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Osterdeich-Schnack

Das Sicherheitskonzept außerhalb des Fußballs

Der Beitrag erschien im Januar 2013, vier Wochen nach der Abstimmung über das Antragspaket „Sicheres Stadionerlebnis“, und ist als satirischer Jahresausblick angelegt: zwölf Monate, zwölf erfundene Meldungen.

Sein Wert liegt nicht in den Fußballmeldungen, sondern in dem Absatz, der jeden Monat wiederkehrt.

Der wiederkehrende Absatz

Er beginnt jedes Mal gleich: Das Sicherheitskonzept der Liga mache nun auch außerhalb des Fußballs Schule. Danach folgt ein Bereich des öffentlichen Lebens, auf den die Maßnahmen unverändert angewendet werden.

Am Flughafen darf man sich nur noch sitzend aufhalten, im Flugzeug sind alle unbekleidet, es gibt weniger Tickets und sie kosten das Fünffache. Im Krankenhaus behandeln Ärzte und Pflegende nur noch sitzend, und die Zahl der Krankenscheine ist begrenzt. Im Plenarsaal des Bundestages darf nur gesessen werden. Im Nahverkehr fahren nur so viele Menschen mit, wie Sitzplätze vorhanden sind, und eine Einzelfahrt kostet 25 Euro. In der Schule bleibt man nur noch sitzen, wenn man einen der begrenzten Plätze bekommt.

Verändert wird nichts

Die drei Elemente sind genau die, die im Herbst 2012 zur Debatte standen: die Umwandlung von Stehplätzen in Sitzplätze, Kontrollen der Person beim Einlass, und ein verkleinertes, teureres Kartenkontingent für Gäste. Sie stehen in dieser Sammlung als zehn Eckpfeiler der Sicherheitskonferenz dokumentiert.

Übertragen auf einen Flughafen oder ein Parlament wird sofort sichtbar, was an ihnen strittig war – ohne dass der Text ein einziges Argument vortragen müsste. Das ist dieselbe Methode, mit der zwei Jahre später die Boulevardsprache auf Weihnachtsmarktbesucher übertragen wurde: Die Variable wird getauscht, alles andere bleibt stehen, und die Bewertung kippt.

Was der Text damit über die Debatte sagt

Dass sie über Verhältnismäßigkeit geführt wurde und nicht über Sicherheit. Niemand bestritt, dass Sitzplätze übersichtlicher sind als Stehplätze oder dass Kontrollen Gegenstände finden. Bestritten wurde, dass der Eingriff in einem Verhältnis zum Anlass steht – und genau das ist die Frage, die eine Übertragung auf einen anderen Lebensbereich entscheidet, weil dort niemand Gewöhnung mitbringt.

Für die Fanszenen war das der Kern ihrer Kritik, und er ist in dieser Sammlung in den ernsthaften Fassungen nachzulesen: in der gemeinsamen Erklärung von Union Berlin und im Brief aus Mannheim, der ausdrücklich das geltende Recht als Maßstab für den Umgang im Stadion einfordert.

Die zweite Ebene: die Fußballmeldungen

Sie sind der schwächere Teil und arbeiten mit Namen. Ein Manager wechselt und bereut es, ein Verein wird überraschend Meister, ein Aufsteiger verwechselt beim Faxen zwei Trainer, ein Stadion trägt einen Namen aus acht Sponsoren und fasst nur noch 1 500 Zuschauer, weil alles andere Logen sind.

Die Sponsorenpointe ist die einzige, die über den Tag hinausreicht – sie trifft die Debatte über Stadionnamen und die zentrale Vermarktung, die in dieser Sammlung mehrfach vorkommt. Die übrigen Meldungen sind Personalwitze über namentlich genannte Funktionäre, Trainer und Fernsehleute und werden hier nicht wiedergegeben.

Wie er endet

Mit einer Eskalation im Dezember: Die Menschen haben das Konzept satt, die Zentrale der Liga wird zerstört, und die Wörter „begrenzt“, „limitiert“ und „Kontingent“ werden aus den Wörterbüchern gestrichen. Am Ende ist der Planet unbewohnbar, und der letzte Überlebende stellt fest, dass sich beim Lesen des Maya-Kalenders jemand um ein Jahr verrechnet hatte.

Das ist der Anschluss an den Weltuntergangstermin vom 21. Dezember 2012, der in dieser Sammlung schon einmal als Pointe benutzt wurde – der 12. Dezember 2012 war der Tag der Abstimmung, und der Weltuntergang blieb aus.

Einige Passagen des Schlussteils arbeiten mit Gewalt- und Sexualwitzen sowie mit Anspielungen auf Terroranschläge und Gefangenenlager. Sie sind hier nicht wiedergegeben; sie tragen zum Verfahren des Textes nichts bei und sind der Grund, aus dem er nicht ganz alt geworden ist.

Was von dem Ausblick eingetreten ist

Nichts von den Meldungen, und einiges vom Muster. Die Stehplätze sind nicht abgeschafft worden, das Gästekontingent nicht generell halbiert. Kontrollen beim Einlass sind Praxis geworden, die Kartenpreise sind gestiegen, und personalisierte Tickets sind an vielen Standorten für Risikospiele Regel – 2020 und 2021 dann für alle Spiele, aus einem anderen Grund und mit einer Begründung, die nicht bestritten wurde.

Der Vergleich, den dieser Text als Satire baute, ist damit an einer Stelle Wirklichkeit geworden: Eine Maßnahme, die 2012 als unzumutbar galt, war acht Jahre später selbstverständlich, weil sich der Anlass geändert hatte.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Was ist das Verfahren des Textes?

Er nimmt drei Maßnahmen aus dem Antragspaket der Liga – nur Sitzplätze, Kontrollen der Person, ein verkleinertes und teureres Kartenkontingent – und wendet sie Monat für Monat auf einen Bereich außerhalb des Fußballs an.

Warum funktioniert der Vergleich?

Weil die Maßnahmen unverändert übertragen werden. Was im Stadion als Sicherheitsgewinn galt, wird an einem Flughafen, in einem Krankenhaus oder in einem Parlament sofort als unverhältnismäßig erkennbar – ohne dass ein Argument nötig wäre.

Welche Maßnahmen standen 2012 wirklich zur Debatte?

Unter anderem die Umwandlung von Steh- in Sitzplätze, verschärfte Einlasskontrollen und eine Halbierung des Gästekontingents – nachzulesen in den zehn Punkten der Sicherheitskonferenz vom September 2012.