FankulturDokumentation · Deutschland
Jocheng

Gespräche bei der Liga

Der Beitrag beginnt mit der Frage, die jedem solchen Termin vorausgeht: Ist es wichtig, sich mit Politikern und Funktionären an einen Tisch zu setzen und über Fanbelange, Sicherheit und 50+1 zu sprechen? Viele antworten, das sei unnötig und bringe ohnehin nichts.

Was tatsächlich stattfand

In derselben Woche saß der Verfasser mit Kollegen der bundesweiten Faninitiative „Unsere Kurve“ bei der DFL in Frankfurt – mit dem Geschäftsführer des Ligaverbandes und dem Direktor Recht. Verhandelt wurden 50+1 und Financial Fairplay.

Das ist die Ebene, auf der über diese Fragen entschieden wird, und der Zugang dazu ist die knappste Ressource der Fanvertretung. Eine Initiative ohne Rechtsform gegenüber einem Verband hat keinen Anspruch auf ein Gespräch – sie bekommt es oder nicht.

Der zweite Teil

Parallel wurde nach mehreren Anläufen ein Termin gefunden: der erste Fandialog in Rheinland-Pfalz, am 8. April 2014 um 19 Uhr. Dass es dafür zahlreiche Versuche brauchte, ist Teil der Nachricht.

In dieser Sammlung steht daneben das nordrhein-westfälische Gegenstück, in dem zur selben Zeit bereits das sechste Fanhearing stattfand – und in dem der Verfasser feststellte, dass es dieses Format in seinem eigenen Bundesland nicht gibt. Wenige Monate später gab es es.

Ein Gespräch erzeugt keine Verbindlichkeit

Die Zweifel haben einen sachlichen Kern. Ein Verband kann zuhören, protokollieren und danach entscheiden wie geplant; und eine Initiative, die eingeladen wird, ist damit noch nicht beteiligt.

Der Beitrag nimmt diesen Einwand ernst und stellt ihn an den Anfang, statt ihn zu übergehen. Das ist die redliche Reihenfolge: Wer über Dialog schreibt, muss zuerst begründen, warum er mehr ist als eine Beschäftigungsmaßnahme.

Die Begründung, die trägt

Sie liegt in den Themen. 50+1 und Financial Fairplay sind keine Stadionfragen, sondern Strukturfragen – über sie wird nicht am Spieltag entschieden, sondern in Ligaversammlungen und Verbandsgremien. Wer dort nicht vorkommt, kommt gar nicht vor.

Genau das unterscheidet diese Termine von den Formaten, die in dieser Sammlung sonst dokumentiert sind. Ein Stimmungsgipfel im Verein verhandelt die Atmosphäre in einem Stadion; ein Gespräch bei der Liga verhandelt die Eigentumsordnung des deutschen Profifußballs.

50+1 gilt weiter, mehrfach angegriffen und bestätigt

50+1 gilt weiter, ist mehrfach angegriffen und mehrfach bestätigt worden – zuletzt in einem kartellrechtlichen Verfahren, in dem die Regel im Grundsatz Bestand hatte. Die Faninitiative, die 2014 in Frankfurt saß, gehört seither zu den festen Gesprächspartnern von Verband und Liga.

Ob die Gespräche das bewirkt haben, ist nicht zu belegen. Belegt ist, dass die Frage aus dem ersten Satz des Beitrags heute anders beantwortet wird als damals.

Der Aufwand, den das kostet

Er kommt im Beitrag am Rand vor und gehört zum Bild: Termine bei der Liga in Frankfurt, Abstimmung mit Kollegen aus mehreren Bundesländern, wochenlange Suche nach einem Datum für eine Veranstaltung im eigenen Land – alles ehrenamtlich, neben Beruf und Spieltagen.

Das ist die stille Voraussetzung jeder Fanvertretung in Deutschland. Auf der einen Seite sitzen hauptamtliche Geschäftsführer und Juristen, auf der anderen Menschen, die sich dafür Urlaub nehmen. Wer die Wirksamkeit solcher Gespräche beurteilen will, muss dieses Verhältnis mitrechnen.