Zaunfahnen und zentrale Vermarktung
Vor dem Pokalspiel der Offenbacher Kickers gegen Union Berlin bestimmten zwei Themen die Diskussion in der Fanszene, und keines davon war sportlich. Das erste war ein Verbot von Zaunfahnen auf der Gegengeraden.
Woher die Regelung kommt
Nicht aus der Sicherheit, sondern aus der Vermarktung. Der DFB vermarktet den Pokal zentral, und dazu gehört ein einheitliches Erscheinungsbild der Werbeflächen in jeder Partie – gleiche Bandengestaltung, gleiche Flächen im Kamerablickfeld, unabhängig davon, wer Gastgeber ist. Fahnen an den Zäunen der Gegengeraden stehen in genau diesem Blickfeld.
Damit gilt sie für alle Pokalspiele und nicht für dieses. Ein Verein kann sie nicht aussetzen, und eine Fanszene kann dagegen nichts einwenden, was mit ihrer eigenen Sicherheit oder ihrem Verhalten zu tun hätte.
Was daran auffällt
Der Beitrag formuliert den Einwand als Erinnerung: Früher genügte ein Ausschnitt von einer oder zwei Sekunden, um zu erkennen, aus welchem Stadion gesendet wird. Heute gleichen sich die Stadien auf den ersten Blick – und nun soll auch noch ein einheitliches Band dafür sorgen, dass der Rest verschwindet.
Das ist keine Nostalgie, sondern eine Beobachtung über Wiedererkennbarkeit. Eine Zaunfahne ist die billigste und älteste Form, einem Ort ein Gesicht zu geben: handgemalter Stoff mit einem Gruppen- oder Ortsnamen, der über Jahre am selben Zaun hängt.
Derselbe Mechanismus wie bei den Stadionnamen
Der Zusammenhang ist derselbe wie bei den Stadionnamen und bei den verteilten Klatschpappen: Eine Vermarktungsentscheidung überschreibt ein Ausdrucksmittel, das nichts kostet und niemandem gehört. In der Chronologie der Stadionnamen betrifft es den Namen, bei den Klatschpappen die Choreografie, hier den Zaun.
Der Unterschied ist nur, wer entscheidet. Über einen Stadionnamen entscheidet der Verein, über die Pokal-Bandengestaltung der Verband – und gegen eine Verbandsregelung gibt es für eine einzelne Fanszene keinen Adressaten.
Das zweite Thema des Tages
Es war die Frage, wie das Verhältnis der Gäste aus Berlin zu den Anhängern des ungeliebten Nachbarn auf der anderen Mainseite tatsächlich ist – aufgekommen durch einen Bericht einer Regionalzeitung, wonach zahlreiche Gästefans mit diesem Nachbarn sympathisierten.
Der Verfasser prüft das mit dem, was er sieht: ein Kleinbus mit Gästefans, aus dem Gesänge des Nachbarvereins kommen, und ein anderes Bild am Fanmuseum. Das Ergebnis bleibt uneinheitlich, und er schreibt es so hin.
Die redlichere Antwort
Fanfreundschaften sind keine Verträge: Sie bestehen zwischen Gruppen, nicht zwischen Vereinen, und deshalb kann eine Zeitung mit einer Beobachtung ebenso recht haben wie ein Augenzeuge mit der gegenteiligen. Wer daraus eine Aussage über „die Fans“ eines Vereins macht, behauptet eine Einheitlichkeit, die es in keiner Fanszene gibt – was in dieser Sammlung auch die Typologie der Fanfreundschaften zeigt.