Zwei Plattformen und ein Prozess
Der Beitrag ist eine Bestandsaufnahme aus dem September 2013, geschrieben in der Jubiläumssaison des Hamburger SV. Er ist weitschweifig und wechselt zwischen Musik, Filmen, Amateurfußball und Vereinspolitik. Zwei Vorgänge darin sind sonst kaum dokumentiert.
Der verlorene Prozess
Der Verein hatte gegen eine Ticketzweitmarktplattform prozessiert und verloren. Der Grund, den der Beitrag nennt, ist der Vorgang: Zur gleichen Zeit arbeitete der Verein mit einer anderen Plattform derselben Branche zusammen.
Damit war die eigene Position im Verfahren entwertet. Ein Verein, der den Weiterverkauf über eine Plattform gerichtlich untersagen lassen will und über eine zweite selbst daran teilnimmt, führt keinen Grundsatzprozess mehr, sondern einen Wettbewerbsstreit.
Dieser Zusammenhang ist die schärfste Fassung der Kritik, die in dieser Sammlung als eigenes Thema aufgearbeitet ist. Dort steht sie als Konflikt zwischen Verein und Fanszene; hier steht sie als Prozessverlust, also mit einer Folge, die niemand bestreiten kann.
Der Beitrag zieht daraus zwei weitere Punkte: einen Aufschlag auf den eigenen Dauerkartenpreis und die Feststellung, dass der Kartenhandel danach quasi legalisiert weiterlaufe.
Der Streit mit dem Sportbund
Der zweite Vorgang betrifft eine Förderpauschale für Jugendliche. Der Verein hatte sie nach Darstellung des Beitrags für rund 16 000 Jugendliche geltend gemacht – bei etwa 5 000 aktiven Sportlern im Gesamtverein und rund 1 200 aktiven jugendlichen Sportlern.
Die Differenz erklärt sich daraus, dass die Zahl aus der Mitgliederkartei der Fanabteilung stammt und nicht aus dem Sportbetrieb. Der Beitrag rechnet den Effekt mit etwa 120 000 Euro und hält fest, dass ein solches Vorgehen bei den Amateurvereinen der Stadt für Groll sorge – weil das Geld aus demselben Topf kommt.
Ob die Darstellung in allen Zahlen zutrifft, ist von außen nicht zu prüfen. Der Mechanismus ist aber nachvollziehbar und ein bemerkenswertes Nebenprodukt der Größe einer Fanabteilung: Eine Mitgliederorganisation mit fünfstelliger Jugendzahl erzeugt Ansprüche, die mit Sport nichts zu tun haben.
Die Position des Autors
Er ist für eine Strukturreform bis hin zu einer Ausgliederung, die von den Mitgliedern begleitet und kontrolliert wird, und formuliert das mit einer englischen Parole über eigene Regeln für den eigenen Verein. Ausdrücklich gegen eine Lösung über einen einzelnen Investor, dem er unterstellt, seine Absichten würden falsch eingeschätzt.
Ein Jahr später wurde die Lizenzspielabteilung ausgegliedert, und derselbe Autor hat den Streit über die Folgen in dieser Sammlung als Frage nach der Fanabteilung festgehalten. Die beiden Texte nebeneinander zeigen, dass seine Position sich nicht geändert hat – nur die Lage.
Der Vorwurf an die eigene Seite
Er richtet sich gegen die Blogszene der Vereinsopposition: Bei kleinster Kritik werde man auf eine schwarze Liste gesetzt, und einzelne Betreiber duldeten keine abweichende Meinung. Gleichzeitig werfe man den Vereinsmedien Zensur vor, weil nicht eingegangene Leserbriefe nicht veröffentlicht würden.
Diese Doppelbeobachtung ist der wertvollste Satz des Textes und in dieser Sammlung selten: Meinungsfreiheit wird an mehreren Standorten gegen Vereine eingefordert, und dass sie innerhalb der Fanszene ebenso strittig ist, schreibt kaum jemand hin.
Namen sind hier nicht wiedergegeben – der Beitrag nennt einen Blogger und einen Aktivisten ausdrücklich, und die Vorwürfe gegen sie sind von außen nicht prüfbar.
Was er über Amateurfußball sagt
Der Autor beschreibt seine Auswärtsfahrten mit einem Hamburger Oberligisten als Gegengewicht: ein Freitagabendspiel in einem Elbvorort, ein Sonntagsspiel auf einem Sportplatz in der Innenstadt, Bengalos in der Halbzeit, Bratwurst, Fehler in der Abwehr.
Das ist derselbe Rückzugsweg, den mehrere Beiträge dieser Sammlung beschreiben: Wer die Vereinspolitik seines Profiklubs nicht mehr erträgt, fährt in die Oberliga. Dass der Autor beides weiter macht – fast dreißig Jahre Dauerkarte und daneben der Amateurverein –, ist die häufigere Lösung als der Ausstieg.
Passagen mit Krankheits- und Todesvergleichen sowie mit derben Bezeichnungen sind hier nicht wiedergegeben.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenWas ist der dokumentierte Vorgang?
Der Verein hatte gegen eine Ticketzweitmarktplattform prozessiert und verloren – nach Darstellung des Beitrags, weil er zeitgleich mit einer anderen Plattform derselben Branche zusammenarbeitete.
Was war der Streit mit dem Sportbund?
Der Verein hatte eine Förderpauschale für rund 16 000 Jugendliche geltend gemacht, während bei etwa 5 000 aktiven Sportlern nur rund 1 200 aktive jugendliche Sportler zusammenkamen. Der Beitrag rechnet die Differenz mit etwa 120 000 Euro zulasten der Amateurvereine.
Welche Position vertritt der Autor?
Eine strukturelle Reform bis hin zu einer von den Mitgliedern begleiteten und kontrollierten Ausgliederung – und ausdrücklich keine Lösung über einen einzelnen Investor.