Der Kartenpreisausschuss und die fehlende Folie
Am 17. Januar 2013 tagte der Schalker Kartenpreisausschuss zum zweiten Mal. Zwischen dem ersten und dem zweiten Termin lagen Monate ohne Rückmeldung – und die Bekanntgabe des Vertrags mit einer Zweitmarktplattform, die am ersten Tag der Winterpause erfolgt war.
Wie die Sitzung vorbereitet wurde
Statt des versprochenen Protokolls mit den erbetenen Informationen kam die nackte Tagesordnung, und zwar weniger als 24 Stunden vor dem Termin. Mehrere Teilnehmer blieben deshalb weg, mit der Begründung, von einem Dialog auf Augenhöhe könne so keine Rede sein.
Rund 50 Personen kamen dennoch in den Glückauf-Club: Vertreter des Supporters Clubs und des Fanclubverbandes, Bezirksleiter, ein Aufsichtsratsmitglied. Die Vereinsseite trat in ungewöhnlicher Stärke an – der Direktor Kommunikation stellte den Fanbeauftragten, den Marketingvorstand, den Finanz- und Organisationsvorstand, die Direktorin Finanzen, die Leiterin des Kundenservice, den Sicherheitschef und Geschäftsführer der Arena-Management-Gesellschaft sowie einen Projektleiter vor.
Das Preismodell, und was es nicht beantwortete
Die Präsentation erläuterte das Schalker Ticketpreismodell: Kern war eine durchschnittliche Rabattierung der Dauerkarten auf den vierzehnfachen Tageskartenpreis, und die Preisanpassungen wurden als gerecht, nachhaltig und nachvollziehbar dargestellt.
Die Frage, die die Anwesenden interessierte, war eine andere: ob die absolute Höhe der Tages- und damit auch der Dauerkartenpreise angemessen ist. Darauf gab es einen Satz – man liege auf einem Level mit den anderen etablierten Spitzenmannschaften der Bundesliga. Ein Vergleich mit anderen Klubs beantwortet die Frage nach der eigenen Angemessenheit nicht; er verschiebt sie nur auf den Durchschnitt.
Die Zahl, die im Handout fehlte
Erbeten war in der ersten Sitzung eine Aufstellung der Mehreinnahmen, die mit den Erhöhungen eingeplant sind. Im ausgeteilten Handout fehlte genau diese Folie. Mündlich genannt wurden 1,151 Millionen Euro für die laufende Saison und 1,649 Millionen für 2013/14.
Ein Teilnehmer machte auf eine Begriffsverschiebung aufmerksam, die daran hängt: Verzichtet ein Verein teilweise auf geplante Erhöhungen, sind das keine bedrohlichen „Erlösausfälle“, sondern der Wegfall einkalkulierter Mehreinnahmen. Der Unterschied ist kein sprachlicher – er entscheidet, ob eine Preiserhöhung als Notwendigkeit oder als Entscheidung diskutiert wird.
Der Vertrag, erstmals im Detail
Der Marketingvorstand erklärte die Beweggründe: ein wirtschaftlich sehr interessantes Sponsoringangebot, und die Erkenntnis, dass der Schwarzmarkt nicht mehr effektiv zu kontrollieren sei – weshalb man es vorziehe, einen Zweitmarktanbieter mit klaren Regeln zu offizialisieren.
Die genannten Bedingungen sind der genaueste öffentliche Aufschluss über diesen Vertrag: 300 Tickets für jeweils zehn Spiele ohne erwartete Vollauslastung, vornehmlich aus den Preisklassen 1 und 2; Topspiele und Stehplätze ausgeschlossen; dazu die Übernahme der kompletten Ticketbörse des Vereins, mit der Vorgabe, dass Karteninhaber dort höchstens 100 Prozent aufschlagen dürfen.
Damit ist auch benannt, was die Gegenseite daran am meisten störte: Eine Obergrenze von hundert Prozent ist keine Begrenzung des Handels, sondern seine Erlaubnis. Und eine Ticketbörse in fremder Hand ist kein Kanal neben dem Verein, sondern der Kanal des Vereins.
Was ein Dialog auf Augenhöhe verlangt hätte
Der Begriff, auf den sich beide Seiten beriefen, stammte aus dem Leitbild des Vereins, und er lässt sich für ein Gesprächsformat in wenige Bedingungen übersetzen: eine Tagesordnung mit ausreichender Vorlaufzeit, ein Protokoll der vorigen Sitzung, die Beantwortung der dort gestellten Fragen, und Unterlagen, die die abgefragten Zahlen enthalten. An diesem Termin war keine dieser vier Bedingungen erfüllt.
Sichtbar war stattdessen der Aufwand an Personal und Gastfreundschaft – anders als beim ersten Treffen gab es Getränke, und die Vereinsseite war mit acht Verantwortlichen angetreten. Wer Beteiligung nicht über Unterlagen, sondern über Präsenz herstellt, verschiebt ein Gesprächsformat in Richtung Veranstaltung.
Der Einwand, der unbeantwortet blieb
Der erste Redner der Debatte formulierte den rechtlichen Kern: Der Vertrag verstößt gegen die eigenen Verkaufsbedingungen des Vereins, die einen erhöhten Ticketpreis nicht erlauben. Dazu kam der Hinweis, der Finanzvorstand habe in der ersten Sitzung gesagt, keine Karte solle mehr als 51 Euro kosten – und die Feststellung, dass das versprochene Protokoll ebenso ausgeblieben war.
Der nächste Redner stellte die Frage, die solche Formate entscheidet: wer gewährleiste, dass nach dieser Sitzung etwas geschieht. Die Antwort war Schweigen – und sie erklärt, warum vier Wochen später kein Ausschuss mehr tagte, sondern eine Gruppierung den Fanclubverband verließ (wie es weiterging). Ein Gesprächsformat ohne Verbindlichkeit erzeugt keine Beteiligung, sondern verbraucht sie.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenWas war der Kartenpreisausschuss?
Ein Gesprächsformat zwischen dem FC Schalke 04 und Vertretern seiner Fanorganisationen über die Ticketpreise. Das zweite Treffen fand am 17. Januar 2013 im Glückauf-Club statt, nach monatelanger Pause und nach der Bekanntgabe des Zweitmarktvertrags.
Wie hoch waren die geplanten Mehreinnahmen?
Nach dem mündlichen Vortrag 1,151 Millionen Euro in der laufenden Saison und 1,649 Millionen in der Saison 2013/14. Im ausgeteilten Handout fehlte genau diese Aufstellung, obwohl sie in der ersten Sitzung erbeten worden war.
Was besagte der Zweitmarktvertrag im Detail?
Nach der Darstellung des Marketingvorstands: 300 Tickets für jeweils zehn Spiele ohne erwartete Vollauslastung, vornehmlich aus den teureren Preisklassen 1 und 2; Topspiele und Stehplätze ausgeschlossen; dazu die Übernahme der kompletten Ticketbörse des Vereins mit der Vorgabe, dass Karteninhaber dort höchstens 100 Prozent aufschlagen dürfen.
Was war der zentrale rechtliche Einwand?
Dass der Vertrag gegen die eigenen Verkaufsbedingungen des Vereins verstößt, die einen erhöhten Ticketpreis nicht erlauben. Hinzu kam der Hinweis, der Finanzvorstand habe in der ersten Sitzung gesagt, keine Karte solle mehr als 51 Euro kosten.