung findet sich für ein anderes Stadion derselben Liga in einem Bericht aus Oldenburg.
Die Begegnung am Busbahnhof
Nach dem Spiel traf der Autor einen jungen Mann, der neun Jahre zuvor aus China ausgewandert war und ebenfalls nach Bremen zurückfuhr. Er beneide Deutschland um seine Fußball- und Fankultur; etwas Vergleichbares gebe es dort nicht, und trotz des westlichen Kapitalismus in den Großstädten interessiere sich kaum jemand für Fußball. Die Bundesliga habe er sich damals schon angesehen, meist allein.
Dieses Gespräch fand 2013 statt, kurz bevor in China staatliche Programme den Fußball zur Priorität erklärten, Vereine europäische Spieler für Rekordsummen verpflichteten und die Liga anschließend in eine Krise geriet, aus der mehrere Klubs nicht zurückkehrten.
Was der Gesprächspartner beneidete, war deshalb das Richtige: nicht die Liga, sondern die Kultur darum. Sie ist der Teil, der sich mit Geld nicht herstellen lässt – dieselbe Feststellung, die in dieser Sammlung ein Jahr später an einem deutschen Beispiel geprüft wird.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenUm welches Spiel geht es?
Um den 20. Spieltag der Regionalliga Nord 2012/13: SV Wilhelmshaven gegen die zweite Mannschaft des FC St. Pauli, ein 4:1 für die Gastgeber vor rund 400 Zuschauern.
Was sagt der Polizist?
Auf die Frage, ob heute nicht viel zu tun sei, dass hier nichts los sei – und dass es bei Spielen dieses Vereins nur selten brenzlige Lagen gebe. Er habe sich gefragt, was er und seine Kollegen dort eigentlich sollten.
Wie sieht das Jadestadion aus?
Rund 7 500 Plätze, bis auf die den Gästen zugewiesene Nordgerade komplett überdacht, eine Wurst- und eine Getränkebude, ein Fanshop in einem schuppenartigen Verschlag.