FankulturDokumentation · Deutschland
Groundhopping

Mit Händen statt Klatschpappen

Ende August 2015 besuchte ein deutscher Anhänger ein Ligaspiel von Benfica Lissabon – nach eigener Bezeichnung als Eventfan, und zum ersten Mal außerhalb Deutschlands. Er hat alles notiert, was ihm anders vorkam.

Der Bericht ist deshalb ein Vergleich und nicht ein Spielbericht, und er hat unter sich eine Korrektur.

Was er an Zahlen mitbringt

17 Euro für einen Sitzplatz in der 25. Reihe des Unterrangs, Getränke zwischen zwei und drei Euro, kein Becherpfand, Barzahlung. Diese Angaben sind der belastbare Teil des Textes: Preise für einen Ligabesuch bei einem europäischen Spitzenverein, aufgeschrieben an einem Spieltag.

Er bewertet sie als in Ordnung, und das ist in dieser Sammlung ein Maßstab: Die Auswärtskartenpreise in Deutschland waren in denselben Jahren Gegenstand von Kampagnen, und ein Vergleichswert aus einem anderen Land fehlte in dieser Debatte fast immer.

Was ihm gefiel

Dass alle Zuschauer, auch auf den Geraden, mitklatschten und feierten – mit den Händen und ohne Klatschpappen. Der Titel des Beitrags kommt von diesem Satz.

Das ist mehr als eine Beobachtung über Requisiten. Klatschpappen sind in Deutschland zum Erkennungszeichen des Publikums geworden, dem die Requisiten ausgeteilt werden, und diese Sammlung führt sie deshalb als eigenes Thema. Ein Stadion, in dem eine Gegengerade ohne Hilfsmittel mitgeht, ist der Gegenbeweis zu der Annahme, dass es dafür Anleitung braucht.

Was ihm nicht gefiel

Drei Dinge, und sie sind unterschiedlich stark.

Erstens die Behandlung von Verletzungen: Bei Verletzungen des Gegners wurde gepfiffen, und der Ball wurde nach seiner Darstellung kein einziges Mal ins Aus gespielt. Als selbst spielender Fußballer nennt er das unsportlich.

Zweitens Cheerleader, die er im Fußball für fehl am Platz hält. Drittens so viel Werbematerial auf dem Rasen vor dem Anpfiff, dass den Mannschaften der Platz zum Aufwärmen fehlte – Mittelkreis, Ligabanner und weiteres.

Der dritte Punkt ist der übertragbare. Werbeflächen, die den Aufwärmraum beschneiden, sind ein Konflikt zwischen Vermarktung und Spielbetrieb, und er ist in dieser Sammlung für deutsche Stadien mehrfach dokumentiert – etwa als Zaunfahnenverbot aus der zentralen Vermarktung.

Die Korrektur unter dem Beitrag

Ein zweiter Besucher desselben Spiels, der auf der Gegenseite saß, widerspricht in der Deutung: Die Gästemannschaft habe nach dem frühen Rückstand auf Zeit gespielt, besonders der Torhüter. Bei zwei Verletzungen sei das Transportfahrzeug bereits auf dem Feld gewesen, worauf der Spieler plötzlich wieder laufen konnte und allein hinausging; beim zweiten Mal habe der Schiedsrichter ihn eine Weile draußen stehen lassen.

Der Autor antwortet, er habe wahrgenommen, dass bereits gepfiffen wurde, als das Fahrzeug losfuhr und noch nicht klar war, dass der Spieler aufstehen würde – und dass er das Auspfeifen wegen des Zeitspiels nachvollziehen könne.

Wie ein Stadionbesuch zur Quelle wird

Der Austausch zeigt, wie das geht. Zwei Menschen sehen dasselbe Spiel von zwei Seiten und kommen zu unterschiedlichen Erklärungen für dasselbe Verhalten – Unsportlichkeit oder Reaktion auf Unsportlichkeit.

Beide Deutungen bleiben stehen, keine wird aufgelöst, und der Autor korrigiert seine Wahrnehmung teilweise selbst. Das ist mehr methodische Vorsicht als in den meisten Berichten dieser Sammlung – und sie steht in einem Text, dessen Verfasser sich einleitend selbst als Eventfan bezeichnet.

Was daran deutsch ist

Die Maßstäbe. Der Bericht bewertet ein portugiesisches Stadion durchgehend an deutschen Gewohnheiten: Gesänge vor dem Spiel, Ballherausspielen bei Verletzungen, kein Cheerleading, keine Werbung auf dem Rasen, Becherpfand.

Das ist keine Kritik am Text, sondern seine Voraussetzung – und es macht ihn zu einer Quelle über die deutsche Fankultur von 2015. Was ein Besucher im Ausland als Abweichung notiert, sagt genau, was er zu Hause für selbstverständlich hält.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Was kostete der Besuch?

17 Euro für einen Sitzplatz in der 25. Reihe des Unterrangs; Getränke zwischen zwei und drei Euro, ohne Becherpfand und mit Barzahlung.

Was fiel dem Autor negativ auf?

Dass bei Verletzungen des Gegners gepfiffen und weitergespielt wurde, statt den Ball ins Aus zu spielen; dazu Cheerleader und so viel Werbematerial auf dem Rasen, dass der Platz zum Aufwärmen fehlte.

Was steht in den Kommentaren?

Ein zweiter Besucher desselben Spiels widerspricht in der Deutung: Die Gästemannschaft habe nach dem frühen Rückstand auf Zeit gespielt, und bei zwei Verletzungen sei der Spieler nach dem Eintreffen des Transportfahrzeugs plötzlich wieder gelaufen.