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Hondos Welt

Eine Mitgliederversammlung in Hamburg

Der Text ist ausdrücklich als persönliche Reflexion über die ordentliche Mitgliederversammlung des Hamburger Sport-Vereins angelegt und beginnt mit einem Geständnis: Der Verfasser ist kein begeisterter Vereinsmeier, und der Gedanke an das Gremiengeschehen frustriert ihn.

Diesmal kam es angeblich darauf an

Suggeriert wurde, dass es diesmal darauf ankommt. Das ist die Bedingung, unter der Mitgliederversammlungen deutscher Großvereine ihre Beteiligung bekommen: Sie füllen sich, wenn eine Richtungsentscheidung erwartet wird, und bleiben ansonsten das Feld der immer gleichen Wortmeldungen.

Der Verfasser nennt das mit einer Formulierung, die in Fanmedien dieser Jahre häufig fällt – das Gewese der alten weißen Männer. Das ist überspitzt und beschreibt eine reale Zusammensetzung: Wer an einem Wochentagabend fünf Stunden in einer Halle sitzt, ist im Durchschnitt älter und männlicher als das Publikum im Stadion.

Formal zuständig, praktisch abhängig

Ein doppeltes Problem, das keine Satzung löst. Formal entscheidet die Mitgliederversammlung über alles Wesentliche; praktisch entscheidet, wer Zeit hat, hinzugehen. Damit liegt die Kontrolle über einen Verein mit zehntausenden Mitgliedern bei einigen tausend Anwesenden – und über deren Zusammensetzung entscheidet der Termin.

Genau daran hängen die Konflikte, die in dieser Sammlung mehrfach dokumentiert sind: eine Aufsichtsratswahl ohne Alternativen, eine unterbundene außerordentliche Versammlung, und eine Versammlung, die fast sieben Stunden dauert, weil vorher nichts beantwortet wurde.

Ein halbes Jahr vor dem Ausgliederungsbeschluss

Januar 2014 – ein halbes Jahr vor dem Beschluss, die Profiabteilung in eine Aktiengesellschaft auszugliedern. Der Bericht steht damit vor der Entscheidung, die die Hamburger Fanszene anschließend spaltete und in dieser Sammlung mit dem Rückzug einer Gruppe dokumentiert ist.

Wer beide Texte nebeneinander liest, findet die Vorgeschichte dessen, was im Sommer als Bruch erschien: Die Kritik richtete sich nicht erst auf die Ausgliederung, sondern auf die Art, wie in diesem Verein verhandelt wurde.

Warum der Ton zum Dokument gehört

Er ist ironisch, weitschweifig und ausdrücklich subjektiv – und damit das Gegenteil eines Protokolls. Genau deshalb ist er brauchbar: Ein Protokoll hält Beschlüsse fest, dieser Text hält fest, wie es sich anfühlte, dabei zu sitzen.

Für die Rekonstruktion von Vereinsdemokratie ist beides nötig. Die Beschlüsse stehen in den Unterlagen des Vereins; dass ein Mitglied fünf Stunden aushält, obwohl es das Format ablehnt, steht nur hier.

Was der Titel sagt

Nicht kurz und nicht schmerzlos. Das ist die zutreffende Beschreibung fast jeder Mitgliederversammlung, über die in dieser Sammlung berichtet wird – und der Grund, aus dem die Berichte darüber aus den Fanmedien kommen und nicht aus dem Sportteil.

Bemerkenswert ist zuletzt, wie der Text seine eigene Beteiligung einordnet: als etwas, das man sich abverlangt, nicht als Interesse. Für die Frage, warum Vereinsdemokratie in Mitgliedervereinen so schwer funktioniert, ist das die ehrlichste Antwort in dieser Sammlung – sie kostet einen Abend, sie ist zäh, und sie findet trotzdem statt.