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Dortmund-Blog

Wembley von der anderen Seite

Der Bericht beginnt mit einem Glückwunsch an den Sieger des Endspiels der Champions League 2012/13 – geschrieben von einem Anhänger des Verlierers, zwei Tage danach. Das ist die Reihenfolge, in der solche Texte selten entstehen.

Die Reise

Der Fanclub-Bus erreichte den Londoner Stadtteil Wembley am frühen Samstagmorgen, blauer Himmel, Sonne. Danach folgte, was in keinem Vorbericht steht: eine längere Erkundung der Umgebung auf der Suche nach etwas Essbarem und – nach der langen Fahrt – nach stillen Orten.

Wer den Bericht von der anderen Seite dieses Endspiels daneben legt (Mit dem Bus nach Wembley), findet dieselbe Struktur: vier Busse aus München, ein Bus aus Dortmund, dieselbe Fährbuchung oder Tunnelbuchung, dieselben Stunden Leerlauf vor dem Anpfiff. Zwei Fanszenen, die sich in der Liga nichts schenken, hatten an diesem Wochenende exakt dieselben Probleme.

Was ein solcher Vergleich wert ist

Er ist die beste Widerlegung der Erzählung, mit der über Rivalitäten geschrieben wird. Was diese beiden Anhängerschaften an diesem Tag unterschied, war das Ergebnis; was sie verband, waren Buskosten, Toilettensuche und eine Nachtfahrt.

Für eine Sammlung, in der ein Derby dieser beiden Vereine mit tausend Polizisten dokumentiert ist (Derby mit tausend Polizisten), ist das ein notwendiges Gegenstück.

Wortgewaltig gegen erfahren

Der Titel nennt die eigene Mannschaft wortgewaltig und den Gegner erfahren. Das ist eine Bewertung und keine Analyse – und sie beschreibt genau die Erklärung, die im Umfeld dieses Vereins nach dem Spiel verbreitet war: Man habe die bessere Geschichte gehabt und die andere Seite die größere Routine.

Solche Formeln sind der Teil der Fankultur, der am schnellsten veraltet und für die Erinnerung am wichtigsten bleibt. Ein Ergebnis steht in jeder Datenbank; wie ein Anhänger seine Niederlage zwei Tage danach erklärte, steht nur hier.

Was den Bericht über den Anlass hinaus trägt

Die Selbstverständlichkeit, mit der ein Fanclub eine Busfahrt nach London organisiert – mit Aufbruch in der Nacht, ohne Übernachtung, mit Rückfahrt unmittelbar nach dem Spiel. Ein Endspiel im Ausland ist für die meisten Anhänger keine Reise, sondern ein sehr langer Tag.

Und die Feststellung, dass an diesem Tag beide Kurven dasselbe Stadion füllten, das im deutschen Fußball keine Rolle spielt: Wembley war für beide ein Auswärtsspiel.

Zwei Auswärtsberichte über dieselbe Fahrt

Sonst wären von diesem Abend nur die Sieger dokumentiert. Ein Endspiel zwischen zwei Vereinen desselben Landes ist der einzige Fall, in dem sich zwei Auswärtsberichte über dieselbe Fahrt vergleichen lassen – und dieser Vergleich sagt mehr über die Bedingungen des Fansports als jeder einzelne Bericht.

Was der Untertitel behauptet

Er spricht davon, dass die Fußballfamilie in London feiert – und das ist die eigentliche Beobachtung dieses Wochenendes. Ein Endspiel zwischen zwei deutschen Vereinen bedeutete, dass sich beide Anhängerschaften mehrere Tage in derselben Stadt aufhielten, an denselben Plätzen, ohne Trennung durch Absperrgitter und ohne Einsatzkonzept.

Vorfälle von Rang sind nicht überliefert. Für die Sicherheitsdebatte desselben Jahres ist das ein Datenpunkt, den niemand erhoben hat: Dieselben zwei Fanszenen, die im Ligabetrieb mit tausend Beamten getrennt werden, verbrachten ein Wochenende ohne diese Trennung – und in London hatte niemand sie angeordnet.