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Die Nordkurve Nürnberg und der Stadionname

Als im August 2012 auf dieser Domain eine eigene Rubrik über die Nürnberger Nordkurve begann, stand im ersten Beitrag ein Thema, das der Verfasser als das wohl wichtigste für alle Nürnberger bezeichnete: der Name des Stadions.

Die Chronologie des Namens

Das Stadion wurde 1928 nach einem Entwurf mit achteckigem Grundriss eröffnet. Von 1945 bis 1961 hieß es unter der amerikanischen Besatzung Victory Stadium. Nach einer Generalsanierung ab 1987 wurde es 1991 als Frankenstadion wiedereröffnet und trug diesen Namen bis 2006.

2006 wurden die Namensrechte an einen Anbieter von Konsumentenkrediten verkauft. Von 2013 bis 2016 folgte der Name eines Elektronikkonzerns. Seit 2017 heißt das Stadion Max-Morlock-Stadion – nach dem Weltmeister von 1954, der fast seine gesamte Karriere für den Verein spielte.

Was die Kurve 2006 tat

Als die Namensrechte verkauft wurden, demonstrierten große Teile der Anhängerschaft, angeführt von der örtlichen Ultragruppe, gegen die Umbenennung – und benannten das Stadion symbolisch nach Max Morlock.

Elf Jahre später war dieser Name der offizielle. Damit ist dies der am besten dokumentierte Fall in dieser Sammlung, in dem eine Fanforderung vollständig durchgesetzt wurde: nicht abgemildert, nicht als Kompromiss, sondern als exakt der Name, den die Kurve vorgeschlagen hatte.

Der Stand im August 2012

Der Beitrag hält den Zwischenschritt fest: Nach langen Protesten sei Anfang des Vorjahres klar geworden, dass der Vertrag mit dem Sponsor ausläuft und nicht verlängert wird – für die Kampagne ein Aufschwung.

Diese Zwischenstände sind der Grund, aus dem eine solche Rubrik dokumentarisch wertvoll ist. Dass ein Stadion heute nach Max Morlock heißt, steht in jedem Nachschlagewerk; dass die Fanszene sechs Jahre vorher wusste, wann der Vertrag ausläuft, und ihre Kampagne daran ausrichtete, steht nur hier.

Derselbe Sponsor an anderer Stelle

Derselbe Sponsor kommt an anderer Stelle vor: Eine Kaiserslauterer Ultragruppe lehnte einen Preis ab, weil er von diesem Unternehmen getragen wurde – und verwies dabei ausdrücklich auf das Nürnberger Stadion.

Und die Frage selbst ist in dieser Sammlung mehrfach verhandelt: als Chronologie der Stadionnamen, als Vorschlag, Sponsor und Name zu verbinden, und als offener Brief, der 2015 in Hamburg zum Ziel führte. Nürnberg ist der Fall, in dem am Ende kein Sponsor zahlte.

Die anderen Themen des ersten Beitrags

Zwei stehen daneben. Zum einen hatte die Kurve seit dem Diebstahl einer Blockfahne einer anderen Fanszene erhebliche Schwierigkeiten – die Verdachtslage nach einem solchen Vorgang trifft eine ganze Kurve, unabhängig davon, wer beteiligt war. Wie diese Aktionen ablaufen und was sie bewirken, steht in dieser Sammlung an anderer Stelle.

Zum anderen ein Vorbereitungsspiel gegen Dortmund, zu dem über 30 000 Zuschauer kamen – nicht wegen des Gegners, sondern weil es das Abschiedsspiel eines Publikumslieblings war.

Eine Forderung, die nichts kostete

Die Forderung kostete nichts und hatte einen Anlass, den niemand bestreiten konnte. Ein Weltmeister, der fast seine ganze Karriere in diesem Verein spielte, ist als Namensgeber unangreifbar – und eine Stadt, die ein Stadion besitzt, kann einen solchen Namen vergeben, sobald kein Vertrag mehr entgegensteht.

Genau daran zeigt sich, was Fankampagnen erreichen können: nicht die Abschaffung der Vermarktung, sondern die Besetzung der Lücke, die sie hinterlässt.

Das Stadion selbst

Es liegt im Nürnberger Süden, im Umfeld des früheren Reichsparteitagsgeländes, und der achteckige Grundriss von 1928 ist bis heute erkennbar. Die Nordkurve ist der Stehplatzbereich dahinter, in dem die aktive Fanszene steht.

Für Auswärtsfahrer ist die Anlage damit einer der wenigen Orte in Deutschland, an dem sich die Baugeschichte des Stadions und die Geschichte des Ortes nicht trennen lassen. Das erklärt zusätzlich, warum die Namensfrage hier stärker verhandelt wurde als anderswo: Wer über einen Namen streitet, streitet an dieser Stelle über mehr als über Werbung.

Die Stadt besitzt das Stadion

Sie entscheidet damit auch über den Namen. Das ist der praktische Unterschied zu den Standorten dieser Sammlung, an denen die Namensrechte beim Verein oder einer Betreibergesellschaft liegen – dort entscheidet ein Vertrag, hier eine Kommune.

Und weil eine Kommune anders adressierbar ist als ein Vermarkter. Ein Stadtrat ist gewählt, seine Sitzungen sind öffentlich, und eine Kampagne, die dort Mehrheiten sucht, hat einen Weg, den es gegenüber einem Sponsor nicht gibt.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Wie heißt das Stadion in Nürnberg?

Seit 2017 Max-Morlock-Stadion, nach dem Weltmeister von 1954 und langjährigen Spieler des Vereins. Davor trug es von 1991 bis 2006 den Namen Frankenstadion und anschließend die Namen zweier Sponsoren.

Was ist die Nordkurve Nürnberg?

Die Heimkurve des 1. FC Nürnberg im Stadion im Nürnberger Süden – der Stehplatzbereich, in dem die aktive Fanszene des Vereins steht.

Woher kommt der Name Max Morlock?

Max Morlock war Weltmeister von 1954 und spielte fast seine gesamte Karriere für den 1. FC Nürnberg. Die Fanszene benannte das Stadion 2006 symbolisch nach ihm, als die Namensrechte verkauft wurden; elf Jahre später übernahm die Stadt den Namen offiziell.