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Beobachtung

Das Fußballunwort des Jahres

Im Januar 2013 veröffentlichte diese Sammlung eine Rangliste: das Fußballunwort des Jahres 2012, gewählt aus 274 Einsendungen über eine Umfrage in einem sozialen Netzwerk, über Kommentare und über Kurznachrichten.

Jeder Platz wird mit einer Erläuterung versehen, die den Zusammenhang nennt, in dem das Wort benutzt wurde. Das macht die Liste zu einem Wortprotokoll dieses Jahres.

Der zehnte Platz

Er gilt dem Wort Platzsturm und der Fernsehberichterstattung über einen Relegationsabend im Frühjahr 2012 in Düsseldorf, an dem Zuschauer vor dem Abpfiff den Rasen betraten.

Der Beitrag nennt die Szenen beklemmend und die Reaktion darauf den Ausgangspunkt der Mediensprache der folgenden Wochen. Seine Formulierung – beklemmende Szenen seien für Populisten wie Aas für Geier – ist scharf und trifft einen Punkt, der in dieser Sammlung mehrfach dokumentiert ist: Der Abend in Düsseldorf war der Auslöser für die Sicherheitsdebatte, die im Herbst zu den zehn Eckpfeilern und im Dezember zur Abstimmung führte.

Der neunte

V-Männer, in der Anwendung auf Fußballfans. Die Erläuterung besteht aus einem Satz mit der Bemerkung, es klappe sonst auch immer so gut.

Das ist eine Anspielung auf den Einsatz von Vertrauenspersonen im Bereich des Rechtsextremismus, dessen Aufarbeitung 2012 parlamentarisch lief – und dieselbe Verbindung zieht in dieser Sammlung eine Stellungnahme zur Verletztenstatistik aus demselben November.

Der achte

Stehplatzverbot. Damit ist die zentrale Maßnahme benannt, um die im Herbst 2012 gestritten wurde: die Umwandlung von Steh- in Sitzplätze, die im Antragspaket stand und die die Fanszenen als Angriff auf die Kurve lasen.

Eine Gewichtung, die aus keiner Berichterstattung hervorgeht

Über die Beschlüsse von 2012 gibt es Protokolle, über die Proteste Berichte – aber welche Begriffe eine Fanszene am Ende des Jahres als die belastendsten empfand, hat nur diese Umfrage erhoben.

Dass es 274 Einsendungen waren, sagt daneben etwas über die Beteiligung. Eine Umfrage in einem Fanmedium, die im Januar 2013 dreistellig beantwortet wird, zeigt, wie präsent das Thema war – und die Antworten sind Wörter, nicht Meinungen, was sie vergleichbar macht.

Was von der Liste erhalten ist

Die Plätze zehn bis acht mit ihren Erläuterungen. Die vorderen Plätze sind in der überlieferten Fassung nicht enthalten; welches Wort gewonnen hat, geht daraus nicht hervor.

Das ist bei einer Rangliste der ärgerlichste mögliche Verlust und wird hier festgehalten, statt ihn zu überspielen. Was bleibt, ist die Machart: eine Wahl mit Musikcharts-Format, in der jedes Wort als Interpret mit Songtitel geführt wird – ein Formatwitz, der die Bitterkeit des Inhalts trägt.

Die Sicherheitsdebatte wurde über Begriffe geführt

Ob jemand Störer heißt oder Zuschauer, ob eine Maßnahme Stehplatzumwandlung oder Stehplatzverbot genannt wird, ob ein Rasenbetreten ein Platzsturm ist – daran entschied sich, wie die Vorgänge bewertet wurden.

Diese Sammlung dokumentiert dieselbe Ebene an mehreren Stellen: die Kritik am Kriegsvokabular der Berichterstattung und die Frage, ob der Begriff Störer in einer Behördenstatistik überhaupt angemessen ist. Eine Wahl zum Unwort des Jahres ist die volkstümlichste Form derselben Arbeit.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Wie ist die Wahl entstanden?

Aus 274 Einsendungen über eine Umfrage in einem sozialen Netzwerk, über Kommentare und über Kurznachrichten – und wurde als Rangliste mit Erläuterungen veröffentlicht.

Welche Wörter stehen darin?

Im erhaltenen Teil unter anderem „Platzsturm“, „V-Männer“ und „Stehplatzverbot“ – jeweils mit einer Erläuterung, in welchem Zusammenhang das Wort 2012 benutzt wurde.

Warum ist die Liste eine Quelle?

Weil sie festhält, welche Begriffe eine Fanszene am Ende dieses Jahres als die belastendsten empfand – eine Rangfolge, die aus keiner Berichterstattung hervorgeht.