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Als die Fanvertretung sich selbst erklären musste

Der Januar 2013 ging in Gelsenkirchen als Monat der Krisensitzungen zu Ende. Nach dem Gipfel des Supporters Clubs am 5. Januar und dem Kartenpreisausschuss am 17. Januar lud am 31. Januar der Schalker Fanclub-Verband selbst zur Aussprache. 80 bis 90 Anhänger kamen.

Wer auf dem Podium saß

Die Besetzung erklärt, warum dieser Abend anders lief als die beiden davor. Anwesend waren die drei hauptamtlichen Vorstände des Verbandes, seine ehrenamtlichen Aufsichtsratsmitglieder und der Sprecher der Bezirksleiter – und zusätzlich drei Mitglieder des Aufsichtsrats des Hauptvereins. Der Verband hatte damit nicht nur sich selbst zu erklären, sondern saß neben denen, die den Vertrag mitgetragen hatten.

Zur Eröffnung hieß es, es gebe keine Tabuthemen. Einer der Vorstände entschuldigte sich zudem dafür, dass ein Teil der Unruhe wohl auf seine Äußerungen zurückgehe; persönlich gemeint habe er es nie.

Der Satz, an dem der Abend hing

Die erste Frage aus dem Raum kam von einem Mitglied des Supporters Clubs und war einfach: Sie kenne niemanden, der den Zweitmarktvertrag gut finde – warum sage die Fanvertretung nichts dazu?

Die Antwort lautete, man habe es diskutiert und sei zu dem Ergebnis gekommen: „Das können wir akzeptieren.“ Kurz darauf folgte der zweite Satz, der als Klarstellung gedacht war: „Wir sind gegen eine Legalisierung des Schwarzmarkts.“

Beide Sätze zusammen waren das Problem. Eine Vertretung, die einen Vertrag akzeptiert und gleichzeitig gegen das ist, was er bewirkt, hat keine Position, sondern eine Verlegenheit – und der Raum bemerkte das sofort.

Die Fragen, die unbeantwortet blieben

Aus den Wortmeldungen lässt sich eine Liste zusammenstellen, auf die es an diesem Abend keine Antworten gab. Woher weiß der Verein im Voraus, welche Spiele nicht ausverkauft sein werden? Warum gehen diese Karten nicht in den freien Verkauf? Warum werden die eigenen Verkaufsbedingungen geändert, statt den Handel zu verfolgen? Und warum setzt sich der Verein überhaupt mit diesem Anbieter an einen Tisch, nachdem er einen vergleichbaren Vorgang wenige Jahre zuvor gerichtlich verfolgt hatte?

Was stattdessen kam, verschob die Verantwortung: Hinweise auf jene Anhänger, die ihre Karten schon jetzt dort einstellten, und die Ankündigung, dass die hohen Bearbeitungsgebühren und Versandkosten ab Vertragsbeginn am 1. Juli auf sechs oder acht Euro gedeckelt würden. Der Einwand darauf war der Kern des Abends: Es sei Augenwischerei, plötzlich die Fans verantwortlich zu machen, wenn der Verein gegen sein eigenes Leitbild und gegen die Mehrheit seiner Anhänger einen Vertrag durchsetzt.

Drei Millionen

Genannt wurde auch der Preis: drei Millionen Euro, beziehungsweise 3,6 Millionen für drei Jahre. Mehrere Redner stellten das neben den Jahresumsatz des Vereins, der zu dieser Zeit bei rund 190 Millionen Euro lag, und nannten den Betrag entsprechend klein.

Diese Rechnung ist der schärfste Einwand gegen den Vertrag, weil sie ihn nicht moralisch angreift, sondern kaufmännisch: Ein Erlös von etwa einem halben Prozent des Umsatzes gegen den Bruch der eigenen Verkaufsbedingungen und einen Konflikt mit der eigenen Kurve ist ein schlechtes Geschäft, unabhängig davon, wie man den Zweitmarkt bewertet. Offen blieb dabei die Frage, ob der Verein von den Aufschlägen direkt oder indirekt über die Sponsoringeinnahmen profitiert.

Der Vorgang, der die Debatte kippte

Den konkretesten Beitrag lieferte ein Mitglied des Kartenpreisausschusses. Er hatte mehrere überhöhte Angebote auf der Plattform dokumentiert – genannt wurden vier Karten für das Champions-League-Spiel gegen Galatasaray Istanbul zu 1.700 Euro – und sich als Zeuge zur Verfügung gestellt.

Eine Anzeige lehnte der Marketingvorstand nach seiner Darstellung ab, mit der Begründung, es bestehe ein Vertrag mit diesem Partner. Vom Finanzvorstand habe er gehört, der Verein sei müde geworden, dagegen anzugehen.

Damit war der Widerspruch benannt, der sich durch den ganzen Winter zog: Derselbe Verein, der den Schwarzhandel jahrelang verfolgt hatte, verzichtete auf die Verfolgung eines dokumentierten Falls, weil der Handel inzwischen unter Vertrag stand.

Was der Abend zeigte

Bemerkenswert war, wie die Podiumsseite darauf reagierte. Ein Aufsichtsratsmitglied stellte klar, dass keineswegs alle auf dem Podium den Vertrag gut fänden; jeder habe eine private Meinung dazu, er selbst sei dagegen. Ein Vertreter des Hauptvereins bezeichnete die derzeitige Nichtverfolgung als unglücklich.

Private Meinungen von Gremienmitgliedern beantworten in einem Verein keine Frage – genau das war der Befund, mit dem die Anwesenden nach Hause gingen. Der Appell des Moderators, viele Fragen könnten nur die Verantwortlichen des Vereins beantworten, verhallte, weil diese nicht im Raum waren.

Vier Tage später verließ die erste große Gruppierung den Verband (der Austritt). Rückblickend ist dieser Abend die Erklärung dafür: Nicht ein Streit über den Zweitmarkt hat die Schalker Fanvertretung gespalten, sondern die Erfahrung, dass sie einen Vertrag verteidigen musste, den auf dem Podium mehrere selbst ablehnten.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Wie viel war der Vertrag wert?

In der Aussprache genannt wurden 3 Millionen Euro beziehungsweise 3,6 Millionen für drei Jahre. Mehrere Redner rechneten das gegen den Jahresumsatz des Vereins von damals rund 190 Millionen Euro und nannten den Betrag entsprechend gering.

Was sagte die Fanvertretung zu dem Vertrag?

Man habe ihn diskutiert und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass er zu akzeptieren sei – zugleich sei man gegen eine Legalisierung des Schwarzmarkts. Diese beiden Sätze nebeneinander waren der Grund, aus dem der Abend eskalierte.

Was war mit den überhöhten Angeboten?

Ein Mitglied des Kartenpreisausschusses hatte mehrere Angebote dokumentiert – genannt wurden vier Karten für das Spiel gegen Galatasaray zu 1.700 Euro – und sich als Zeuge angeboten. Eine Anzeige lehnte der Marketingvorstand nach seiner Darstellung ab, weil ein Vertrag mit dem Anbieter bestehe.

Was folgte auf die Sitzung?

Vier Tage später trat die erste große Gruppierung aus dem Verband aus. Der Streit verlagerte sich damit von der Sache auf die Frage, wer die Fanszene überhaupt vertritt.