Ein Doppelspieltag in Leverkusen
Am 29. März 2014 trafen in der Frauen-Bundesliga Bayer 04 Leverkusen und der Tabellenführer
- FFC Frankfurt aufeinander. Angesetzt war die Partie auf 13 Uhr, zweieinhalb Stunden vor dem Männerspiel derselben Stadt, mit Kombikarten und einem Familientag.
Der Beitrag dokumentiert, was daraus wurde. Er ist ein Gastbeitrag und beschreibt einen Nachmittag, an dem eine gute Idee an der Organisation gescheitert ist.
Warum der Termin bemerkenswert war
Heimspiele der Frauenabteilung fanden vor wenigen Hundert Zuschauern statt. Für dieses Spiel gab es einen Fernsehtermin, weshalb es auf den Samstagnachmittag gelegt wurde – die Zeit, die im deutschen Fußball dem Männerspielbetrieb gehört.
Die Rechnung lag auf der Hand: Der Tabellenvierte der Männer-Bundesliga spielte am selben Tag gegen das Tabellenschlusslicht. Wer beides zusammen vermarktet, erreicht Zuschauer, die sonst nicht kommen.
Wo sie nicht aufging
Am Zeitplan. Das Frauenspiel begann um 13 Uhr, das Männerspiel um 15:30 – und der Betrieb rund um das Stadion war auf den späteren Anpfiff eingerichtet.
Der Beitrag zählt auf: Journalisten und Fotografen konnten ihre Plätze nicht rechtzeitig einnehmen; ohne Ausweis war in Stadionnähe kein Parken möglich; die Kassenhäuschen waren geschlossen; und der Ordnungsdienst hielt sich an die Vorgabe, die Tore um 13:30 Uhr zu öffnen. Um 12:45 Uhr fiel einem der Organisatoren auf, dass niemand im Stadion war, worauf die Zuschauer zugelassen wurden.
Das ist kein böser Wille, sondern eine Ablaufplanung, die für den einen Anpfiff geschrieben war und für den anderen nicht angepasst wurde. Genau dieser Fehler ist der Befund: Ein Doppelspieltag verlangt zwei Zeitpläne, und geschrieben wurde einer.
Der Gästeblock
Die Frankfurter Anhänger wurden nicht auf die Haupttribüne gelassen, sondern in einen Bereich hinter dem Tor, der bei Frauenspielen nach der Darstellung des Beitrags nie benutzt worden war. Sie hatten von dort weder eine gute Sicht noch die Möglichkeit, nach dem Spiel Kontakt zu den Spielerinnen zu bekommen.
Der Grund, der genannt wurde, war die Sicherheit. Der Beitrag hält dem die Größenordnung entgegen – ein Spiel mit 892 Zuschauern – und formuliert, was die Betroffenen empfanden: Zuschauer zweiter Wahl zu sein.
Damit ist dieselbe Frage gestellt, die in dieser Sammlung für den Männerbetrieb immer wieder vorkommt, etwa bei den Zelten am Gästeeingang und bei der Trennung der Anhängerschaften: ob eine Maßnahme aus dem Anlass folgt oder aus dem Verfahren.
Der Teil, der am schwersten wiegt
Er steht in einem Nachtrag. Der Gästebus konnte nicht auf dem vereinbarten Platz parken, was vorher nicht mitgeteilt worden war, sodass der gesamte Tross um das Stadion gehen musste – darunter eine Rollstuhlfahrerin und Menschen, die schlecht zu Fuß sind. An der Kasse war die vereinbarte Zahl vergünstigter Karten mit Zugang zu allen Sitzplätzen nicht bekannt, sodass regulär gekauft werden musste. Der Verkauf begann fünf Minuten vor Anpfiff.
Hinter dem Tor verfolgte die Rollstuhlfahrerin das Spiel mit Blick auf die Rücken der anderen Zuschauer. Hinweise darauf beim Ordnungsdienst blieben ohne Folgen.
Das ist keine Frage der Vermarktung mehr, sondern eine der Barrierefreiheit, und sie ist der Grund, aus dem dieser Beitrag über den Spieltag hinaus Bestand hat. Eine Zusage über Sitzplatzkarten, die an der Kasse nicht vorliegt, ist für einen Rollstuhlfahrer keine Unannehmlichkeit, sondern der Unterschied zwischen Besuch und kein Besuch.
Was der Beitrag daraus schließt
Dass sich der Verein ein Eigentor geschossen habe und künftig noch weniger Zuschauer zu den Heimspielen der Frauen kommen werden. Und dass die Kombination aus Männer- und Frauenspiel gute Werbung für den Fußball hätte sein können.
Beides bleibt eine Einschätzung. Belegt ist der Ablauf, belegt ist die Zuschauerzahl, und belegt ist der Satz, den die Gästefans im Stadion riefen – ohne Frankfurt sei hier gar nichts los. Der Autor des Gastbeitrags hält ausdrücklich fest, kein Anhänger dieses Vereins zu sein.
Der Frauenfußball hatte eine eigene Rubrik
Im Magazin kam er nicht als Anhang vor. Diese Sammlung dokumentiert an anderer Stelle, wie Fankultur im Frauenfußball entsteht – und dieser Nachmittag zeigt die andere Hälfte davon: dass eine Fanszene, die anreist, auf einen Betrieb trifft, der auf sie nicht eingerichtet ist.
Die Frauen-Bundesliga hat seither Zuschauerrekorde erlebt, mit fünfstelligen Kulissen in Frankfurt, München und Köln. Der organisatorische Punkt dieses Beitrags ist damit nicht erledigt, sondern größer geworden.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenWas war geplant?
Ein Doppelspieltag mit Kombikarten und Familientag: das Frauen-Bundesligaspiel gegen den Tabellenführer um 13 Uhr, das Männerspiel um 15:30 Uhr, mit einer Liveübertragung des Frauenspiels als Anlass für den Samstagstermin.
Was ging schief?
Die Tore des Stadions öffneten erst um 13:30 Uhr, also nach dem Anpfiff; die Kassen blieben zunächst geschlossen; der vereinbarte Gästeparkplatz war nicht nutzbar; die vereinbarten vergünstigten Karten waren an der Kasse nicht bekannt; und die Gästefans wurden in einen Bereich hinter dem Tor geleitet.
Wie viele Zuschauer kamen?
892 – bei einem Spitzenspiel der Frauen-Bundesliga, für das der Termin eigens verschoben worden war.