Derby-Interview, erster Teil
Vor dem Revierderby im März 2013 – angesetzt an einem Samstag um 15.30 Uhr in Gelsenkirchen – veröffentlichte die Redaktion ein gemeinsames Interview mit ihren beiden Bloggern: einer Anhängerin des Gastgebers und einem Anhänger des Gastes.
Das Verfahren
Es war schriftlich und im Wechsel: Beide beantworteten dieselben Fragen, abwechselnd, in einer Reihe von drei Teilen an drei Tagen. Der erste behandelte, wie sie zu Fußballfans wurden, was das Derby für sie bedeutet und welchen Reiz eine Auswärtsfahrt hat.
Dieses Verfahren ist der Grund, aus dem der Text funktioniert. In einem mündlichen Streitgespräch gewinnt, wer schneller ist; bei abwechselnden schriftlichen Antworten steht jede Position vollständig da, und der Leser vergleicht selbst.
Zwischen diesen Fanszenen gibt es keine gemeinsamen Formate
Die Rivalität ist die härteste im deutschen Fußball, die Spieltage werden mit tausend Polizisten abgesichert, und in dieser Sammlung ist mehrfach dokumentiert, was an solchen Tagen geschieht.
Dass zwei Menschen aus diesen Kurven dieselben Fragen beantworten und beide Antworten nebeneinander stehen, ist deshalb selbst der Befund: Es war möglich, und zwar auf einer Fanseite und nicht in einem neutralen Medium.
Was die Fragen leisten
Sie zielen auf Biografie und nicht auf Streitpunkte. Wie wird jemand Fan – über die Familie, den Wohnort, ein einzelnes Spiel, einen einzelnen Spieler? Was bedeutet das Derby, wenn man darin aufgewachsen ist? Und was macht eine Auswärtsfahrt attraktiv, wenn sie Urlaubstage, Geld und Schlaf kostet?
Auf diese Fragen fallen die Antworten aus beiden Kurven ähnlich aus, und genau das ist der Effekt. Wer zwei Rivalen dasselbe fragt, findet zuerst die Übereinstimmung – und die Unterschiede erst dort, wo es um Vereinspolitik geht.
Beide Seiten mit eigenen Beiträgen im Bestand
Beide Beteiligte sind hier mit eigenen Beiträgen vertreten: die Gelsenkirchener Seite unter anderem mit dem Bericht über null Damenjacken in Vereinsfarben und einem Besuch in der Oberliga, die Dortmunder Seite mit der Adidas-Recherche und der Kirchengeschichte der Vereinsgründung.
Das Interview ist damit auch ein Register: Es zeigt, wer diese Sammlung geschrieben hat und aus welcher Position.
Ein Format, das nur unter diesem Dach möglich war
Eine Domain, die Blogger mehrerer Vereine versammelt, kann genau dieses Format anbieten, und sonst niemand. Ein Vereinsmedium hat nur eine Seite, ein neutrales Medium keine – hier saßen beide unter demselben Dach.
Genau darin lag das Konzept der Seite, und in dieser Sammlung ist es an vielen Stellen sichtbar: Ein Vorgang in Gelsenkirchen wird von einem Dortmunder Blog kommentiert, eine Kölner Debatte von einer Freiburger Rubrik aufgegriffen, ein Bremer Vorgang von einer Hamburger.
Was den Text heute lesbar hält
Nicht das Ergebnis des Spiels, das drei Tage später fiel. Sondern die Antworten auf die Fanwerdungsfrage – der Teil, der in keiner Vereinschronik und in keiner Statistik steht und der in fünfzig Jahren die einzige Auskunft darüber sein wird, wie Menschen in dieser Region zu diesen Vereinen kamen.
Zwei Spottnamen als Gesprächspartner
Der Titel benutzt die Spottnamen, mit denen sich die beiden Fanszenen belegen, und stellt sie in einen harmlosen Zusammenhang – zwei Figuren, die sich unterhalten. Das ist die Entscheidung, die den Ton des ganzen Formats setzt: Die Schmähungen bleiben, ihre Funktion ändert sich.
Wer in dieser Sammlung liest, wie diese Rivalität sonst geführt wird – mit einer satirischen Entschuldigung gegenüber einem dritten Verein, mit Spruchbändern und mit tausend Beamten am Derbytag –, erkennt den Unterschied. Hier werden die Vokabeln als Kostüm benutzt und nicht als Waffe.
Was ein Fansteckbrief verrät
Zum Format gehörte eine kurze Vorstellung beider Beteiligten: Alter, Beruf, Zahl der Jahre als Anhänger, Zahl der Heim- und Auswärtsspiele pro Saison. Die Namen bleiben hier außen vor; die Angaben selbst sind der interessante Teil.
Denn sie beschreiben, was in Sicherheitsdebatten nie vorkommt: dass die Menschen, die diese Kurven tragen, in geregelten Berufen arbeiten, seit Jahrzehnten dabei sind und ihre Freizeit nach einem Spielplan einrichten. Zwei Steckbriefe sind keine Statistik – aber sie sind das Gegenbild zu jeder Beschreibung, die mit dem Wort Chaoten arbeitet.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenWie war das Interview aufgebaut?
Schriftlich und im Wechsel: Beide Beteiligten – eine Anhängerin des Gelsenkirchener und ein Anhänger des Dortmunder Vereins – beantworteten dieselben Fragen abwechselnd, in drei Teilen an drei Tagen vor dem Spiel.
Worum ging es im ersten Teil?
Wie die beiden zu Fußballfans wurden, was das Revierderby für sie bedeutet und welchen Reiz eine Auswärtsfahrt für sie hat.
Warum ist das Format bemerkenswert?
Weil zwischen diesen beiden Fanszenen die härteste Rivalität des deutschen Fußballs besteht – und beide Seiten dieselben Fragen beantworten, ohne dass eine Redaktion die Antworten gegeneinander stellt.