FankulturDokumentation · Deutschland
Buch

Ein Sammelband über Ultras

Ultras sorgen mit Choreografien und Gesängen für die Atmosphäre in den Kurven und stehen gleichzeitig unter dem Verdacht, für Gewalt im Stadion, für Auseinandersetzungen an Bahnhöfen und Raststätten, für Pyrotechnik und Platzstürme verantwortlich zu sein.

Der Sammelband „Ultras im Abseits?“ ist der Versuch, diese Jugendkultur aus mehreren Richtungen zugleich zu beschreiben. Diese Sammlung führte dafür eine eigene Rubrik – Bücher, die zur Debatte gehören, mit Inhaltsverzeichnis und Einordnung.

Was die Zusammensetzung leistet

Sie ist der Grund, aus dem dieser Band als Referenz taugt. Zu Wort kommen Fanbeauftragte, Journalisten, Wissenschaftler und Polizeiangehörige – und daneben, in ausführlichen Interviews, Mitglieder verschiedener Ultragruppen.

Damit stehen die Beteiligten einer Auseinandersetzung in einem Band, die sonst getrennt publizieren: Sicherheitsbehörden in Lageberichten, Fangruppen in eigenen Heften, Verbände in Konzeptpapieren. Diese Sammlung dokumentiert die Folgen dieser Trennung an mehreren Stellen – etwa an der Kritik an der Statistik, die Fanorganisationen und Behörden unterschiedlich lesen.

Der Aufbau

Sechs Teile, und die Abfolge ist eine Argumentation.

Zuerst der Wandel der Fankultur – Fußball im Wandel, dazu eine Entwicklungsgeschichte der deutschen Ultrabewegung. Dann Identität und Selbstverständnis: der Weg als Ziel, die Selbsterfindung als Notwendigkeit, der Wandel von Fanidentitäten durch kommerzielle Entfremdung, und ein eigener Beitrag über Ultras und Politik.

Der dritte Teil sind die Gespräche mit Ultras. Der vierte behandelt die Auseinandersetzung um Gewalt, Repression und Prävention – Kriminalisierung, das Verhältnis von Ultras und Polizei aus beiden Richtungen, Fansozialarbeit als Gewaltprävention, Ultras und Fanbeauftragte, dazu ein Bericht über Fußballspiele in Spanien.

Der fünfte Teil ist die Außenperspektive: Pyrotechnik, Ultras in den Medien, Ultras und die Anderen, Ultras und Sportpolitik. Der sechste stellt die Frage des Titels und beantwortet sie in zwei Beiträgen über Chancen und Risiken.

Die Sportpolitik war 2012 die entscheidende Ebene

Dort lag in diesem Jahr die Entscheidung. Im Herbst desselben Jahres entstand das Konzeptpapier, dessen zehn Eckpfeiler diese Sammlung dokumentiert, und im Dezember stimmten die Vereine darüber ab.

Ein Sammelband, der dieselbe Sache akademisch aufarbeitet, und ein Antragspaket, das sie regelt, entstanden damit im selben Jahr. Der Band ist deshalb keine nachträgliche Betrachtung, sondern ein Beitrag zur laufenden Auseinandersetzung.

Wo die Grenzen liegen

Ein Sammelband mit Beiträgen aus fünf Richtungen hat keine These. Er stellt Positionen nebeneinander, und wer eine Antwort auf die Titelfrage sucht, findet mehrere.

Das ist für eine Debatte, die zur selben Zeit über Kollektivstrafen und Personenkontrollen geführt wurde, ein Nachteil – ein Papier mit einer Forderung wirkt schneller. Als Grundlage für alles, was danach geschrieben wurde, ist es der Vorteil: Der Band lässt sich von allen Seiten zitieren, weil alle Seiten darin vorkommen.

Was er für dieses Archiv bedeutet

Er erklärt, warum ein Teil der Verweise auf diese Sammlung aus Universitäten und Fachorganisationen stammt. Die Beiträge dieses Bandes kommen unter anderem aus der Kriminologie und aus der Koordinationsarbeit der Fanprojekte – denselben Einrichtungen, deren Arbeit in dieser Sammlung als Fansozialarbeit und als Gegenstand von Statistikstreit vorkommt.

Ein Fanmedium, das eine Buchrubrik führt und Inhaltsverzeichnisse abdruckt, richtet sich damit nicht nur an Anhänger, sondern auch an die, die über sie schreiben. Genau daraus ist der Teil des Bestands entstanden, der heute noch zitiert wird.

Ein früher Titel in einer gewachsenen Literatur

Die Literatur zur Ultrabewegung ist seit 2012 stark gewachsen, mit Dissertationen, Sammelbänden und Langzeitstudien. Dieser Band gehört zu den früheren Titeln, die alle Beteiligten zu Wort kommen lassen – und die Interviews darin sind inzwischen selbst Quellen über eine Bewegung, die es in dieser Form nicht mehr gibt.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Was ist an dem Band besonders?

Die Zusammensetzung: Beiträge aus Kriminologie und Sozialwissenschaft, aus der Fansozialarbeit, von Polizeiangehörigen und Journalisten stehen neben ausführlichen Interviews mit Mitgliedern verschiedener Ultragruppen – in einem Band.

Wie ist er aufgebaut?

In sechs Teilen: Wandel der Fankultur, Identität und Selbstverständnis der Bewegung, Gespräche mit Ultras, die Auseinandersetzung um Gewalt und Repression, Außenperspektiven, und abschließend Chancen und Risiken.

Warum steht er in diesem Archiv?

Weil er die Literaturgrundlage der Debatte ist, die diese Sammlung dokumentiert – und weil Beiträge daraus aus Einrichtungen kommen, die dieselbe Debatte fachlich geführt haben.