FankulturDokumentation · Deutschland
Matzes Viererkette

Wenn Viagogo anklopft

Im Frühjahr 2013 war die Ticket-Weiterverkaufsplattform in mehreren Fanszenen das Thema: In Gelsenkirchen kämpfte der Verein mit den Folgen seines Vertrags, in Stuttgart gingen die Fanvertreter dagegen vor, und in Hamburg war die Auseinandersetzung aus Fansicht bereits verloren. Der Beitrag fragt, was passieren würde, wenn dieselbe Plattform beim eigenen Verein anklopft.

Sie hatte schon angeklopft

Der Verfasser veröffentlicht die Anfrage, die ihn erreichte – abgeschickt aus dem Londoner Büro der Plattform, in einem Deutsch ohne Umlaute, was er als Hinweis auf eine Massenmail liest.

Der Inhalt ist der Grund, aus dem dieses Dokument aufbewahrt gehört. Die Plattform stellt sich als größte Ticketbörse Europas vor, nennt eine Partnerschaft mit der Hälfte der Premier League einschließlich zweier namentlich genannter Londoner und Manchester Klubs, und führt sieben Bundesligavereine als offizielle Partner auf: München, Augsburg, Kaiserslautern, Hannover, Nürnberg, Wolfsburg – und neu den Hamburger SV.

Die Liste kommt aus der Quelle selbst

Sie stammt vom Anbieter, nicht von den Vereinen. Über Verträge zwischen Vereinen und Zweitmarktanbietern gibt es Bestätigungen, Dementis und Auslegungsfragen; hier zählt das Unternehmen seine eigenen Partner auf, um Geschäft zu machen.

Damit ist der Stand vom März 2013 dokumentiert: sieben Klubs, und die Auseinandersetzungen in Gelsenkirchen, Stuttgart und Hamburg liefen parallel. Wie sie ausgingen, steht in dieser Sammlung in der Übersicht zum Ticket-Zweitmarkt.

Die Frage, die der Beitrag stellt

Was Vereine daran gut finden – und die Antwort sei das Geld. Er begründet das mit einem Vergleich, der sich nicht widerlegen lässt: Der Handel über Auktionsplattformen wird von allen Vereinen bekämpft; würde dort für jedes verkaufte Ticket eine Gebühr an den Verein fließen, würde sich niemand mehr beschweren.

Das ist die präziseste Fassung des Vorwurfs in dieser ganzen Sammlung. Nicht der Weiterverkauf ist der Streitgegenstand, sondern wer daran verdient – und ein Verein, der den privaten Handel verfolgt und den vertraglich gebundenen zulässt, hat das entschieden.

Der Verdacht, der als Verdacht bleibt

Der Verfasser schreibt, aus befreundeten Hamburger Kreisen wisse er, dass die Plattform vor den Vereinen zunächst größere Fanclubs anspreche, um in den Verhandlungen besser dazustehen – und stellt ausdrücklich dazu, dass man es nicht genau wisse.

Hier bleibt es dabei. Belegt ist, dass ein Fanmedium eine Werbeanfrage erhielt; die Reihenfolge der Ansprache ist eine Vermutung.

Was Käufer berichteten

Unter dem Beitrag steht die Schilderung eines Dortmunder Anhängers, der für ein Heimspiel im März 2013 drei Karten zu 55 Euro pro Stück bestellte – ohne Hinweis darauf, dass es sich um einen privaten Weiterverkauf handelte und dass der Ablauf dem einer Auktionsplattform entspricht.

Genau daran hängt der Unterschied zum vereinseigenen Zweitmarkt, der in dieser Sammlung am Freiburger Beispiel beschrieben ist: Dort wechselt eine Karte zum Originalpreis den Besitzer, und wer verkauft, ist der, der nicht kann.

Die Frage stellt der Verfasser selbst

Der Verfasser stellt die Frage selbst: Was interessiert es einen Dortmunder Anhänger, was in Gelsenkirchen, Stuttgart oder Hamburg passiert? Seine Antwort ist die Begründung für diese ganze Sammlung – dass Fanszenen sich mit Themen befassen, die ihren Verein noch nicht betreffen.

Beim eigenen Verein ist es nicht dazu gekommen. Die Anfrage kam trotzdem, und sie ist hier nachlesbar.

Was wäre, wenn die Plattform einsteigt

Der Titel fragt, was passieren würde, wenn die Plattform plötzlich beim eigenen Verein einsteigt – und beantwortet die Frage nicht mit einer Prognose, sondern mit den drei Fällen, die zu diesem Zeitpunkt bereits liefen. Das ist die redlichste Form eines solchen Textes: Wer wissen will, wie es bei ihm ausgehen würde, muss sehen, wie es bei anderen ausgegangen ist.

Aus heutiger Sicht kommt eine vierte Antwort hinzu. In den Jahren nach 2013 haben mehrere Vereine solche Verträge beendet, mehrere Gerichte zulasten der Plattformen entschieden, und die vereinseigenen Zweitmärkte mit Preisdeckel sind Standard geworden. Eingestiegen ist die Plattform bei diesem Verein nie – gefragt hat sie.

Und ein letzter Punkt, der die Anfrage selbst betrifft: Sie war an ein Fanmedium gerichtet, mit dem Angebot, den Kartenverkauf für nationale und internationale Spiele für dessen Leser zu erleichtern. Wer die Auseinandersetzungen dieser Monate verfolgt hat, erkennt darin die eigentliche Zumutung – ein Angebot an genau diejenigen, die gegen den Vorgang schrieben.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Welche Bundesligavereine nannte die Plattform 2013 als Partner?

In der Anfrage selbst: Bayern München, FC Augsburg, 1. FC Kaiserslautern, Hannover 96, 1. FC Nürnberg, VfL Wolfsburg – und neu hinzugekommen der Hamburger SV. Dazu die Angabe, mit der Hälfte der Premier League zusammenzuarbeiten.

Wer wurde angeschrieben?

Nicht der Verein, sondern ein Fanmedium. Nach Darstellung des Beitrags – als Vermutung gekennzeichnet – wurden auch größere Fanclubs kontaktiert, bevor die Plattform an die Vereine herantrat.

Was ist der Unterschied zu einem privaten Weiterverkauf?

Aus Vereinssicht die Beteiligung: Der Handel über Auktionsplattformen wird bekämpft, der über einen Vertragspartner nicht – und der Beitrag rechnet vor, dass sich die Bewertung ändern würde, wenn auch dort eine Gebühr an den Verein fließen würde.