FankulturDokumentation · Deutschland
Stellungnahme

Eine gemeinsame Erklärung

Im Oktober 2012 legten das Präsidium des 1. FC Union Berlin und die aktive Fanszene eine gemeinsame Erklärung vor: Das Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“ sei in seiner Gesamtheit grundsätzlich nicht akzeptabel.

Die Form ist die Nachricht

Nicht der Verein erklärt und nicht die Fanszene, sondern beide zusammen – nach intensiver Diskussion, in einer neunseitigen Positionierung, erarbeitet von Präsidium und Fan- und Mitgliederbetreuung.

In dieser Sammlung ist mehrfach dokumentiert, wie solche Verfahren üblicherweise ablaufen: Ein Verein beschließt, die Kurve widerspricht, und die Auseinandersetzung wird über Spruchbänder und Pressemitteilungen geführt. Eine gemeinsame Erklärung setzt voraus, dass beide Seiten vorher zusammensitzen – und dass der Verein bereit ist, sich das Ergebnis zurechnen zu lassen.

Der Kern der Positionierung

Festgestellt wird, dass der vorliegende Maßnahmenkatalog kein sinnvolles Mittel sei, um den fraglos vorhandenen Problemen zu begegnen.

Der Nebensatz ist der wichtigere Teil. Die Erklärung bestreitet nicht, dass es Probleme gibt – sie bestreitet die Eignung der Maßnahmen. Damit ist die Position nicht angreifbar über den Vorwurf, eine Fanszene wolle nichts ändern; sie verlangt andere Mittel.

Der Einzelfall im Kreis der 36

Derselbe Verein hatte als einziger der 36 Profivereine den Verhaltenskodex nicht unterschrieben, der beim Sicherheitsgipfel Mitte Juni 2012 in Berlin vorgelegt worden war – und sich seither dafür stark gemacht, Fans in den Dialog einzubeziehen.

Das ist die Zahl, die diese Debatte am besten beschreibt: einer von 36. Bei der Abstimmung im Dezember lehnten zwei Vereine das Konzept vollständig ab; im Juni war es einer, der nicht unterschrieb.

Die Vereinsseite ist kaum überliefert

Sonst ist von ihr nichts überliefert. Über die Proteste der Kurven gibt es Bilder, über die Beschlüsse der Liga Protokolle – die Stellungnahmen einzelner Vereine sind auf ihren eigenen Seiten erschienen und dort verschwunden.

Eine Presseschau derselben Wochen hält in dieser Sammlung fest, dass mehrere Vereine ablehnten oder Bedenken hatten. Diese Erklärung ist die ausführlichste davon.

Beschlossen am 12. Dezember 2012

Das Papier wurde am 12. Dezember 2012 beschlossen. Der Verein, um den es hier geht, ist seither derjenige, an dem sich Debatten über Mitgliederbeteiligung und Fanbeteiligung regelmäßig orientieren – und in dieser Sammlung an anderer Stelle als Reiseziel dokumentiert, dessen Stadion die Mitglieder in Eigenleistung mit umgebaut haben.

Beides gehört zusammen. Ein Verein, dessen Anhänger eine Tribüne gebaut haben, verhandelt mit ihnen anders als einer, der ihnen eine Arena stellt.

Was eine Ablehnung „in ihrer Gesamtheit“ bedeutet

Sie ist mehr als Kritik an Einzelpunkten und weniger als eine Gegenposition. Wer ein Papier als Ganzes für ungeeignet hält, verweigert die Debatte über einzelne Maßnahmen – und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, keine Alternative zu benennen.

Genau diesen Vorwurf hat dieser Verein in den Jahren danach beantwortet: mit Formaten, in denen Mitglieder und Fanszene an Entscheidungen beteiligt sind, und mit einer Position zur Eigentumsordnung des Profifußballs, die in dieser Sammlung an anderer Stelle als Gesprächsgegenstand bei der Liga auftaucht.