FankulturDokumentation · Deutschland
Redaktion

Wie die Sammlung organisiert war

Diese Sammlung ist nicht in einer Redaktion entstanden. Sie war ein Dach über mehr als 30 Fanblogs, deren Autoren unabhängig voneinander schrieben – und sie hatte eine eigene Seite, auf der diese Konstruktion beschrieben wurde.

Der Text dieser Seite ist in der ersten Person geschrieben und wird hier nicht fortgeführt. Was er beschreibt, ist dagegen die Struktur, aus der jeder einzelne Beitrag dieses Archivs hervorgegangen ist, und ohne sie ist der Bestand nicht zu lesen.

Die Konstruktion

Ein Autor pro Rubrik, eine Rubrik pro Verein oder Thema. Vertreten waren die Bundesliga, die zweite und dritte Liga, die Regionalligen und der Amateurfußball; einige Rubriken waren an einen Verein gebunden, andere nicht.

Daraus folgt die auffälligste Eigenschaft dieses Bestands: Er hat kein einheitliches Register. Ein juristischer Hintergrundtext über Stadionverbotsrichtlinien steht neben einer Glosse über einen Druckfehler und neben einem Auswärtsbericht mit Preisliste. Das ist kein Mangel an Linie, sondern die Folge der Struktur.

Was ausdrücklich ausgeschlossen war

Drei Dinge: Fachleute, Berufsjournalisten und Vereine. Die Beschreibung nennt sie nebeneinander, und die Reihenfolge ist aufschlussreich – die Abgrenzung richtet sich nicht gegen Professionalität, sondern gegen Deutungsmacht.

Damit ist auch gesagt, was hier nicht zu finden ist: keine Vereinskommunikation, keine Spielanalysen von Fachleuten, keine Einordnung durch Verbandsvertreter. Wo Verbandsposition vorkommt, kommt sie als Gegenstand vor.

Die Gleichheit, die behauptet wurde

Die Beschreibung stellt Ultras und Tribünenbesucher, Frauen und Männer ausdrücklich gleich, mit dem Vergleich, im Stadion seien alle gleich.

Der Vergleich hält der Nachprüfung nicht stand – die Sicherheitsdebatte dieser Jahre behandelte Kurve und Tribüne gerade nicht gleich, und die Beiträge dieser Sammlung belegen das auf jeder zweiten Seite. Als Regel für eine Autorenschaft war die Aussage trotzdem wirksam: Der Bestand enthält Rubriken aus Ultragruppen und Rubriken von Zuschauern, die nie in einer Kurve gestanden haben, und beide in derselben Aufmachung.

Die einzige inhaltliche Grenze

Eine erklärte Position gegen Rassismus, Diskriminierung und Homophobie im Stadion. Das war der einzige Rahmen, den die Beschreibung setzte, und er war 2014 keine Selbstverständlichkeit.

Diese Sammlung enthält Beiträge, in denen genau diese Vorfälle vorkommen – Beschimpfungen aus Blöcken, Spruchbänder, Vorgänge, die zu Verfahren führten. Sie kommen darin als Problem vor und nicht als Beiwerk, und der Grund dafür steht auf dieser Seite.

Was ein Autor selbst entschied

Alles, was den Beitrag betraf: Gegenstand, Länge, Ton, Erscheinungstag. Der Bestand enthält Texte von 150 Wörtern und Texte von 3 000, Terminhinweise und Rechtsauslegungen, Satire und Protokolle von Mitgliederversammlungen.

Das ist an den Beiträgen selbst ablesbar. Eine Rubrik schreibt zu jedem Spiel, eine andere dreimal pro Saison; eine arbeitet mit Zwischentiteln, eine nächste mit einem einzigen Block Text. Redaktionelle Eingriffe sind in diesem Bestand nicht zu erkennen.

Der Preis dafür steht ebenfalls in den Beiträgen: unbelegte Zuschreibungen, persönliche Angriffe auf namentlich Genannte, gelegentlich Vorwürfe, die ein Redakteur gestrichen hätte. Wer diesen Bestand benutzt, muss zwischen der Beobachtung und ihrer Deutung selbst unterscheiden – bei jedem einzelnen Text.

Warum die Struktur die Grenzen erklärt

Ein Bestand aus Einzelautoren hat keine Redundanz. Fällt ein Autor aus, endet die Rubrik – dokumentiert an einem Abschiedstext von 2013. Wechselt ein Autor den Verein oder verliert das Interesse, bleibt die Lücke.

Das erklärt die ungleiche Abdeckung: Über manche Vereine gibt es Dutzende Beiträge, über andere keinen einzigen. Wer diesen Bestand als Quelle benutzt, liest deshalb nicht die deutsche Fankultur, sondern die Fankultur derjenigen Standorte, an denen jemand geschrieben hat.

Was aus dieser Publikationsform wurde

Diese Publikationsform ist verschwunden. Blogs einzelner Anhänger unter dem Dach eines Fanmagazins waren zwischen 2010 und 2016 verbreitet; danach ist die Debatte in soziale Netzwerke und Podcasts abgewandert, wo sie schneller stattfindet und kein durchsuchbares Archiv hinterlässt.

Was von der Konstruktion bleibt, ist der Bestand: mehrere Hundert datierte Beiträge über Sicherheitspapiere, Kartenpreise, Stadionverbote, Auswärtsfahrten und Vereinsversammlungen, aus den Jahren, in denen darüber entschieden wurde. Sie sind an ihren ursprünglichen Adressen erreichbar, weil ein Teil dieser Adressen in wissenschaftlichen Arbeiten und in der Presseberichterstattung dieser Jahre als Quelle angegeben ist.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Wie viele Autoren schrieben hier?

Zum Zeitpunkt dieser Selbstbeschreibung über 30 – aus der Bundesliga bis in den Amateurfußball, teils an einen Verein gebunden, teils nicht.

Waren es Journalisten?

Nein, und das war ausdrücklich festgehalten: keine Fachleute, keine Berufsjournalisten, keine Vereinsvertretungen. Die Themen setzten die Autoren selbst.

Gab es eine inhaltliche Grenze?

Eine erklärte Position gegen Rassismus, Diskriminierung und Homophobie im Stadion. Sie war der einzige inhaltliche Rahmen, den die Beschreibung nennt.