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Lesestoff

Der erste Stadionbesuch als Sammelprojekt

Im Sommer 2011 stand unter dieser Adresse ein Aufruf: Fußballanhänger sollten ihre Erinnerung an den ersten Stadionbesuch aufschreiben, auf drei bis vier Seiten, für einen Sammelband und für die Veröffentlichung im Netz.

Die Seite ist in der ersten Person geschrieben und wird hier nicht fortgeführt. Was sie beschreibt, ist der Anfang eines Projekts, dessen Ergebnisse in dieser Sammlung an mehreren Stellen liegen.

Die Begründung des Aufrufs

Sie besteht aus einer Beobachtung: In zahlreichen persönlichen Gesprächen sei aufgefallen, welchen prägenden Einfluss der erste Stadionbesuch bis in die Gegenwart habe.

Und aus einer Absicht: das verbindende Element der Faszination Fußball herauszustellen, indem die individuellen Erfahrungen zusammengeführt werden – von älteren und jüngeren Anhängern, von Frauen und Männern, von bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und von Gelegenheitszuschauern.

Diese Aufzählung ist die eigentliche Aussage der Seite. Sie setzt voraus, dass die Erinnerung an den ersten Besuch keine Frage der Zugehörigkeit ist – dass ein Ultra, ein Tribünenbesucher und jemand, der einmal mitgenommen wurde, über dasselbe Ereignis berichten.

Wie der Aufruf formuliert ist

Ohne Vorgaben. Die Texte könnten ernst, spannend, nachdenklich oder humorvoll sein, heißt es – Hauptsache, das Aufschreiben mache Freude. Eingesendet werden sollte per E-Mail.

Das ist bemerkenswert offen für ein Buchprojekt und erklärt, was daraus geworden ist: mehrere hundert Zuschriften, von denen nur ein Teil in den Band passte.

Was aus dem Projekt wurde

Der Band erschien im Oktober 2012 im Verlag Die Werkstatt. Diese Sammlung dokumentiert ihn und seine Nebenprodukte: die Rubrik, in der die nicht aufgenommenen Einsendungen erschienen, und einen Beitrag aus derselben Reihe.

Damit hängt an dieser Adresse eine Kette: Ein Aufruf von 2011 führt zu einem Buch von 2012 und zu einer Rubrik, die danach weiterlief. Das ist der Grund, aus dem die Seite drei verweisende Domains trägt und die schwerste noch nicht wiederhergestellte Adresse dieser Sammlung war.

Was die Texte gemeinsam haben

Aus den erhaltenen Beiträgen lässt sich das ablesen, und es deckt sich mit der Erwartung des Aufrufs. Am Anfang steht fast immer eine Person, die mitnimmt – ein Vater, ein Großvater, ein älterer Bruder, ein Nachbar. Dann die Wahrnehmung des Raums, meist als Größenerfahrung. Dann ein einzelner Moment im Spiel. Und am Ende ein Satz darüber, dass sich etwas entschieden hat.

Die sportliche Qualität der Partie kommt in diesen Erzählungen fast nie vor. Einer der erhaltenen Beiträge nennt das Spiel ausdrücklich mittelmäßig und schildert dennoch einen Wendepunkt.

Solche Sammlungen kommen selten zustande

Dokumentiert sind sie noch seltener. Die Zeit vor der Mitgliedschaft – der erste Besuch, die erste Entscheidung für einen Verein – ist in Vereinsarchiven nicht erfasst, weil sie niemanden betrifft, der zu diesem Zeitpunkt schon dabei war.

Ein Aufruf, der genau diese Zeit erhebt, ist damit die Quelle für einen Vorgang, über den es sonst keine Quellen gibt. Und die Frage, unter welchen Bedingungen dieser erste Besuch stattfindet, ist dieselbe, um die in dieser Sammlung an vielen Stellen gestritten wird: Eine Kurve, in der ein Kind zum ersten Mal Fahnen und Gesänge erlebt, erzeugt die Anhängerschaft der nächsten dreißig Jahre.

Was von der Seite bleibt

Der Aufruf selbst, mit seinem Datum und seiner Adresse. Die Einsendungen, die daraus entstanden sind, liegen zum Teil in einem Buch und zum Teil in dieser Sammlung; die übrigen sind in einem E-Mail-Postfach geblieben, das es nicht mehr gibt.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Was wurde gesucht?

Erinnerungen an den ersten Stadionbesuch, auf drei bis vier Seiten, von älteren und jüngeren Anhängern, Frauen und Männern, bekannten Persönlichkeiten und Gelegenheitszuschauern – ernst, spannend, nachdenklich oder humorvoll.

Was ist daraus geworden?

Ein Band mit dem Titel „Mein erster Stadionbesuch“, erschienen im Oktober 2012 im Verlag Die Werkstatt – und eine Rubrik, in der Einsendungen erschienen, die im Buch keinen Platz fanden.

Warum diese Frage?

Weil der erste Besuch nach Beobachtung der Initiatoren bis in die Gegenwart prägend wirkt und weil er das verbindende Element zwischen allen Formen von Anhängerschaft ist – unabhängig von Verein, Alter und Intensität.