FankulturDokumentation · Deutschland
Beobachtung

Warum Vereinshymnen so klingen

Im November 2012 stellte diese Sammlung die Frage, warum Vereinshymnen klingen, wie sie klingen. Der Beitrag ist der Auftakt zu einer Rangliste, die zehn Tage später erschien – und er ist der analytischere Teil der beiden.

Der historische Rahmen

Seit zwei englischen Liedern, die er nennt, versuche jedes organisiert Fußball spielende Etwas, sich durch musikalisches Pathos selbst zu feiern und die Anhängerschaft durch Herzensappelle einzustimmen. Wehren könne man sich dagegen nicht: Eine Nummer, die kurz vor Anstoß in getragenen Längen die eigenen Farben besingt, läuft, ob man will oder nicht.

Damit ist die Gattung eingeordnet. Ihre Vorbilder sind zwei Lieder, die nicht für einen Verein geschrieben wurden – eines aus einem Musical, eines für ein Turnier –, und deren Wirkung im Stadion niemand geplant hatte.

Der Befund

Der Beitrag räumt zuerst ein, was für die Gattung spricht: Gute Musik habe mit Gefühlen zu tun, und an dem Versuch, die Gefühle einer Kurve in Text und Noten festzuhalten, sei nichts falsch. Vereinsgeschichten lieferten dafür in der Regel genug Material.

Sein Vorwurf ist deshalb ein präziser: Statt auf Texte, die den Verein, seine Geschichte und sein Bild reflektieren, werde auf eine zusätzliche Schicht Herzschmerz gesetzt. Was fehlt, ist nicht Qualität, sondern Gegenstand.

Daraus folgt die Beobachtung, die diese Sammlung an anderer Stelle an einem Bausatz vorführt: Ein Lied ohne Gegenstand ist austauschbar, und deshalb reicht es, den Vereinsnamen zu tauschen.

Die beiden Beispiele

Er nimmt sie aus dem eigenen Verein, und das ist die Entscheidung, die den Beitrag trägt.

Das erste ist ein bekanntes Fanlied, das er ausdrücklich als Kult bezeichnet und trotzdem kritisiert: Es texte einen Klassiker der Comedian Harmonists um und unterlege ihn mit Schützenfestmusik, und der Text sei merkwürdig, weil er den Punktestand zum Bild einer verhexten Stadt mache.

Das zweite ist die Stadionhymne. Er zitiert Bridge, Refrain und den Beginn der zweiten Strophe und kommentiert Zeile für Zeile in Klammern – bei der Zeile über den eigenen Weg mit der Frage, wohin dieser Weg gehe.

Diese Methode ist wirksam, weil sie nichts behauptet. Wer eine Textzeile hinschreibt und daneben die naheliegende Frage stellt, lässt das Lied für sich sprechen.

Der Aufruf

Am Ende bittet der Beitrag die Leserschaft, Links zu Videos und Texten der misslungensten Lieder ihrer Vereine einzusenden; daraus solle eine Rangliste entstehen. Und er stellt eine Bedingung: Es gehe nicht um Vereinsbashing, es gehe um Lieder.

Diese Abgrenzung ist der Grund, aus dem die Rangliste zehn Tage später funktionierte. Sie enthält Vereine von der Bundesliga bis in die Verbandsliga und behandelt keinen davon als Gegner – und der Beitrag hat den Maßstab dafür vorher festgelegt.

Was das über die Rubrik sagt

Zwei Beiträge im Abstand von zehn Tagen: erst die Analyse mit Beispielen aus dem eigenen Verein, dann die Rangliste aus Lesereinsendungen. Das ist redaktionelle Arbeit in einem Format, das niemand dazu verpflichtet hat.

Diese Sammlung enthält daneben eine Geschichte der Fangesänge eines anderen Vereins über fünf Jahrzehnte. Die drei Texte zusammen sind das, was über gesungene Fankultur in Deutschland an einem Ort dokumentiert ist – und sie stammen alle aus demselben Jahr.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Was ist der Befund?

Dass die meisten Vereinslieder Pathos setzen, statt zu erzählen, was einen Verein ausmacht – und dass ihre Texte deshalb austauschbar sind.

Welche Beispiele nimmt der Beitrag?

Zwei Lieder seines eigenen Vereins: eines, das einen Klassiker der Comedian Harmonists umtextet, und die Stadionhymne, deren Bridge und Refrain er Zeile für Zeile kommentiert.

Wozu diente der Beitrag?

Als Aufruf: Die Leserschaft sollte Links zu den misslungensten Liedern ihrer Vereine einsenden, aus denen eine Rangliste entstehen sollte – sie erschien zehn Tage später.