FankulturDokumentation · Deutschland
Osterdeich-Schnack

Ordner und ihre Praxis

Der Text beginnt mit einem ironischen Geständnis: Was Liga, Talkshow und Bundesinnenminister immer befürchtet hätten, gebe er nun offiziell zu – er sei ein potenzieller Fußball-Terrorist. Zwei Sätze später löst er es auf: Das ist völliger Quatsch, und er habe in seinem Leben noch nie jemandem etwas getan.

Die Eröffnung benennt die Zuschreibung

Sie benennt die Zuschreibung, um die es in diesem Winter ging. Nach dem Beschluss des Sicherheitskonzepts war die öffentliche Beschreibung von Stadionbesuchern eine andere als vorher – und der Verfasser prüft sie an sich selbst.

Dieselbe Ebene ist in dieser Sammlung mehrfach dokumentiert, am ausführlichsten als Erwartung, die ein Trikot auslöst. Der Unterschied hier: Es geht nicht um Passanten und Verkäufer, sondern um den Ordnungsdienst.

Der Gegenstand

Der Titel sagt es in einer Alliteration: Ordner ordnen oft unordentlich. Gemeint ist die Praxis am Einlass und im Block – Kontrollen ohne erkennbaren Maßstab, unterschiedliche Auslegung derselben Stadionordnung an verschiedenen Eingängen, und ein Personal, das mit wenig Ausbildung Entscheidungen über tausende Menschen trifft.

Genau daran hängt eine Frage, die das Sicherheitskonzept jener Wochen ausdrücklich aufgriff: bessere Schulung der Ordnungsdienste. Das war einer der Punkte, denen auch Fanvertretungen zustimmten – und einer der wenigen, die keine Kontrolle über Zuschauer bedeuten, sondern über die, die sie kontrollieren.

Der Ordnungsdienst ist die Kontaktstelle

Am Einlass begegnet ein Besucher dem Verein tatsächlich. Über Verbandsstrafen, Anstoßzeiten und Kartenkontingente entscheiden Gremien; wer am Einlass steht, entscheidet über die Tasche in der Hand des Nächsten.

In dieser Sammlung ist beides dokumentiert: eine Kontrollpraxis, die Getränkepäckchen und Schlüsselanhänger einbehält, und ein ausverkauftes Risikospiel, bei dem der Einlass reibungslos lief. Der Unterschied liegt nicht an den Besuchern.

Sarkastisch bis zum Angstschweiß des Innenministers

Er ist durchgehend sarkastisch, bis zur Vorstellung, dem Innenminister perle der Angstschweiß von der Stirn. Das ist die Standardform der Fanpublizistik dieses Winters, und sie hat einen Grund: Gegen eine Zuschreibung, die niemand belegt, lässt sich schwer sachlich argumentieren – also wird sie übertrieben, bis sie sich selbst widerlegt.

Was daraus folgt

Die Schulung der Ordnungsdienste ist seit 2012 Bestandteil der Regelwerke, die Praxis bleibt standortabhängig, und eine bundesweit einheitliche Auslegung der Stadionordnungen gibt es nicht. Was ein Besucher mitnehmen darf, hängt weiter davon ab, an welchem Eingang er steht.

Warum die Alliteration im Titel zählt

Sie ist der Grund, aus dem der Beitrag zitierfähig blieb. Eine Beschwerde über Einlasskontrollen liest niemand zweimal; ein Satz, der die Sache in vier Wörtern zusammenfasst, wird weitergegeben.

Fanmedien arbeiten in diesem Punkt wie Boulevardredaktionen, und das ist keine Kritik: Wer gegen eine öffentliche Erzählung anschreibt und keine Reichweite hat, braucht Formulierungen, die sich merken lassen.