Ein Vereinsmuseum als Erlebniswelt
Im Mai 2012, sechs Tage nach dem in München verlorenen Champions-League-Finale, eröffnete der FC Bayern sein Vereinsmuseum: 3 050 Quadratmeter im Stadion, über 500 Exponate, Stellwände, Video- und Audiostationen.
Der Beitrag geht es Raum für Raum ab. Er ist von einem Anhänger geschrieben, der mehrfach dort war, und er ist eine der wenigen Museumsbeschreibungen dieser Sammlung.
Was am Anfang steht
Die Gründungsurkunde, nach der Einschätzung des Beitrags das wichtigste Ausstellungsstück und unauffällig neben dem Nachbau der Meisterschaftstrophäe der Jahre 1903 bis 1944 platziert.
Sie dokumentiert den 27. Februar 1900, als sich elf Männer in einem Café in Schwabing trafen und einen Verein gründeten. Das ist der Punkt, an dem ein Museum seine Aufgabe erfüllt: Es zeigt das Papier, mit dem alles Weitere anfing, und stellt es neben die Trophäen.
Das Detail, das am längsten nachhallt
Die Meistermannschaft von 1932 wurde beim Saisonhöhepunkt in Nürnberg von Tausenden Anhängern unterstützt, die überwiegend mit dem Fahrrad anreisten – und Übernachtung sowie Eintrittskarten übernahm der Verein.
Das ist eine Angabe über Auswärtsfahrten, wie sie in dieser Sammlung sonst aus den Jahren 2012 bis 2016 stammt: dort mit Verwaltungsgebühren auf Auswärtstickets und Zweitmarktpreisen. Achtzig Jahre früher zahlte der Verein die Reise seiner Anhänger.
Das Kapitel, das ein Museum tragen muss
Die NS-Zeit. Der Beitrag hält fest, dass der Präsident fliehen musste wie viele weitere Verantwortliche und Spieler, dass andere in Lager deportiert und ermordet wurden, und dass der Verein von den Nationalsozialisten als „Judenclub“ verunglimpft wurde.
Dass ein Fanblog diesen Abschnitt in einem Museumsrundgang nicht überspringt, ist nicht selbstverständlich. In der Rückschau ist es der Teil des Beitrags, der am wenigsten gealtert ist: Die Aufarbeitung dieser Jahre ist bei deutschen Vereinen erst in den 2000er Jahren ernsthaft begonnen worden, und ein Museum, das sie als eigenes Kapitel führt, war 2012 die Ausnahme.
Die Exponate, an die sich der Autor hält
Ein Profivertrag aus den 1960er Jahren, eine Werbeattrappe aus den 1990er Jahren, ein blauer Trainingsanzug eines italienischen Trainers, dazu Videomaterial und die zugehörigen Trophäen.
Die Auswahl ist die eines Anhängers und nicht die eines Kurators: Sie besteht aus den Dingen, die eine Geschichte auslösen, die man selbst erzählen kann. Sein persönlicher Höhepunkt ist ein Film im Museumskino, den er mehrfach gesehen hat.
Die Kritik
Sie fällt in zwei Sätzen und trifft den Punkt, um den es dieser Sammlung geht: Der Bereich, der der Anhängerschaft gewidmet ist, sei ausbaufähig, ebenso der Platz für die Basketballabteilung.
Ein Vereinsmuseum von 3 050 Quadratmetern, in dem die Fankultur eine Seitenwand einnimmt, gewichtet dieselbe Sache anders als die Anhängerschaft. Der Beitrag sagt das ohne Empörung – und er sagt es an derselben Stelle, an der er die Trophäen des Vorjahres als das beliebteste Fotomotiv der Besucher beschreibt.
Wo der Rundgang endet
Im Vereinsshop, was der Autor mit dem Aufbau amerikanischer Attraktionen vergleicht. Davor stehen Mitmachstationen von Vereinspartnern, ein Reaktionstest und ein Quiz.
Damit ist die Anlage vollständig beschrieben: Geschichte, Trophäen, Legenden, Sponsorenflächen, Laden. Der Eintritt lag 2014 bei zwölf Euro, ermäßigt zehn, und der Beitrag hält ihn für angemessen.
Der Bogen, mit dem er arbeitet
Er beginnt und endet mit drei Wünschen aus einem Roman von 2009: der Abbau der blauen Leuchtstoffröhren im Stadion, der Gewinn des Triples und ein Vereinsmuseum. Zwei davon waren 2014 erfüllt.
Das ist die eleganteste Konstruktion, die ein Beitrag dieser Sammlung hat – und sie sagt etwas über Anhängerschaft, das keine Debatte über Sicherheitskonzepte erfasst: Ihre Wünsche sind zum Teil sportlich, zum Teil archivarisch, und zum Teil betreffen sie die Farbe von Leuchtstoffröhren.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenWann wurde das Museum eröffnet?
Im Mai 2012, sechs Tage nach dem in München verlorenen Champions-League-Finale, auf 3 050 Quadratmetern im Stadion.
Was war 2014 der Eintritt?
Zwölf Euro, ermäßigt zehn, für Kinder zwischen null und sechs Euro – Angaben aus dem Beitrag.
Wie behandelt das Museum die NS-Zeit?
Als eigenes Kapitel. Der Beitrag nennt die Flucht des Präsidenten sowie die Deportation und Ermordung weiterer Vereinsangehöriger und hält fest, dass der Verein von den Nationalsozialisten als „Judenclub“ verunglimpft wurde.