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Personalisierte Karten in Dänemark

Sicherheitskonzepte von Verbänden führen nicht nur in Deutschland zu Protesten. In Dänemark startete der Dachverband der Fanclubs, Danske Fodbold Fanklubber, im Februar 2015 eine Kampagne gegen ein Vorhaben des Ligaverbandes.

Das Vorhaben

Zur Saison 2015/16 sollten die Karten für die Gästeblocks personalisiert ausgestellt werden. Der Käufer sollte neben einem Bild persönliche Daten angeben – Name, Geburtsdatum, Adresse und weitere Angaben.

Das ist eine weitergehende Fassung dessen, was in dieser Sammlung für Deutschland dokumentiert ist: Dort verlangte ein Verein für ein Auswärtsspiel persönliche Daten am Vorverkaufsschalter, und ein Anhänger setzte sich mit anwaltlicher Hilfe dagegen durch. In Dänemark sollte es der Regelfall für ein ganzes Land werden.

Der Einwand

Er ist technischer Natur und deshalb schwer zu entkräften: Die Karte gilt nur für Gästebereiche. Wer sie umgehen will, kauft im Heimbereich – und damit ist die Maßnahme für den Zweck, den sie verfolgt, ungeeignet.

Der Dachverband nannte das Vorhaben deshalb eine Alibimaßnahme im Rahmen der auch in Dänemark geführten Sicherheitsdebatte. Das ist derselbe Vorwurf, der in dieser Sammlung gegen das deutsche Positionspapier erhoben wurde – dort formuliert als Fehleinschätzung gegenwärtiger Tendenzen.

Die Arbeit, die dahinter steckt

Der Verband legte in Gesprächen mit dem Direktor des Ligaverbandes internationale Beispiele vor – Belgien, Italien, Polen – für die geringen Erfolgsaussichten personalisierter Tickets, und berief sich auf europäische Studien.

Das ist die anspruchsvollste Form von Fanvertretung, die in dieser Sammlung vorkommt: nicht Protest, nicht Boykott, sondern eine Beweisführung mit Vergleichsfällen und Untersuchungen.

Wie die Gespräche ausgingen

Ergebnislos. Der Verbandsdirektor merkte an, man könne Dänemark nicht mit anderen Ländern vergleichen, und ging auf die vorgelegten Zahlen und Argumente nicht ein; er verwies auf die Beschlüsse eines 2012 eingerichteten Gremiums.

Dieser Ablauf ist der eigentliche Befund dieses Beitrags. Eine Fanvertretung, die mit Studien und Länderbeispielen antritt, trifft auf die Antwort, dass die Beispiele nicht passen – und auf den Verweis auf eine Entscheidung, die vorher gefallen ist.

Die Debatte lief europäisch, nicht dänisch

Der Vorgang zeigt, dass diese Debatte europäisch geführt wurde und nicht in einem Land. Italien hatte die personalisierte Fankarte seit 2009 und in dieser Sammlung ist ihre Wirkung als Krise der italienischen Fankultur dokumentiert; Polen und Belgien hatten vergleichbare Systeme; in Deutschland stand die Personalisierung als Vorschlag unter den zehn Eckpfeilern von 2012.

Ein deutsches Fanmedium, das über eine dänische Kampagne berichtet, tut damit genau das, was diese Sammlung an mehreren Stellen als ihre Aufgabe beschreibt: sich mit einem Thema befassen, bevor es den eigenen Verein erreicht.

Was eine Personalisierung praktisch bedeutet

Sie verschiebt den Kartenkauf von einer Ware zu einem Vorgang mit Antrag. Wer ein Auswärtsspiel besuchen will, hinterlegt vorher Daten, wartet auf die Ausstellung und kann die Karte nicht weitergeben – auch nicht an den Bekannten, der einspringt, weil eine Schicht dazwischenkommt.

Damit fällt die Mitnahme weg, über die Fanszenen einen großen Teil ihrer Auswärtsfahrten organisieren: Ein Bus wird voll, weil kurzfristig getauscht wird. Eine Karte, die auf einen Namen lautet, macht aus jedem Ausfall einen leeren Platz.

Genau dieser Nebeneffekt ist in dieser Sammlung mehrfach dokumentiert – bei der Verwaltungsgebühr auf Auswärtstickets ebenso wie bei den Vorverkaufsauflagen einzelner Vereine. Die Maßnahmen zielen auf die Zurechenbarkeit und treffen die Organisation.

Der Datenschutz-Teil der Frage

Er kam 2015 in der dänischen Debatte am Rand vor und ist der Punkt, der heute am stärksten wiegt. Ein Ligaverband, der Bild, Name, Geburtsdatum und Adresse jedes Gästefans erhebt, führt eine Datenbank der reisenden Anhängerschaft eines ganzen Landes – erhoben zu einem Zweck, dessen Wirksamkeit er nicht belegt hat.

Für die Verhältnismäßigkeitsprüfung, die eine solche Erhebung verlangt, ist die Wirksamkeitsfrage nicht nebensächlich, sondern der erste Prüfschritt: Eine ungeeignete Maßnahme ist unabhängig von ihrem Umfang nicht zu rechtfertigen. Der dänische Dachverband hatte damit, ohne es so zu nennen, das rechtlich tragfähigste Argument in der Hand – und es blieb unbeantwortet.

Was ein Fanverband dafür braucht

Zeit, Zugang und jemanden, der Studien lesen kann. Die dänische Kampagne setzt einen Dachverband voraus, der als Gesprächspartner des Ligaverbands akzeptiert ist, Termine bekommt und Untersuchungen aus anderen Ländern beschaffen kann.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. In Deutschland war die vergleichbare Struktur damals im Aufbau, und die Beiträge dieser Sammlung zeigen sie an ihren Rändern: offene Briefe einzelner Szenen, gemeinsame Erklärungen von Verein und Fanvertretung, Stellungnahmen, die vor einer Abstimmung erscheinen. Eine Verbandsvertretung mit Terminen und Aktenkenntnis ist die nächste Stufe – und dass sie in Dänemark bestand und trotzdem nichts erreichte, ist der Teil dieses Vorgangs, der ernüchtert.

Eingeführt, gelockert, bei Risikospielen Praxis

Personalisierte Auswärtskarten sind in mehreren europäischen Ligen eingeführt, in einigen wieder gelockert und in Deutschland an vielen Standorten für Risikospiele Praxis geworden. Die Frage, die der dänische Dachverband 2015 stellte, ist unverändert offen – und sie ist eine empirische: Ob eine Maßnahme, die nur den Gästebereich betrifft, überhaupt wirken kann.

Beantwortet wurde sie in keinem der Länder, die sie eingeführt haben.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Was war geplant?

Ab der Saison 2015/16 sollten die Karten für die Gästeblocks personalisiert ausgestellt werden – mit Bild und persönlichen Daten des Käufers, darunter Name, Geburtsdatum und Adresse.

Was war der Einwand?

Dass keine Sicherheitserhöhung zu erwarten ist, weil die Karte nur für Gästebereiche gilt – wer sie umgehen will, kauft im Heimbereich. Der Dachverband nannte es eine Alibimaßnahme im Rahmen der dortigen Sicherheitsdebatte.

Welche Belege wurden vorgelegt?

Internationale Beispiele aus Belgien, Italien und Polen für die geringen Erfolgsaussichten personalisierter Tickets sowie entsprechende europäische Studien.