FankulturDokumentation · Deutschland
Matzes Viererkette

Ein Fanblog gegen Pyrotechnik

Im August 2012, wenige Wochen vor der Sicherheitskonferenz, erschien in dieser Sammlung ein Beitrag, der in der Pyrotechnikdebatte die seltenere Position vertritt: Ein Fanblogger schreibt, dass das Abbrennen in der geübten Form gefährlich ist und bestraft gehört.

Das ist der Grund, aus dem dieser Text erhalten bleibt. Die Debatte ist über Jahre mit zwei Lagern geführt worden, und dieser Beitrag gehört zu keinem von beiden ganz.

Was er zur Sache feststellt

Dass das Abbrennen nach deutschem Recht eine Straftat ist und dass die Vereine es über ihre Stadionordnungen untersagen, die mit dem Kartenkauf anerkannt wird. Dass es gefährlich ist – und dass die Grundlagen, mit denen Befürworter argumentieren, keine seien, auf die sich eine Debatte stützen lasse.

Damit widerspricht er der Kampagne, die in denselben Jahren eine geregelte Zulassung forderte und in dieser Sammlung mehrfach vorkommt – zuletzt als Banner in einem Gästeblock, unter dem gezündet wurde, ohne dass die Bedingungen der eigenen Kampagne eingehalten waren.

Was er den Medien vorwirft

Reißerische Überschriften und eine Berichterstattung, die er populistisch nennt. Sein Beispiel ist eine Schlagzeile über Chaoten, die ein ganzes Stadion auseinanderreißen.

Die Mechanik, die er beschreibt, ist eine Kette: Die Überschrift erzeugt Empörung, die Empörung erreicht die Politik, die Politik reagiert mit Maßnahmen – und die Maßnahmen treffen nicht die fünf bis zehn Personen, die gezündet haben, sondern alle.

Dieselbe Kette ist in dieser Sammlung zweimal als Satire nachgebaut worden, einmal für die Boulevardsprache und einmal für die Übertragung der Maßnahmen auf andere Lebensbereiche. Hier steht sie nüchtern.

Der Begriff, den er prägt

Couch-Fans – Menschen, die die Hysterie aufnehmen und weitertragen, ohne im Stadion zu sein. Er vergleicht sie mit Schafen, was als Argument nichts leistet und als Beobachtung einen Punkt trifft: Die Meinungsbildung über Vorfälle im Stadion findet überwiegend bei Menschen statt, die keine haben.

Der Kern seines Einwands

Dass die Beteiligten es nicht schaffen, gegen fünf bis zehn Menschen etwas zu unternehmen, und deshalb alle über einen Kamm scheren. Er richtet das gleichermaßen an Vereine, Polizei, Ordnungsdienste, Medien und Politik.

Das ist derselbe Vorwurf, den die Stellungnahmen dieser Sammlung erheben, und er wirkt aus dieser Feder stärker: Wer die Handlung selbst für strafwürdig hält, kann die Kollektivhaftung nicht mit Sympathie für die Täter erklärt bekommen.

Der Schlussappell

Er richtet sich an drei Seiten zugleich: Pyrotechnik zu Hause lassen, keine hysterischen Artikel schreiben, keine Entscheidungen gegen die Anhänger treffen.

Erfüllt wurde davon nichts. Vier Monate später beschloss die Mitgliederversammlung des Ligaverbandes das Antragspaket, in dem Erleichterungen bei der Strafzumessung für Vereine standen, die sich an der Tätersuche beteiligen; die Verbandsstrafen für das Zünden von Pyrotechnik bestehen unverändert; und eine geregelte Zulassung ist in Deutschland nie eingeführt worden.

Eine Position, die wenige übernahmen

Sie ist in beide Richtungen unbequem. Wer als Anhänger schreibt, dass Pyrotechnik bestraft gehört, verliert einen Teil der eigenen Leserschaft; wer gleichzeitig die Berichterstattung angreift, findet außerhalb der Fanszene kein Publikum.

Der Beitrag steht damit an der Stelle, an der die Debatte hätte geführt werden können und nicht geführt wurde: zwischen der Feststellung, dass die Handlung gefährlich ist, und der Feststellung, dass die Antwort darauf unverhältnismäßig war.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Welche Position vertritt der Beitrag?

Eine doppelte: Pyrotechnik sei in der geübten Form gefährlich und gehöre bestraft – und die Berichterstattung darüber sei populistisch und schade allen Anhängern.

Was ist die Rechtslage?

Das Abbrennen ist nach dem Sprengstoffrecht strafbar, und die Stadionordnungen der Vereine untersagen es ausdrücklich; mit dem Kartenkauf wird die Ordnung anerkannt. Der Beitrag stellt das gleich am Anfang fest.

Was ist sein Schlussappell?

An alle drei Seiten zugleich: Pyrotechnik zu Hause lassen, keine hysterischen Artikel schreiben, keine Entscheidungen gegen die Anhänger treffen.